MH17: Buk-Splitter sollen in Leichen gefunden worden sein

Während ein ukrainischer Ex-Geheimdienstoffizier und Ex-Mitglied des Internationalen Untersuchungsteams (JIT) Russlands Schuld für erwiesen hält, sucht das Team weiter dringend nach Zeugen

Am 13.Oktober soll der abschließende Untersuchungsbericht des Dutch Safety Board über den Absturz von MH17 vorgelegt werden. Im August war bekannt geworden, dass Teile gefunden worden seien, die von einem BUK-Raketensystem stammen könnten (MH17: Möglicherweise Teile einer BUK-Rakete gefunden). Auch selbst wenn der Abschlussbericht nachweisen kann, dass eine Buk-Rakete die Passagiermaschine abgeschossen hat, bliebe noch offen, wer für den Abschuss verantwortlich ist. Im Zwischenbericht war von vielen "Hochenergie-Objekten" die Rede.

Bild: NBAAI

Für die Suche nach den möglichen Tätern ist das Gemeinsame Untersuchungsteam (JIT) verantwortlich. Gegenwärtig seien dort 10 Staatsanwälte und 100 Experten tätig. Angeblich sind nach Vasyl Vovk, einem ehemaligen Mitarbeiter des Gemeinsamen Untersuchungsteams aus der Ukraine, der auch als Offizier beim Geheimdienst SBU tätig war, Splitter einer BUK-Rakete in Leichenteilen der Opfer gefunden. Vovk war tatsächlich, wie der niederländische Sender NOS nachgefragt hat, fast ein Jahr lang bis 19. Juni, Teil des Teams.

Dort kritisierte man aber, dass er sich nicht vorsichtiger äußert. Vermutlich befürchtet man, dass mit solchen parteiischen Äußerungen die ganze Untersuchung weiter in Misskredit kommen könnte (Geheimniskrämerei um MH17). NOS News, RTL News und Volkskrant haben sich nun zusammengeschlossen, um das Justizministerium gerichtlich dazu zu zwingen, geheim gehaltene oder großenteils eingeschwärzte Dokumente zum Fall MH17 freizugeben. Die Medien sagen, gerade in einem solchen hochpolitischen Fall sei Transparenz unabdingbar.

Der JIT-Bericht wird vermutlich frühestens Ende des Jahres kommen. Hier hieß es, man verfolge vor allem die "wahrscheinlichste" Spur, nämlich der Annahme des Abschusses durch ein Buk-System der Separatisten bzw. russischer Soldaten (MH17: Niederländische Ermittler machen Volkswehr für Abschuss verantwortlich). Das bestätigte auch der Aufruf , dass sich diesbezüglich Zeugen melden sollten. Es sollen sich hunderte Zeigen gemeldet haben. Man gehe aber auch weiterhin anderen Spuren nach, heißt es diplomatisch gegenüber NOS. Von russischer Seite macht man sich dafür stark, dass ein ukrainisches Kampfflugzeug die MH17 abgeschossen haben könnte. Es wird auch erwogen, dass es ein Buk-System der ukrainischen Streitkräfte gewesen sein könnte (Es war eine Buk-M1 - oder eine Luft-Luft-Rakete).

Zurückhaltend ist der Ex-Geheimdienstmann tatsächlich nicht. Nach seiner Aussage habe er mit anderen Experten viele unterschiedliche Proben von Buk-Raketen untersucht, um zu überprüfen, ob die forensischen Spuren in den Leichen und dem Flugzeugwrack mit dem Material der Raketen übereinstimmen. Es habe eine Übereinstimmung zwischen Splittern und einer Probe gegeben. Man habe diese Experten für die komparative Analyse übergeben.

Offenbar will Vovk in der Öffentlichkeit vor dem Abschlussbericht Stimmung machen, was ihm auch gelungen ist, seine Behauptung wurde von vielen Medien weitergegeben, auch von russischen. Dem niederländischen Radio sagte er: "Niemand bestreitet, dass das Flugzeug der Malaysia Airlines durch eine Buk-Rakete von einem Buk-System abgeschossen wurde, das aus dem Gebiet der Russischen Föderation geliefert wurde." Es sei schwer zu glauben, dass die Soldaten die Rakete ohne Befehle von oben abgeschossen haben: "Der russische Verteidigungsminister muss davon gewusst haben", behauptet Vovk, der weiter erklärte, das JIT habe auch "Beweise, dass das Buk-System von den Terroristen bestellt" worden sei.

Nach Chefermittler Fred Westerbeke ist JIT weiterhin "dringend" auf der Suche nach Zeugen, wie NOS berichtet. Das Team könne nicht in der Ostukraine arbeiten, das Gebiet werde von den Separatisten kontrolliert, und daher dort keine Zeugen vernehmen, die im Kriegsgebiet leben und offenbar nicht ausreisen wollen. Zeugen, die vor Ort nicht mit ukrainischen Beamten sprechen möchten, hätten jedoch die Möglichkeit, sich an australische oder niederländische Ermittler zu richten. Manche der Zeugen würden die ukrainischen Streitkräfte als Feinde ansehen. Die Ukraine scheint dies aber nicht zu tolerieren. Die ukrainische Staatsanwaltschaft fordert die Vernehmung durch ukrainische Ermittler, wie ein Sprecher auch an NOS geschrieben hat.

Der australische Stephen Dametto erklärte, dass Zeugen auch ein Zeugenschutzprogramm angeboten würde. Das alles klingt nicht so, als wäre man einem Beweis schon wirklich näher gekommen, wie das Vovk suggeriert, und es klingt auch danach, als ob die Zeugen Angst vor allem vor der ukrainischen Justiz oder den Separatisten haben. (Florian Rötzer)

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