MH17: Ermittlungsteam weiter auf Beweissuche

Bild: Dutch Safety Board

Ein Schließfach des Privatermittlers Resch, der 47 Millionen US-Dollar für Hinweise auf die Täter ausgelobt hatte, wurde in der Schweiz durchsucht

Die Zeitschrift Capital ist stets bestens informiert, wenn es um den Privatermittler Josef Resch geht. Der hat 2014 von einem noch unbekannten Geldgeber zuerst 30 Millionen (30 Millionen US-Dollar Kopfgeld in Sachen MH17) und dann noch 17 Millionen US-Dollar drauf für Hinweise auf die für den Abschuss der Passagiermaschine MH17 über der Ostukraine Verantwortlichen oder diejenigen, die mit Vertuschung tätig sind, ausgelobt. Angeblich wurde das Geld im Juni 2015 an einen Informanten übergeben. Was dieser dem Geldgeber mitgeteilt oder an Beweisen geliefert hat, ist unbekannt. Resch will nur mit einem Mittelsmann zu tun gehabt haben und ansonsten nichts Näheres wissen, munkelte aber, dass sich manche Staaten Sorgen machen sollten ("Wir trampeln da einigen Mächten gehörig auf den Füßen herum").

Dass es sich nicht nur um Story handelt, mit der Aufsehen erregt werden soll, lässt sich zumindest aus dem Verhalten der Behörden schließen. Im März waren sein Haus und das Büro der Wirtschaftsdetektei Wifka in Lübeck von der Polizei aufgrund eines Rechtshilfegesuches der niederländischen Ermittler durchsucht worden (Generalbundesanwalt soll wegen MH17 ermitteln). Der Durchsuchungsbeschluss verwies auf die Ermittlung gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen und vermutete, dass bei Resch Hinweise auf den Abschuss und auf Täter zu finden seien.

Bild: Dutch Safety Board

Gefunden wurde, so Capital und der niederländische Telegraaf jetzt, ein Hinweis auf ein Schließfach bei der UBS in der Schweiz, und da Resch von einem Schweizer Mittelsmann gesprochen hat, liegt es nahe, dass auch die Kontakte und die Geldübergabe über die Schweiz abgewickelt worden waren. Jedenfalls veranlassten die niederländischen Ermittler, dass das Schließfach bei der Bank bereits kurz nach der Hausdurchsuchung gesperrt und am vergangenen Mittwoch geöffnet wurde. Was gefunden wurde, ist noch nicht bekannt, Resch hüllt sich wegen der laufenden Ermittlungen in Schweigen (er wurde angeblich unabhängig davon am Donnerstag mehrstündig vom BKA befragt). Ob sich aus dem weiter bestehenden Interesse an dem über Resch angeblich aufgetriebenen Informanten ablesen lässt, dass die niederländischen Ermittler noch keine Beweise gefunden haben, um den oder die Täter anklagen zu können, ist auch nicht klar. Vielleicht werden nur weitere Beweise oder weitere Verantwortliche bzw. Vertuscher gesucht.

Das Gemeinsame Untersuchungsteam (JIT) zur strafrechtlichen Ermittlung hat gerade erste Ergebnisse "nach dem Sommer" angekündigt. Dabei soll es nicht schon um die Täter, sondern nur um die Waffe und den genauen Abschussort gehen. Hier sei man schon sehr weit fortgeschritten, müsse aber noch einige Themen klären. So würde man noch auf Informationen aus Russland über Buk-Stellungen warten.

Untersucht würde, so heißt es, ob eine Rakete auch unabsichtlich abgeschossen werden könne. Man habe auch nichts, "von dem wir mit Sicherheit wissen, ob es wahr und original ist. Wir haben es schließlich mit einem Konflikt zu tun, der mehrere Parteien umfasst. Diese Parteien können das Interesse haben, Material zu manipulieren oder zu kontaminieren. Wir müssen daher uns selbst dauernd fragen, was das Interesse einer Quelle sein könnte, bestimmte Informationen zu verteilen." Vorsichtig sei man auch mit den Experten und mit Fundstellen im Internet. In Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Geheimdienst SBU habe man aber bestätigen können, dass von diesem abgehörte Gespräche korrekt seien.

Für Unruhe hatte im April eine BBC-Doku gesorgt. Nach Zeugenaussagen sei es doch möglich, dass MH17 von einem Kampfflugzeug abgeschossen worden sein könnte ("Zuerst sahen wir schwarzen Rauch und zwei Flugzeuge, kleine Flugzeuge"). (Florian Rötzer)