Macron verärgert Franzosen mit Vergleich von Galliern und Dänen

Keltischer Wagen im Keltenmuseum Hochdorf. Foto: TP

Der französische Staatschef beklagt sich bei einem Besuch in Kopenhagen, dass er zuhause nicht die Wirtschaftspolitik umsetzen kann, die ihm vorschwebt

Bei seinem Besuch in Dänemark lobte der französische Staatspräsident den dortigen wirtschaftspolitischen Rahmen. Das machte er nicht das erste Mal: In der Vergangenheit hatte er mehrfach versucht, seine Pläne zur Änderung des Arbeitsrechts in Frankreich, die er bislang nicht komplett verwirklichen konnte, als "nordisches Modell" zu verkaufen. Nun hatte er auch eine Erklärung parat, warum das seiner Ansicht nach nicht geklappt hat: Schuld daran sind seiner Ansicht nach die Unterschiede zwischen einem "lutherischen Volk" und dem "widerspenstigen Gallier, der sich Änderungen widersetzt".

Ein etwas schräger Vergleich, mit dem Macron möglicherweise auf die Asterix-Comics anspielen wollte, die dafür sorgten, dass Galliern auch international das Image des Widerspenstigen anhaftet, obwohl sie während der Zugehörigkeit ihrer Heimat zum Römischen Imperium romanisiert wurden (vgl. 50 Jahre Asterix). Später ließ er über einen Regierungssprecher mitteilen, er habe einen Scherz gemacht und "liebe diese gallischen Stämme [und] was wir sind".

Gallier waren "großartige Erfinder"

Da hatte er mit seiner Äußerung bereits die Opposition von links bis rechts erregt: Sowohl Marine Le Pen vom unlängst in "Rassemblement National" umbenannten Front National als auch Alexis Corbière von Jean-Luc Mélenchons Linkspartei La France insoumise warfen ihm vor, die Franzosen zu "verachten". Corbière wies darauf hin noch auf eine Sache hin, die in traditionellen ebenso wie in sozialen Medien dankbar aufgenommen wurde: Die, dass die Gallier keineswegs allen Neuerungen skeptisch gegenüberstanden, sondern "großartige Erfinder waren".

Diese Gallier waren Kelten, die zu ihrer Glanzzeit nicht nur in Frankreich und auf den britischen Inseln lebten (wo sich Nachkommen ihrer Sprache bis heute erhalten haben - vgl. Briten wurden blonder und blauäugiger): Ihr Siedlungsgebiet reichte im 3. Jahrhundert vor Christus von der iberischen Halbinsel über Norditalien (das die Römer "Gallia cisalpina" nannten), Baden-Württemberg (wo es in Hochdorf ein sehenswertes Keltenmuseum gibt), Bayern (wo man in Manching eine große Anlage ausgegraben hat), Österreich, Böhmen, Mähren und Pannonien bis nach Anatolien (wo sie 268 vor Christus das Galaterreich gründeten).

Kelten vs. Germanen

Zu den Erfindungen dieses antiken Volks zählen beispielsweise das Kettenpanzerhemd, die Drehschemellenkung und die Federung. Die beiden Letzteren verbesserten die damals gebräuchlichen Holzwagen so grundlegend, dass die Römer bei ihrer Adaption die keltischen Begriffe dafür gleich mit übernahmen.

Keltische Neuerungen bei der Eisenherstellung machten "Ferrum Noricum" zu einem antiken Statussymbol und einem Exportschlager. Ebenfalls verbessert haben die Kelten das ursprünglich in Altmesopotamien erfundene Bier, dass sie (ebenso wie Wein) in den von ihnen tatsächlich neu erfundenen Holzfässern aus Dauben und Reifen aufbewahrten. Dem Hohenheimer Archäobotaniker Hans-Peter Stika nach war dieses keltische Bier ein "süffiges Gebräu" - "dunkel und rauchig", wie es heute noch in Bamberg gebraut wird (vgl. Reinheitsgebot unter Beschuss).

Diese Erfindungen sind umso bemerkenswerter, als die Römer trotz ihres lang bestehenden Großreichs im Grunde nur den Mörtel erfanden, was manche Historiker auf die ständig neue Zufuhr an Sklaven zurückführen.

In Dänemark lebten zu dieser Zeit keine keltischen, sondern germanische Stämme. Die erfanden ebenfalls Sachen - aber eher später und für die Seefahrt. Die bekannteste davon ist der Sonnenstein, mit dem die Wikinger über Polarisationsmuster auch bei Nebel navigieren konnten.

Andere wichtige vorneuzeitliche Erfindungen

Sehr viel mehr Erfindungen gehen auf die antiken Griechen zurück: Von ihnen stammt unter anderem das Prinzip einer Dampfmaschine, die Landkarte mit Längen- und Breitengraden, die Wasseruhr, die Orgel, der Taxameter, eine Reihe von Automaten und - wenn man so will - auch ein "analoger Computer": der Antikythera-Mechanismus (vgl. Antike Feinmechanik).

Das Rad, das Grundlage für viele dieser Erfindungen war, haben wahrscheinlich die Sumerer erfunden - ein Volk mit einer isolierten Sprache, denen die Menschheit auch das wahrscheinlich erste Schriftsystem und die Seife verdankt. Hinzu kommen grundlegende mathematische und astronomische Entdeckungen. Andere wichtige vorneuzeitliche Erfindungen stammen von den Indern (vor allem ein Zahlensystem, mit dem sich schnell rechnen lässt) und von Chinesen (Kompass, Papier, Schießpulver). (Peter Mühlbauer)

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