Männer ertragen es nicht, wenn ihre Partnerin erfolgreich ist

Sagen würden die Männer es nicht, dass sie einknicken, wenn ihre Partnerinnen Erfolg haben, unbewusst scheint es ihnen aber nicht zu passen. Bild: Journal of Personality and Social Psychology

Selbst wenn die Frauen sie nicht übertrumpfen, sondern einfach nur mal erfolgreich sind, sinkt das Selbstwertgefühl der Männer nach einer Studie

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Männer scheinen es nicht gut zu ertragen, wenn sie in einer Beziehung leben und ihre Partnerin oder Freundin erfolgreich ist. Frauen scheint dies weniger auszumachen - und das war auch meist bislang das traditionelle Rollenmodell, das nun oft nicht mehr funktioniert. Schließlich sind die Frauen nicht nur selbständiger geworden, sondern übertrumpfen Männer auch in mit ihren akademischen und beruflichen Karrieren.

Das männliche Selbstwertgefühl scheint zudem ziemlich leicht ins Wanken zu geraten und nach einer psychologischen Studie, die im Journal of Personality and Social Psychology erschienen ist, schon dann angekratzt zu werden, wenn die Partnerin nur überhaupt Erfolg hat. Die Frau muss also den Mann gar nicht in irgendeiner Hinsicht übertrumpfen, es reicht schon, wenn sie ganz unabhängig vom Partner Erfolg hat, was dieser offenbar unbewusst und unwillkürlich als eigenes Scheitern interpretiert. Wenn die Partnerin scheitert, kann Mann sich ja als Tröster aufspielen und ist damit dominant. Das Selbstwertgefühl von Frauen scheint hingegen nicht vom Erfolg oder Scheitern ihres Partners beeinflusst zu werden.

Die Psychologen haben für ihre Studie 5 Experimente mit fast 900 Versuchspersonen durchgeführt. In einem Experiment mit 32 amerikanischen studentischen Paaren wurden diesen ein Test für Problemlösung und soziale Intelligenz vorgelegt und gesagt, dass der jeweilige Partner besonders gut oder besonders schlecht unter allen Studenten abgeschnitten habe. Auf das explizite Selbstwertgefühl hatte dies keinen Einfluss, zumindest äußerten die Versuchspersonen nichts Entsprechendes. Ein anderes Ergebnis zeigte sich beim impliziten Selbstwertgefühl. Dabei wurde getestet, wie schnell die Versuchspersonen "gute" oder "schlechte" Worte mit sich selbst in Verbindung brachten. Menschen mit hohem Selbstwertgefühl assoziieren das Wort "mich" eher mit Worten wie "ausgezeichnet" oder "gut" und weniger mit "schlecht" oder "grässlich".

Männer, denen gesagt wurde, ihre Partnerin habe zu denen gehört, die bei dem Test am erfolgreichsten waren, zeigten dabei ein geringeres implizites Selbstwertgefühl als dies bei denjenigen der Fall war, deren Partnerinnen angeblich ganz schlecht abgeschnitten hatten. Ähnlich war dies der Fall, als das Experiment mit holländischen Männern durchgeführt wurde. Die Psychologen heben hervor, dass die Niederlande eines der Länder sind, in denen die Gleichheit der Geschlechter am höchsten ist In zwei Online-Experimenten wurden mehr als 600 Teilnehmer, die älter als die studentischen Versuchspersonen waren und aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammten, gebeten, an eine Gelegenheit zu denken, an dem ihr Partner/ihre Partnerin erfolgreich war oder gescheitert ist. Dabei ging es nicht nur um intellektuellen Erfolg, sondern auch um sozialen Erfolg oder entsprechendes Scheitern etwa als Gastgeber bei einer Party. Eine andere Version war, an einen Vorfall zu denken, wo der Partner erfolgreich war oder gescheitert ist und bei dem die Versuchsperson selbst erfolgreich gewesen oder gescheitert ist. Auch in all diesen Fällen zeigte sich, dass das Selbstwertgefühl der Männer leidet, wenn die Partnerin erfolgreich, egal, um was es sich handelt und ob ein direkter Bezug auf sie selbst steht. Schlimmer war, wenn der Mann an etwa dachte, wo er gescheitert und seine Partnerin erfolgreich war. Frauen fühlen sich hingegen besser, wenn sie an eine Zeit denken, wo ihr Partner erfolgreich war.

Männer sind vermutlich, so vermuten die Psychologen die Ergebnisse, kompetitiver als Frauen. Daher würden sie eher den Erfolg der Partnerin so unbewusst interpretieren, dass sie nicht so gut wie diese sind. Der Grund könne auch in typisch männlichen Geschlechterrolle liegen, die durch einen Erfolg der Partnerin gefährdet werde, da Frauen sich im Glanz ihres Mannes sonnen und hinter dem erfolgreichen Mann stehen sollen. Uns insgesamt würden sich Männer oft kompetenter fühlen, als sie wirklich sind. An den Erfolg der Partnerin nur erinnert zu werden, könne daher das Selbstwertgefühl schon beeinträchtigen. (Florian Rötzer)