Machen Navigationssysteme Karten überflüssig?

Praxisvergleich tragbarer Navigationssysteme

Einerseits gelten Navigationssysteme immer noch als Prothese für Leute, die zu blöd zum Karten lesen sind. Andererseits will aber mittlerweile fast jeder eins. Sind sie denn nun wirklich praxistauglich geworden oder folgt dem Kauf eine Enttäuschung? Dies kommt ein bisschen auf den jeweiligen Charakter des Fahrers und das Gerät an – im Allgemeinen erhöht ein Navigationssystem die Verkehrssicherheit, es kann allerdings auch mal zum Gegenteil führen.

Das beste Navigationssystem ist ein aufmerksamer Beifahrer, der nicht nur in einer Karte nachschlägt, sondern auch auf die Straßenschilder achtet und dem Fahrer sagt, wie er fahren soll. Dummerweise sind diese Beifahrer rar – Frauen können ja angeblich sowieso keine Karten lesen und Männer sind in dieser Disziplin auch nicht viel besser und erzählen dem Fahrer eher, was gerade für eine tolle Blondine vorbeigelaufen ist und erst danach, welche Abfahrt währenddessen vorbeigerauscht ist.

Mio Walker 269: Zeigt auch die Höhe über Normal-Null an (Bild: W.D.Roth)

Vor allem ist der Fahrer aber gerade in unbekanntem Terrain oft alleine im Wagen und kann nicht jedes Mal rechts ran fahren und anhalten, um in der Karte zu stöbern. Versucht er, dies während der Fahrt zu tun, so ist dies zwar bisher nicht explizit verboten, jedoch wesentlich gefährlicher als das zu Recht ebenfalls gerne kritisierte Hantieren in voller Fahrt an Telefonen, Zigaretten, PDAs oder – jawohl – Navigationssystemen.

Wer dagegen alle 20 Kilometer anhält, um im Straßenatlas nachzuschlagen, kommt nicht voran und hat möglicherweise doch nach einer falschen Abfahrt bereits viele Kilometer unnütz verfahren, zuvor jedoch die ganze Zeit geglaubt, auf dem richtigen Weg zu sein. Hier ist ein Navigationssystem eindeutig im Vorteil: ist es einmal programmiert, so weist es einen nicht nur daraufhin, wie man abfahren soll, sondern auch darauf, wenn man die Ausfahrt – warum auch immer – verpasst hat und berechnet automatisch den Weg neu. Zudem muss es während der Fahrt üblicherweise nicht mehr bedient werden, im Gegensatz zum Straßenkarte. Was jedoch ziemlich umständlich sein kann, ist das Programmieren des Geräts vor dem Losfahren.

Im Prinzip arbeitet ein Navigationssystem nicht anders als ein Beifahrer an der Straßenkarte: es versucht, eine möglichst kurze Verbindung auf möglichst großen, schnellen Straßen herauszufinden. Während der Beifahrer allerdings eher nach Augenmaß und Erfahrung entscheiden dürfte, welche der vorhandenen Straßen gewählt werden soll, benutzt das Navigationssystem mathematische Richtlinien. Das Ergebnis ist nicht immer optimal.

Selbst am frühen Abend ist es beim Mio Walker 269 noch schwierig, auf dem Display etwas zu erkennen (Bild: W.D.Roth)

Im Praxistest schicken einen die Navigationssysteme beispielsweise bei einer Fahrt vom bayrischen Landsberg nach Murnau typischerweise am Ammersee entlang über etliche Dörfer auf dem kürzesten Weg auf die B2, statt den offiziell ausgeschilderten und wesentlich angenehmer zu fahrenden Weg über Weilheim zu wählen. Gerade auf kurzen Strecken wählen Navigationssysteme mitunter völlig unsinnige Fahrtvarianten, bei denen man von einem Ort in den nächsten umständlich über die Autobahn geschickt wird, obwohl eine Landstraße die beiden Orte direkt verbindet.

Umgekehrt wird man auch schon mal als scheinbar geniale Abkürzung auf einen Weg mitten durch ein Maisfeld geschickt, der so schmal ist, dass zwei Autos nicht aneinander vorbeikommen, oder durch ein zuvor beschauliches Städtchen. Von dem Klassiker der Autofähre, die vom Navigationssystem als Brücke angezeigt wurde und zum Versenken des Kfz im Hafen führte, oder dem Taxi zum Klo ganz abgesehen. Demgegenüber sind Fehlanweisungen im Kreisverkehr noch harmlos und derartige Fehler zeigt auch Routingsoftware ohne GPS-Anbindung.

Ortskenntnisse sind deshalb besser als jedes Navigationssystem und wer lediglich täglich dieselbe Strecke in die Arbeit oder die Disco fährt, braucht selbstverständlich kein Navigationssystem. Nützlich sind sie für Vielfahrer, die beispielsweise als Vertreter sehr oft neue, unbekannte Orte anfahren müssen oder für jene, die oft nachts unterwegs sind und sich dann mit der Beschilderung und dem Lesen der Straßenkarte schwerer tun als tagsüber. Bei aktuellem Kartenmaterial helfen sie auch durch den Einbahnstraßendschungel in Innenstädten. Wichtig ist es allerdings, die Postleitzahl des gewählten Zielortes genau zu beachten – andernfalls landet man schon mal im falschen "Bremen", "Bad Soden" oder "Landsberg", Hunderte Kilometer entfernt, was auf einer Karte ins Auge gefallen wäre.

Früher bedingten die Preise, dass sich wirklich nur Vertreter ein derartiges Gerät zulegten: ein Festeinbau eines Navigationssystems kostet typischerweise 2000 Euro Aufpreis zum ohnehin teuren Neuwagen, anders gibt es sie nicht. Will man ein derartiges Gerät als Festeinbau nachrüsten, so bleiben oft nur Geräte im Autoradioformat, beispielsweise von Blaupunkt, die dann jedoch den Autoradioschacht blockieren, aber entweder gar keine oder nur eine einfache Radiofunktion bieten.

Der Vorteil des fest eingebauten Navigationssystems ist allerdings ohne Zweifel ein großer Bildschirm – bei den Autoradioschachtmodellen fehlt dieser allerdings – und eine Koppelung mit der Bordelektronik. Deren Vorteil: Es werden die Autoradiolautsprecher verwendet und die Radiomusik für die Ansagen automatisch ausgeblendet, was beides die Verständlichkeit der Ansagen deutlich erhöht. Außerdem kann auch das Geschwindigkeitssignal vom Tachometer ausgewertet werden: fällt der Satellitenempfang des Navigationssystems aus, beispielsweise weil der Fahrer in einem Tunnel fährt, kann das Gerät die Fortbewegung des Autos zumindest extrapolieren. Ist eine Abfahrt direkt hinter dem Tunnel oder gar im selben, wie beispielsweise in München auf dem Altstadtring, so wird ein solches Festeinbau-Gerät das Näherrücken der Abfahrt trotz des Empfangsausfalls bemerken und zumindest warnen.

Die heute sehr beliebten portablen Navigationssysteme bieten demgegenüber einen günstigen Preis zwischen 200 und 500 Euro und die Möglichkeit, sie auch in fremden Autos, auf dem Rad oder zu Fuß zu benutzen. Wer allerdings wirklich daran denkt, so ein Gerät auch regelmäßig zu Fuß oder auf dem Fahrrad nutzen zu wollen, sollte besser ein entsprechendes Spezialmodell aus dem Outdoor-Shop wählen. Die normalen, für die Verwendung im Auto bestimmten Modelle können ihm nämlich zwar durchaus verraten, wo er sich befindet, doch können sie nur auf Autostraßen navigieren und sind auf einem Fahrradweg, in der Fußgängerzone oder gar in einer fahrenden S-Bahn ziemlich nutzlos.

Pocket-Loox und Navigon Triceiver (rechts daneben liegend): Auch mit Bluetooth-Modul werden immer noch zwei 12-V-Leitungen benötigt, die mit einem T-Stück am Zigarettenanzünder verstöpselt werden. Nicht wirklich einladender oder sicherer Kabelsalat! (Bild: W.D.Roth)

Auch wenn man mal mit einem Firmenauto fährt, kann man das private Gerät unkompliziert mitnehmen und montieren. Dafür handelt man sich allerdings andere Nachteile ein. So sind die Lautsprecher in den tragbaren Geräten ziemlich klein und quäken deshalb mitunter gerade mal wie ein etwas größeres Handy. In einem lauten Auto versteht man sie während der Fahrt bei Autobahngeschwindigkeit nicht mehr, ebenso wenig, wenn das Radio läuft.

Setzt der Empfang aus, beispielsweise wenn man Häuserschluchten durchfährt oder eben im erwähnten Tunnel, so bleibt die Anzeige stehen und springt dann erst auf den aktuellen Stand um, wenn der Empfang zurückkehrt. Dann hat man aber die richtige Ausfahrt längst verpasst, zumal Geräte mit älteren Empfangssystemen unter Umständen mehrere Minuten brauchen, bis sie nach einem Empfangsausfall wieder ihre Satelliten gefunden haben. Bei modernen Geräten mit sogenanntem SiRF-III-Chipsatz geht dies deutlich schneller, doch auch hier ist nach dem Ende des Tunnels noch einige Sekunden "Blindflug" angesagt.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die mitunter katastrophale Ergonomie: beim getesteten Gerät von Mio ist es so umständlich, das Ziel anzugeben, dass man hierfür alleine schon einmal fünf bis zehn Minuten benötigen kann. Wenn man die Eingabe noch zuhause im Wohnzimmer vornimmt, kann das Gerät die Route bis zum Verlassen der Wohnung und dem Einsetzen des Empfangs leider nicht berechnen – bei einem langsamen Chipsatz kann es auch in diesem Fall einige Minuten dauern, bis man endlich losfahren kann. Fährt man dagegen bereits los, bevor das Gerät die Satelliten angepeilt und seinen eigenen Standort bestimmt hat, dauert es deutlich länger, bis etwas Brauchbares angezeigt wird, weil die erste Standortbestimmung nur in Ruhe schnell funktioniert. Ebenso störend ist das bereits von modernen Notebooks bekannte Problem der mangelnden Entspiegelung des Displays: Wenn dieses gleichzeitig als Schminkspiegel fungieren kann, ist es kaum möglich, an hellen Tagen auf dem Bildschirm noch etwas zu erkennen.

UKW-Antenne am Triceiver (Navigon GPS- und TMC-Empfänger) neben Pocket-Loox: Noch eine Strippe mehr! (Bild: W.D.Roth)

Die portablen Geräte gibt es in zwei Ausführungen: als PDA mit zusätzlicher Navigationssoftware und GPS-Empfänger und als Fertiggerät. Ersteres klingt zunächst interessanter, wenn man sich ohnehin einen PDA zulegen wollte oder schon einen hat: es müssen dann nur noch die Navigationssoftware und der GPS-Empfänger angeschafft werden. Mitunter gibt es solche Lösungen auch komplett im Set, beispielsweise als Mitgliederangebot des ADAC oder von PDA-Herstellern.

Der PDA als Navigationsgerät hat jedoch einige Nachteile: die meist hierfür verwendete Software von Navigon ist auch in der Version 5 vergleichsweise langsam und kompliziert zu starten, insbesondere was die Zieleingabe betrifft, PDAs sind fast nie entspiegelt, sodass man bei hellerer Umgebung nicht viel sieht und vor allem zeigen sie meistens ein Bild im Hochformat, während es für die Navigation im Querformat nützlicher wäre. Gleiches gilt für die Verwendung höherwertiger Handys mit Navigationssoftware, wobei hier noch dazu das Display sehr klein ist und im Auto wenig Freude macht. Zudem kann hier bereits ein noch so kurzer Griff zur Hardware während der Fahrt eine Geldstrafe auslösen, wenn man dabei ertappt wird, während ein kurzer Tapser auf ein Navigationsgerät, um die Ansage stillzulegen oder die Beleuchtung auf Nachtdesign umzustellen, unbedenklich ist.

Hinzu kommt bei der Lösung „PDA/Handy mit Zubehör“ massiver Kabelsalat: sowohl GPS-Empfänger wie PDA müssen miteinander (über Kabel oder Bluetooth) und auch noch beide mit dem 12 V-Bordnetz des Fahrzeugs (hier zwangsweise nur über Kabel) verbunden werden, da die eingebauten Akkus im Navigationsbetrieb mitunter gerade mal eine Stunde halten, also nur für kürzere Fahrten in bekanntem Revier ausreichen, die ja nun ohnehin nicht gerade die Stärke der Navigationsgeräte darstellen.

Navigon Triceiver mit TMC-UKW-Fensterscheibenantenne (Bild: W.D.Roth)

Kommt dann noch ein zusätzlicher TMC-Empfänger für die Verkehrshinweise dazu, wird das Chaos komplett, obwohl einige GPS-Empfänger diese Funktion sowie einen eigenen Akku und eine Bluetooth-Verbindung (ein Kabel weniger, aber nur, solange der Akku hält…) integriert haben. Eine solche Lösung mit dem Pocket Loox-PDA von Fujitsu Siemens sowie GPS-Empfänger, TMC-Empfänger, Bluetooth-Schnittstelle und Navigationssoftware von Navigon erwies sich als selbst für Technikfreaks ziemlich unübersichtlich: neben der ganzen Kabelmimik ist in diesem Fall auch noch eine zusätzliche UKW-Antenne im Auto an der Windschutzscheibe zu befestigen, um die über die öffentlich-rechtlichen Verkehrsfunksender abgestrahlten Verkehrshinweise empfangen und dekodieren zu können.

Zudem erwies sich der UKW-TMC-Empfänger von Navigon im Test als ausgesprochen unempfindlich: er scannte die Hälfte der Zeit vergeblich über das gesamte UKW Band, ohne einen Sender zu finden, der ihm gut genug war. Es ist auch fraglich, wie groß der Nutzen von TMC im Navigationssystem wirklich ist: es erspart einem zwar, den Verkehrsfunk zu hören, anzuhalten und eine Strecke manuell als "gesperrt" zu markieren und es kostet im Gegensatz zu über Handy herangeholten Verkehrshinweisen oder gar der „Online“-Navigation über Handy keine Verbindungsgebühren.

Doch kommen die TMC-Hinweise oft sehr spät und sind technisch bedingt wenig detailliert, hier soll erst das Nachfolgesystem TPEG Besserung bringen (TPEG: der exaktere Weg um den Stau?). Das seltener zu findende „TMC plus“ ist dagegen gebührenpflichtig: Hier kommen die Verkehrhinweise von Privatsendern statt öffentlich-rechtlichen Stationen und sollen zeitnäher sein. Mit den normalen TMC-Empfängern bzw. der zugehörigen Software ist TMC plus leider nicht zu empfangen und umgekehrt, man muss sich also vor dem Kauf entscheiden, welches der beiden Systeme man will.

Etwas kontrastarme Kartendarstellung in Navigon 5 (Bild: W.D.Roth)

Immerhin kann TMC in Firmenwagen sinnvoll sein, die aus Kostengründen kein Autoradio haben und deshalb regelmäßig im Stau feststecken: Im Gegensatz zum Radio sind für TMC-Empfänger keine Rundfunkgebühren zu entrichten, und wenn das Gerät nicht fest eingebaut ist, sondern nur gelegentlich per Saugknopf montiert wird, schon gleich zweimal nicht.

Im Einzelnen wurden getestet:

  1. Mio Walker 259 – eine belgische No-Name-Lösung auf Basis eines Windows-CE-PDA, doch als Komplettlösung mit Navigon-ähnlicher Software, die als „Mio Map“ firmiert
  2. TomTom Go 500
  3. Fujitsu-Siemens Pocket Loox 420 mit Navigon-5-Software sowie GPS-und TMC-Empfänger „Triceiver“ mit Bluetooth und eingebautem zweiten Akku von Navigon
  4. Blaupunkt Lucca

Der Mio Walker und der Fujitsu-Siemens Pocket-Loox benutzen beide Navigationssoftware von Navigon – auch wenn dieser Name bei Mio nicht offiziell erscheint, ist die Ähnlichkeit sehr deutlich –, die als recht gut gilt. Im Praxistest wurde sie jedoch als etwas umständlich empfunden, insbesondere bei der Zieleingabe. Sehr stur war der Mio Walker, wenn eine bestimmte Durchfahrt nicht möglich war, beispielsweise weil eine Baustelle sie blockiert. Selbst wenn man schon 10 Kilometer weitergefahren ist, und sich von der Navigationssoftware nützliche Hinweise auf die Fortsetzung des Weges erhofft, wird sie einen in diesem Fall die gesamte Strecke zurück an genau die eine Kreuzung führen, deren Durchfahrt gesperrt ist. Zumindest in der Mio-Version der Software war es nicht möglich, derartig gesperrte Strecken einzuprogrammieren – und vor allem ist es unterm Fahren eben auch gar nicht möglich, da erhofft man eigentlich, dass die Software irgendwann akzeptiert, dass man ihren Anweisungen nicht folgen will und eine Alternativroute berechnet.

Besser funktioniert so etwas, wenn man beispielsweise statt der Autobahn die parallel führende Landstraße verwendet: Hier merkt die Navigationssoftware üblicherweise schon, dass der Benutzer eine Alternative gewählt hat und führt die Navigation nach kurzer Überlegungszeit auf dieser weiter. Erst bei der nächsten Kreuzung wird das System dann versuchen, den Fahrer wieder auf die Autobahn zu schicken. Wenn man sich in einer Gegend also bereits etwas auskennt und deshalb den Abbiegehinweis des Geräts ignoriert, kann es einem auf Alternativrouten durchaus weiterhelfen. Es gibt allerdings Billiggeräte, deren Software einen in solchen Fällen mit ständigen „Ihre Route wird neu berechnet“-Hinweisen nervt.

Auch die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten sind bei allen neueren Navigationssystemen hinterlegt, die Warngrenzen einstellbar – gut für vergessliche Fahrer… (Bild: W.D.Roth)

Lange Zeit Marktführer waren die Geräte von Tomtom. Sie waren stets als eigenständiges Navigationssystem konzipiert, obwohl es auch hier Softwareversionen für Notebook, PDA und Handy gibt. Größtenteils sind die „Tomtoms“ deswegen auch autotauglicher als die PDA-Varianten: so ist das Gerät wesentlich dicker als ein PDA, weil es einen stärkeren Lautsprecher enthält und bietet infolgedessen eine deutlich lautere Wiedergabe. Die Empfangsempfindlichkeit des Gerätes überzeugt allerdings nicht immer, auch bei Navigation und Bedienfreundlichkeit gibt es Mängel, doch insgesamt kann man mit einem „Tomtom“ nichts falsch machen.

Die teureren Tomtom-Geräte haben Pläne von ganz Europa auf einer Festplatte und eine Bluetooth-Schnittstelle, so dass sie auch gleichzeitig als Freisprechanlage fürs Handy benutzt werden können – bei dem ordentlichen Lautsprecher durchaus akzeptabel. Eher als Spielerei zu betrachten sind jedoch Funktionen, wie sie auch Blaupunkt bietet, auf dem Navigationssystem MP3s abspielen zu können – das ist kein wirklicher akustischer Genuss über Lautsprecher und zum Musikhören unterwegs zu Fuß mit Kopfhörer ist das Gerät eigentlich etwas zu klobig.

Man sollte seinen „Navi“ allerdings beim Verlassen des Wagens trotzdem immer mitnehmen, damit bei der Rückkehr nicht plötzlich die Windschutzscheibe eingeschlagen und das Gerät gestohlen ist. Und hier fällt ein weiteres Manko der Geräte auf: ihre Akkulaufzeit ist ja wie schon erwähnt auf eine bis drei Stunden begrenzt, ansonsten ist der bekannte Kabelsalat mit Stecker am Zigarettenanzünder und Kabeln, die sich nach spätestens 100 Kilometern um die Gangschaltung wickeln, geboten. Zudem lassen sich die PDAs nicht einfach mal ausschalten und an derselben Stelle wieder einschalten; sie gehen nur in Standby-Betrieb ohne Bildschirmbeleuchtung, was jedoch bei aktivierter GPS-Antenne trotzdem zu Stromausfall nach einigen Stunden führt. Ein plötzlich in der Jackentasche losplapperndes Gerät („Sie haben Ihr Ziel erreicht“) kann zudem beim Rendezvous recht lästig werden.

Der Tomtom 500 zeigt die berechnete Route München-Hannover erstmal im Gesamt-Europa-Überblick an (Bild: W.D.Roth)

Tomtoms lassen sich ausschalten, wenn auch das Wiedereinschalten sehr langwierig ist. Am besten verhält sich hier der Blaupunkt Lucca, der tatsächlich einen großen blauen Punkt auf der Vorderseite hat, mit dem man ihn ausschalten kann. Nach dem Wiedereinschalten benötigt er zwar ungefähr eine Minute, bis er wieder bereit ist, und die Navigation muss dann neu gestartet werden, doch ist dies weit besser als das Verhalten der anderen Geräte und auch der Empfang setzt relativ schnell wieder ein, wenn das Gerät sich erst einmal wieder komplett restauriert hat. Auch die Eingabe des Ziels geht bei Blaupunkt am schnellsten, ebenso ist die Lautstärke akzeptabel, obwohl das Gerät relativ flach und damit auch mitnahmefreundlich ist und die Empfindlichkeit ist gut, wobei Blaupunkt nicht SiRF-III, sondern als Funkspezialist eine eigene Empfangslösung verwendet. Das Display ist zudem entspiegelt.

Auch wenn der „Lucca“ das erste tragbare Navigationsgerät von Blaupunkt ist, merkt man doch die langjährige Erfahrung des Herstellers mit den weit teureren Festeinbauten und wenn man nicht das einfache Modell für etwa 350 Euro, sondern das „Plus“-Modell für etwa 500 Euro ersteht, das dann auch eine Europa- und nicht nur eine Deutschlandkarte eingebaut hat, bekommt man hier einen deutlichen Mehrwert dazu: einen Kabelsatz, mit dem man das Gerät mit dem Autoradio verbinden kann und eine richtige, fest montierte Halterung, die nicht nur per Saugnapf an die Windschutzscheibe geht und bereits bei stärkerem Bremsen (typisches Tomtom-Problem) oder spätestens bei einem Verkehrsunfall dazu führt, dass das Gerät im Innenraum umher fliegt.

Mit der Autoradioverbindung ergibt sich ein Vuerfachnutzen: Zunächst einmal bekommt das Gerät nun seine Betriebsspannung über die Verkabelung zum Autoradio, man muss sich also keinerlei Gedanken über das Laden des Akkus mehr machen und der Kabelsalat rund um Gangschaltung und Zigarettenanzünder entfällt. Als nächstes werden die Ansagen des Geräts über das Autoradio wiedergegeben, was natürlich wesentlich besser zu verstehen ist als über den eingebauten Lautsprecher, zumal das Radioprogramm während der Ansage ausgeblendet wird. Drittens kann das vom Tachometer kommende Geschwindigkeitssignal, das moderne Autoradios bei höheren Geschwindigkeiten automatisch entsprechend etwas lauter stellt ("GALA"), vom Blaupunkt Lucca ausgewertet werden, so dass dieser auch im Tunnel noch weiß, dass sich das Auto bewegt und sich insofern mit diesem Einbausatz genauso verhält wie ein weit teureres Festeinbaugerät. Und schließlich werden auch noch die TMC-Daten vom Autoradio zum Navigationssystem geliefert, sofern das Autoradio eingeschaltet ist.

Beim Blaupunkt Lucca ist auch die 3D-Darstellung der Route übersichtlich (Bild: W.D.Roth)

Garantiert wird die Funktion dieses Kabel natürlich nur für Blaupunkt-Autoradios, doch sind die entsprechenden Stecker auch an vielen anderen Autoradios vorhanden, nur die TMC-Funktion entfällt dann. Warum kein einziger anderer Hersteller von Navigationsgeräten einen solchen Kabelsatz anbietet, ist unverständlich, da auf diese Art das Navigationsgerät überhaupt erst richtig verkehrssicher wird und den Eindruck eines Provisoriums ablegt. Nach diesem Anschluss ans Autoradio mag auch die MP3-Abspielfunktion des „Lucca Plus“ etwas mehr Sinn ergeben, obwohl die meisten für diesen Zweck doch einen richtigen MP3-Spieler wie einen Ipod bevorzugen dürften. Das Einzigste, was es bei Blaupunkt nicht gibt, obwohl es durch die Kopplung mit dem Autoradio hochinteressant wäre, ist die Bluetooth-Freisprechfunktion fürs Handy: Könnte das Handy nämlich die Autoradiolautsprecher zum Freisprechen verwenden, wären deutlich bessere Ergebnisse zu erwarten als mit den eingebauten Lautsprechern eines Navigationsgeräts und natürlich wäre auch das Problem gelöst, bei einem ankommenden Anruf erst einmal das Radio leiser drehen zu müssen. Doch der Lucca ist ja eben das erste tragbare Navigationsgerät von Blaupunkt; vielleicht wird es beim nächsten Modell auch noch diese Funktion geben.

Vergessen darf man natürlich auch beim besten Gerät nicht, dass das Kartenmaterial altert und das Gerät daher nach einigen Jahren neue Straßen nicht kennen wird oder einen auch schon mal über eine Brücke schickt, die es längst nicht mehr gibt. Man sollte also überprüfen, ob es für das geplante Gerät auch Karten-Updates gibt – und was diese kosten. Alternativ kann man Services wie den Wayfinder Navigator buchen: Hier wird für 99 Euro im Jahr auf einem Zentralrechner navigiert, der immer aktuelle Karten und auch die neuesten Verkehrshinweise hat, allerdings fallen ohne Daten-Flatrate bei Vielfahrern erhebliche Handygebühren an und man ist wieder auf Handy oder PDA angewiesen. Weitere Stimmen, von Boris Becker über religiös, zackig bis erotisch, braucht man dagegen nicht, doch gibt es auch dies sicher bald im Jamba-Sparabo (Wolf-Dieter Roth)

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