MacronLeaks: Hacker veröffentlichten Dokumente aus dem Macron-Lager

Wer hinter dem Leak steht, ist unbekannt, Zweck dürfte aber die Beeinflussung der Wahl sein

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen oder das Narrativ soll auch im französischen Wahlkampf vorweg dazu dienen, einen unerwünschten Ausgang der Wahl auf eine äußere Ursache zu schieben. Hillary Clinton und die Demokraten hatten letztlich die Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen in den USA auf russische "Beeinflussungsoperationen" zugunsten von Donald Trump zurückgeführt, bei denen Fake News verbreitet worden seien. Auslöser waren Hacks in den Email-Account von Clinton und den Email-Server der Demokratischen Partei, die Emails wurden WikiLeaks weitergereicht, wo sie auch veröffentlicht wurden.

In Großbritannien versuchen gerade britische Konservative um Theresa May ein ähnliches Beeinflussungsszenario aufzubauen, die Brexit-Anhänger sehen sich aber bedrängt von Deutschland und der EU sowie deren Medien. Russland müsste hingegen eher ein Interesse am Brexit-Erfolg haben, weil dies die EU schwächt.

Jetzt beklagt sich das Lager des Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron, der bislang als wahrscheinlicher Gewinner der Stichwahl gilt, dass in der Nacht vom Freitag auf Samstag ein "massiver und koordinierter" Hackerangriff auf Email-Accounts seiner Bewegung "En Marche" erfolgt sei. Einige Stunden später wurden Tausende der angeblich gestohlenen Dokumente bereits veröffentlicht.

WikiLeaks bezeichnete den Leaks erst einmal als möglichen Scherz von 4chan und ist offensichtlich zumindest nicht direkt beteiligt, aber sehr engagiert und überprüft die Dokumente (9 Gigabyte), die angeblich echt seien, meint allerdings, dass MacronLeaks zu spät kämen, um die Wahl noch beeinflussen zu können. Zudem habe Macron einen zu großen Vorsprung. Sollte Macron allerdings verlieren, stünde auch WikiLeaks wohl wieder unter Kritik, schließlich wurden die geleakten Dokumente verlinkt.

Die Wahlbehörde forderte die Medien und vor allem deren Webpräsenzen auf, die Inhalte der Dokumente nicht zu verbreiten. Die Verbreitung falscher Informationen könne strafrechtliche Konsequenzen haben. Später wies die Behörde in einer weiteren Mitteilung darauf hin, dass vermutlich gefälschte Dokumente darunter gemischt worden seien. Aufgerufen werden die Medien und alle Bürger, angesichts der für Frankreich wichtigsten Wahl verantwortlich zu handeln und die Inhalte nicht weiterzugeben. Le Monde kündigte beispielsweise an, keine Inhalte vor der Wahl zu veröffentlichen. Sollten jedoch Enthüllungen enthalten sein, behalte man sich eine Berichterstattung nach der Wahl vor.

Die Verantwortlichen für den kurz vor der Wahl erfolgten Leak haben ganz offensichtlich weniger Interesse an Aufklärung, sondern wollen wohl einzig die Wahl beeinflussen, meint die Wahlbehörde. Viele der Dokumente seien falsch, erklärte En Marche. Allerdings war der Hack schon vor einigen Wochen erfolgt. Darüber wird aber kaum gesprochen. Natürlich stehen wieder russische Hackergruppen wie Fancy Bear oder APT28 in Verdacht, Belege dafür gibt es allerdings nicht. En Marche weist daraufhin, schon länger Ziel von Hackerangriffen gewesen zu sein, für die man mitunter Russen verantwortlich machte.

Würde man verschwörungstheoretisch denken, könnte man spekulieren, dass nicht der Front National bzw. eine russische "Beeinflussungsoperation" dahintersteckt, sondern dass es sich auch um eine Unterstützungsoperation für Macron handeln könnte. Da die guten Beziehungen zwischen Moskau und dem Front National bekannt sind, würde die Veröffentlichung der Dokumente, die offenbar schon vor Wochen gehackt wurden, möglicherweise gegen Marine Le Pen ausschlagen, weil sie von Moskau unterstützt und favorisiert wird. Zudem würde Macron als Thema in den Medien für Aufmerksamkeit sorgen, da ab Freitag Mitternacht die Kandidaten und ihre Lager nichts mehr bis zum Ende der Wahl veröffentlichen dürfen. Die Meldung über den Hack erfolgte am Freitag, knapp davor. (Florian Rötzer)