"Mach die Glotze endlich platt"

Monster-LC-Display mit 37 Zoll – 94 Zentimetern – Diagonale

Wer sagt eigentlich, dass Technikspielzeuge immer besonders klein sein müssen? Üblicherweise sind Männer doch stolz darauf, den Größten zu haben – auch wenn der dann in der Garage steht oder an der Wand hängt.

"Die Flimmerkiste" – der Fernseher – nervt. Nicht nur vom Programm her – dem kann man ja beispielsweise mit einer DVD abhelfen. Doch der Hausaltar steht klobig im Zimmer und flimmert. Auch mit 100 Hz-Technik ist das Bild aggressiv: Brilliante Farben kommen oft mit für die Abendstunden viel zu hohen Kontrasten, im hellen Raum wiederum sieht man nicht mehr viel auf der spiegelnden Röhre. Und so richtig groß geht es mit dem Bild auch nicht – bei 82 Zentimetern ist Schluss.

Der Beamer an der Decke ist eine bei Heimkinofans beliebte Alternative. Doch er hat als Glotzenersatz einige Nachteile: Man muss den Raum verdunkeln, der Gerätelüfter surrt und die teuren Lampen halten nicht lange.

Leinwand statt Röhre: Nicht optimal

Rückprojektion ist eine mögliche Alternative: Hier ist ein Beamer in ein Gehäuse mit eingebauter Leinwand verbaut. Das Bild ist auch bei Tageslicht noch brauchbar, größer als bei der Röhre, das Gerät zumindest etwas flacher, den Lüfter hört und den Projektor sieht man nicht mehr. Doch das Lampenproblem bleibt und so wirklich gut ist das Bild auch nur, wenn man genau vor dem Gerät sitzt – seitlich wird es deutlich dunkler.

Plasmabildschirme wiederum sind flach und hell, doch außerdem sehr stromfressend und in der Lebensdauer weit unter der Bildröhre. Zudem – man mag es nicht glauben – neigen Plasmabildschirme wieder zum Flimmern. Erst die auch von Computerflachbildschirmen bekannte LCD-Technik bringt ein Bild, das nicht aufregt, sondern entspannt.

LCD – für kleine Anzeigen schon lange üblich

Wurden die optischen Effekte in Flüssigkristallen auch einst in Deutschland bei Telefunken entdeckt, so war der japanische Hersteller Sharp doch der erste, der sie mit LC-Displays in Armbanduhren und Taschenrechnern in großen Stückzahlen erfolgreich umsetzte. Das LC-Display war bald die Lösung für stromsparende, kleinformatige Anzeigen, die auch in hellem Tageslicht ablesbar waren.

Dies änderte sich zunächst mit dem Aufkommen der Farb-LCDs: Sowohl die anfänglichen passiven Farb-LCD als auch die späteren TFT-LCD, wie sie im modernen Notebook und Flachbildschirm stecken, sind stark vom Betrachtungswinkel abhängig und werden bei direkter Sonneneinstrahlung absolut unlesbar.

Zusammen mit WLAN und eingebautem Akku gibt es mit LC-Bildschirmen Videogucken und Satelliten-TV im ganzen Haus und auch im Garten (Bild: W.D.Roth)

Doch Sharp entwickelte die LCD-Technik so weiter, dass diese Anzeigen nun sogar im Auto-Umfeld optimal sind, wo der Wechsel von Sonne auf Dunkelheit und zurück beispielsweise bei einer Tunneldurchfahrt unvermeidlich ist, ebenso der Betrachtungswinkel und auch die Temperatur: Jedem sind sicher schon einmal Thermometer begegnet, deren LC-Anzeige in der prallen Sonne versagte. Das wäre bei einem Tachometer natürlich nicht akzeptabel.

Erreichen konnte Sharp diese Verbesserungen mit den sogenannten ASV (Advanced Super View) -Displays: Sie haben bereits von Natur aus mit einem Kontrastverhältnis von 500:1 und einer Reaktionszeit von 25 Millisekunden bessere Eigenschaften als die momentan üblichen TFT- oder gar Passiv-TN (Twisted-Nematic-) Displays. Zusätzlich sind sie aber wesentlich unabhängiger vom Betrachtungswinkel: Bis zu 85° sind sowohl seitlich als auch vertikal zulässig, ohne dass die Farbwerte zu sehr verschoben werden oder das Bild gar ins Negativ kippt. Ein weiterer Vorteil: Während normale LCD ohne Stromversorgung durchsichtig sind, sind ASV-LCD im Ruhezustand undurchsichtig schwarz.

LCD: Bislang nur für mobile und tragbare Geräte

Nur für die Fernsehtechnik war LCD lange ungeeignet. Die Hauptmankos: Die notwendige große Fläche und die immer noch zu langsame Reaktion. Deshalb wurden Plasma-Bildschirme entwickelt, die jedoch noch größere Stromfresser sind und noch wesentlich leichter einbrennen und verschleißen, als es bei Röhrengeräten je der Fall war. Alle anderen bisherigen Alternativen zum Traum des Eduard Rhein vom flachen Bild auf der Wand liefen auf Projektion heraus: Rückprojektion mit einem großen Fernsehkasten, starker Richtungsabhängigkeit des Bildes und Unschärfe oder normale Frontprojektion mit Leinwand, lautem Lüftergeräusch und absoluter Tageslichtuntauglichkeit.

Bei kleinen Bildschirmdiagonalen, wie für Computerbildschirme üblich, konnten die ja bereits in Notebooks verwendeten LCDs leicht optimiert werden: Da man nicht ganz so mit dem Stromverbrauch geizen muss wie bei den batteriebetriebenen Notebooks, ließ sich sowohl die Bildschirmhelligkeit als auch die Reaktionszeit optimieren. Tatsächlich sind LC-Computerbildschirme inzwischen deutlich heller als ihr Röhrenpendant.

Unterschied zwischen normalen und ASV-LCDs (Bild: Sharp)

Auch Reflektionen machen wesentlich weniger Probleme: Da der Bildschirm flach ist, lassen sie sich leichter ausblenden und da auch die Strecke von den Flüssigkristallen zur Oberfläche kürzer ist als die vom Leuchtphosphor bis zur Glasoberfläche bei der Röhre, kann die Oberfläche stärker mattiert werden – bei der Röhre würde dies zu starker Unschärfe führen. Hinzu kommen spezielle Folien, die reflektiertes Licht durch Überlagerung auslöschen lassen. Das Resultat sind tiefschwarze Schirme, die deshalb bei Sharp auch "Black TFT" genannt werden.

Die zugehörigen LCD-Fernsehgeräte heißen bei Sharp Aquos. In kleineren Größen wie 37 Zentimeter gibt es sie schon eine Weile. Doch nun wurden in Japan neue Fertigungsstraßen mit besonders großen LCD-Wafern aufgebaut, die hohe Ausbeute und damit wirtschaftliche LCD-Fertigung in typischen Röhrengrößen und noch darüber hinaus erlauben sollen.

Das Ergebnis ist als größtes momentan auch wirklich erhältliches Modell der LC-37HV4, ein 94-Zentimeter-Fernseher (37 Zoll). Mit 1366 x 768 Pixeln in je 3 Farben, also 3,15 Megapixeln, bietet das Gerät deutlich mehr als Plasma-Displays und kann auch PC-Signale darstellen. Dies ist praktisch, um beispielsweise digitale Fotos vorzuführen. Das Display erreicht eine Helligkeit von 430 cd/m2 und einen Kontrast von 800:1 und bietet einen Betrachtungswinkel von 170°.

Fernsehen auch an Sonnentagen

Auch starke Sonneneinstrahlung macht hier kein Problem: Man muss zum Gucken nicht mehr verdunkeln. Diese Displaytechnik bildet daher auch die Basis für die neuesten tragbaren LCD-TV-Modelle, die man mit Wireless-LAN-Anbindung auf den Balkon oder in den Garten mitnehmen kann, wo auf einem normalen Fernseher auch im Schatten meist nicht mehr viel zu erkennen ist.

Das Gerät ist seit dem Frühjahr am Markt und trotz stolzen 9000 Euro Listenpreis so gefragt, dass der Hersteller mit der Produktion gar nicht nachkommt. Selbst der c’t gelang es zunächst nicht, für einen Test ein Gerät aufzutreiben. Umso erfreulicher, dass Telepolis einen LC-37HV4 ausführlich testen konnten.

Bei solchen Tests erweisen sich Prospekte oft als Makulatur und das schöne, große Gerät erweist sich im Testlabor nur noch als schön groß. Nicht so bei Sharp: Nach ungefähr einer halben Stunde angesichts des Preises sehr vorsichtigen Handbuchlesens, Auspackens, Zusammenschraubens und Aufstellens setzte sich mit leisem Lüftersummen das Gerät in Gang und bot ein zuvor nicht gesehenes scharfes und ruhiges Bild.

Analog-TV gut, Digital-TV pixelt…

Interessanterweise nicht nur an perfekten Signalquellen – der LC-37HV4 kann sogar schon 1080i-HDTV-Signale darstellen und blüht an einem guten DVD-Player mit Komponentenausgang richtig auf –, sondern auch an in der Praxis häufigen eher mäßigen Signalquellen wie verrauschten PAL-Signalen von der Hausantenne oder alten Videokassetten: Bildverbesserungs- und Rauschverminderungsschaltungen polieren diese Signale auf DVD-Level auf.

Lediglich MPEG-Digitalsignale mit zu geringer Bitrate, wie bei Regionalprogrammen der ARD auf Astra Satellit oft zu finden, führen zu deutlich sichtbaren Artefakten, die dann auch die beste Elektronik nicht mehr wegrechnen kann. Neben PAL verarbeitet das Gerät auch PAL 60 Hz, wie von Videorekordern oder DVD-Playern beim Abspielen von NTSC-Medien geliefert, Original-NTSC mit 3,58 MHz Farbträger, NTSC mit 4,43-MHz-PAL-Farbträger sowie SECAM.

LCD-"Fahnen" sind Vergangenheit

Verwischungen oder Verzögerungen im Bild sind dank einer "Quick Shoot" genannten Technik, die die Flüssigkristalle auch bei kühlen Umgebungstemperaturen noch etwas schneller reagieren lässt, ebenso nicht zu sehen. Daneben kann die Farbtemperatur und auch die Stärke einzelner Farbtöne detailliert justiert werden, ebenso die Optimierung auf Video- oder Filmdarstellung und die Stärke der Rauschunterdrückung.

Zwischen Sendungen im Normalformat 4:3 und Breitbild 16:9 schaltet das Gerät teilweise sogar automatisch um – nur den Breitmaulfrösche erzeugenden "Panorama"-Modus, der 4:3 einfach auf 16:9 breit zieht, sollte man möglichst schnell still legen. Bei Hauttönen neigen LCDs durch die Hintergrundbeleuchtung teils etwas zu Rosatönen, doch ansonsten ist auch die Farbwiedergabe perfekt.

Die Lautsprecher kann man bei Bedarf auch weglassen – dann ist das Gerät statt 118 nur noch 94 Zentimeter breit. Wer bereits eine Surroundanlage hat, kann so Platz sparen, obwohl die mitgelieferten Lautsprecher eine sehr gute Tonqualität liefern. Die Steuerelektronik, also der eigentliche "Fernseher", ist dabei nicht im Display integriert, sondern in einer separaten Box, die über zwei Leitungen mit dem Display verbunden wird. Was auf den ersten Blick lästig klingt, ist in der Praxis sehr nützlich, da all die Video-, Audio- und Antennenkabel nicht irgendwo hinten am Display angesteckt werden müssen und dieses Kästchen sicher in der Nähe von Videorekorder und DVD-Player aufgestellt werden kann.

Stromverbrauch: Teils weniger als bei einem 55-cm-Röhrengerät

Interessant war es, den Stromverbrauch zu ermitteln, da Röhrengeräte hier ja Stromfresser sind und Plasmamodelle erst recht. In Standby benötigt das Display 1,9 und die Elektronikbox 1,6 Watt, in Maximalstellung der Hintergrundbeleuchtung benötigt das Display 125 Watt , in etwas unter Mittelstellung noch 70 und in der allerdings nur im dunklen Raum sinnvollen Minimalstellung nur noch 35 Watt. Die Elektronikbox benötigt konstante 22 Watt. Irritierend allerdings, dass ein Betätigen der mechanischen Netzschalter an Display und Box deren Verbrauch nicht auf 0, sondern auf 1,6 Watt am Schirm und 1 Watt an der Box bringt. Also nur ein geringer Unterschied zu "Standby".

Wie man sieht, macht die Hintergrundbeleuchtung den größten Teil des Stromverbrauchs aus. Sie ist auch das entscheidende Verschleißteil, doch mit einer angegebenen Lebensdauer von 60.000 Stunden sollte dies auch bei Dauerguckern für über 20 Jahre reichen.

Wer sich das 94-Zentimeter-Gerät zulegt, muss momentan allerdings noch anschließend Pizza essen und auf dem Boden sitzen, weil kein Geld mehr da ist (Bild: Sharp)

Erfreulich ist dabei, dass Sharp hier im Menüpunkt "Eco" neben einer manuellen Regelung der Hintergrundbeleuchtung in 9 Stufen auch einen Automatikmode vorgesehen hat, der die Hintergrundbeleuchtung entsprechend der Raumhelligkeit nachregelt. Diesen Komfort gab es zwar schon bei einigen der Geräte der 50er- und 60er-Jahre, doch geriet er später in Vergessenheit und die Kontrastverstellung ist bei modernen Fernsehern oft tief in Menüs versteckt. Leider kann man die Regelung allerdings nicht auf persönliche Wünsche anpassen – im Ergebnis ist das Bild meist zu hell, wenn man Lichtquellen im Raum hat.

In anderen Ländern sah man das Gerät bereits für knapp unter 6000 Euro Straßenpreis. Loewe will seinen Spheros 37 LCD, der das Sharp-Display benutzen wird, ab 8000 Euro anbieten. Pro Jahr will Sharp 30 Prozent Kostenreduzierung erreichen, 2008 wäre der schicke Wohnzimmerschmuck also mit 1500 Euro auch für Normalbürger finanzierbar. Etwas günstiger ist der ebenso große Videomonitor LC-M3700 – zumal für diesen ja auch keine GEZ-Gebühren anfallen. (Wolf-Dieter Roth)

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