Mahnwache an PEGIDA

Den Dialog suchen mit den selbst ernannten Rettern des (christlichen) Abendlandes, das hat sich die Mahnwache Hamburg zur Aufgabe gestellt

Die Mahnwache Hamburg ist den anderen immer einen Schritt voraus. Während Medien und Politik - und auch Linke/LINKE - noch zu begreifen versuchten, was das eigentlich ist, wer die Gestalten sind, die plötzlich auf die friedenspolitische Bühne traten, inwieweit Rechtspopulisten, esoterische Spinner oder gar einschlägig verurteilte Nazis das Geschehen bestimmen und ob es einen Unterschied gibt zwischen der klassischen Friedensbewegung und der so genannten neuen "Friedensbewegung 2014", fusionierten beide in der Hansestadt.

Sie initiierten gemeinsame Aktionen fragwürdigen Inhalts, beteiligten sich an einer Friedens-Aktionskonferenz in Hannover, bei der sich prompt auch namhafte Repräsentanten der alten Friedensbewegung einfanden (Rechtsruck in der deutschen Friedensbewegung?). Gemeinsam wurde der "Friedenswinter 2014/15" beschlossen, und zack, war die klassische Friedensbewegung Geschichte, rechts und links out, "Give Peace a Chance" das substanzlose Motto und Putin der neue Heilsbringer. So weit, so schlecht.

Wer nun aber denkt, die bundesrepublikanische Friedensbewegung hätte mit den "Friedenswinter"-Demos am 13.12.2014 ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht, der oder die irrt. Die Mahnwache Hamburg hat einen neuen potentiellen Bündnispartner ausgemacht: PEGIDA (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes). Mit denen gedenkt Mahnwachen-Initiator Henrik Hansen in den Dialog zu treten. Eine Anfrage für ein Gespräch mittels Skype hat er den PEGIDA-Organisatoren bereits gestellt. Für dieses Ansinnen bekam Hansen bei der Mahnwache am 22.12.2014 kräftigen Applaus. Hansen macht jedoch die klare Absage Pedram Shahyars, eine der zentralen Figuren der Mahnwachen-Bewegung, an den selbst ernannten Rettern des (christlichen) Abendlandes zu schaffen:

... Dennoch, was ich nicht möchte, ist jetzt irgendwie im Namen der Mahnwachen oder im Namen der Friedensbewegung allgemein, PEGIDA zu bekämpfen. Weil, es ist doch kein Grund das zu feiern, wenn da Zehntausende auf der Straße stehn und sich gegenüber stehn und sich gegenseitig anfeinden. Und wir haben selber erlebt, wie falsch man dargestellt werden kann. … Aber was Pedram gesagt hat, und was bei mir so'n bisschen sauer aufgestoßen ist, er hat gesagt: "Wir werden uns gegen PEGIDA stellen. Wir werden Gegendemonstrationen organisieren, und wir werden verhindern, dass sich PEGIDA auf andere Städte ausbreitet."

Und ich frage mich: Wer ist dieses "Wir", von dem er da spricht? Wer ist "Wir"? In wessen Namen spricht Pedram? Im Namen der klassischen Friedensbewegung? Im Namen der neuen Friedensbewegung? Oder gleich im Namen von allen? Im Namen von allen Mahnwachen in Deutschland? Also, ich mach da nicht mit. So! Das ist mein Statement!

(Beifall)

Ich bin auch dafür, einen konstruktiven Dialog zu suchen. Ich hab die Orga von PEDIGA angeschrieben und gesagt: "Hey, wer hat Lust mit mir ein Skype-Gespräch zu führen?" Leider bis jetzt noch keine Antwort bekommen.

Henrik Hansen

Rechts und Links ist out, das war von Anfang an das Credo der Mahnwachen. Auch - und gerade - in Hamburg. Durch zwielichtige Gestalten wie "Reichsbürger" Rüdiger Klasen, ein wegen eines Anschlags auf ein Asylbewerberheim vorbestraften ehemaliges NPD-Mitglied, der in Hamburg und Berlin bei den Mahnwachen ungehindert auftreten konnte, gerieten die Mahnwachen in Verruf. Schließlich sahen die Organisatoren sich veranlasst, sich in der wenig überzeugenden, aber oft bemühten "Erklärung von Weitersroda" zum Antifaschismus zu bekennen.

Das könnte auf dem Weg zu dem neuen Bündnispartner doch eher hinderlich sein. Aber Probleme sind ja bekanntermaßen da, um gelöst zu werden. Und die Hamburger Lösung ist an sich recht simpel: Unter Beifall wurde der Begriff "Faschismus" bei der Zusammenkunft am 22.12.2014 "beerdigt" und durch den Begriff "Totalitarismus" ersetzt:

Das möchte ich vorschlagen, dass wir das Wort "Faschismus" vielleicht beerdigen, weil es tendenziell ist.

Offenes Mikro, 12:21

Laut Mahnwachen-Aktivistin Katrin Mc Clean sind "Antifaschisten" eine Bedrohung des inneren Friedens der Bewegung:

Also, die Menschen, die sagen, "wir müssen bei uns selber anfangen, wir müssen friedlich leben, das friedliche Prinzip leben", die können zu den "Antifaschisten" immer sagen: Ihr, die Ihr nicht darauf achtet, Ihr seid ganz schnell in der Falle, weil Ihr sozusagen immer wieder auf neue Fronten geht. Und der Kommunismus hat auch schon mal gegen den Faschismus gearbeitet. Und was dabei raus gekommen ist, ist Stalinismus. Also, Ihr müsst mal ganz schön aufpassen, dass Ihr mit Eurem ganzen antifaschistischen Krempel den Frieden nicht zerstört …

Offenes Mikro, ab 7:44

Den "Faschismus" zu "beerdigen" und durch "Totalitarismus" zu ersetzen, und so die Mahnwache nach allen Seiten ganz weit zu öffnen, ist ein Ansinnen, das an dem Abend von mehreren Rednern geäußert wurde. Nun können wir alle gespannt sein, wie lange es dauern wird, bis die Mahnwache Hamburg Montagsabends eine Live-Übertragung nach Dresden zu ihrem Indoor-Winterquartier schalten wird … (Birgit Gärtner)

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