Maidanmorde: Drei Beteiligte gestehen

Waffen und Befehle von hohem Oppositionspolitiker

Sergey Pashinsky, ein Politiker von Julia Timoschenkos Vaterlandspartei, war einer derjenigen, der Taschen voller Waffen in die Zimmer der Kämpfer brachte, heißt es in dem Bericht.

Darin seien Makarov-Pistolen, Gewehre und Munition gewesen. Dies ist auch deshalb durchaus brisant, weil eben dieser Pashinsky am selben Tag dabei erwischt und gefilmt wurde, wie er ein automatisches Gewehr in seinem Kofferraum transportierte.

Sergey Pashinsky. Bild: Vadim Chuprina / CC BY-SA 4.0

Auch im benachbarten Konservatorium habe Pashinsky gemeinsam mit einer Gruppe vermummter Männer Waffen an Kämpfer ausgegeben, sagt der dort stationierte Revazishvilli. Pashinsky habe dabei als Einziger gesprochen. "Er gab Befehle und fragte mich, wo wir schießen sollen." Pashinsky wurde nach dem Maidan zum Leiter der Präsidialadministration ernannt.

Ein weiterer Ukrainer, der als Waffenverteiler auftrat, war laut Aussage des geständigen Nergadze der rechtsradikale Militante Volodymyr Parasyuk. Dieser führte eine Kampfgruppe des Rechten Sektors auf dem Maidan an und war es auch, der am 20. Februar eine Truppe aus dem ZDF-Hotelzimmer holte, die vor laufenden Kameras aus dem Fenster in Richtung Todeszone schoss (siehe Friendly Fire in Kiew?). Auch ein Beteiligter dieser Schützengruppe wurde bereits als Kämpfer des rechtsradikalen Aidar-Bataillons identifiziert. Tags darauf drohte Kommandeur Parasiuk von der Maidanbühne aus dem Präsident Janukowitsch mit einem bewaffneten Sturm des Präsidentensitzes.

Auch mit einem US-Amerikaner namens Brian Christopher Boyenger hätten die Georgier in Kontakt gestanden. Der Scharfschütze, der früher in der 101st Airborne Division der US Army gedient hatte, sei einer von Mamulashvilis Männern. Auch Boyenger ist heute in der georgischen Legion im Donbass aktiv. "Er gab die Befehle", sagt Nergadze. "Ich musste all seinen Instruktionen folgen."

"Wir wurden benutzt"

Am Morgen des 20. Februar kam es laut der drei Georgier zum Einsatz der ausgeteilten Waffen. Zalogy habe gehört, wie aus seinem Nachbarzimmer im Hotel Ukraina einzelne Schüsse nach draußen abgegeben wurden. In diesem Moment begannen auch die beiden Litauer, die in seinem Raum waren, zu schießen. "Einer von ihnen feuerte einen Schuss ab, während der andere danach wieder das Fenster schloss. Sie schossen drei oder viermal überall hin."

Auch vom Konservatorium aus wurde geschossen. Alexander Revazishvilli gibt zu, dass er einer der Schützen war:

Jeder hat geschossen. Wir hatten keine Wahl. Uns wurde befohlen auf die Polizei und auf die Demonstranten zu schießen - egal was passiert. Ich war empört, verwirrt, aufgewühlt und unter Stress. Ich habe nichts verstanden. Dann nach 15, 20 Minuten war das Schießen plötzlich zu Ende und jeder legte seine Waffe nieder.

Alexander Revazishvilli

Die Schützen im Hotel Ukraina seien nach den Schüssen aus ihren Räumen geflohen und trafen in der Lobby im Erdgeschoss auf ihre Opfer - die Toten und Verwundeten, die bereits dorthin gebrachten worden waren. Alle Schützen wollten nur so schnell wie möglich weg, um nicht erwischt zu werden, erläutert Negradze. "Mein einziger Gedanke war zu verschwinden, bevor sie von mir wussten", sagt auch Revazishvilli. "Zu dieser Zeit war es mir jedoch noch nicht klar - aber jetzt verstehe ich. Wir sind benutzt worden."

Nun hätten sie beschlossen, die Wahrheit zu sagen und die Namen der Verantwortlichen zu nennen, die sie benutzt und im Stich gelassen hatten - auch weil sie laut dem italienischen Bericht nichts von der versprochenen Belohnung erhalten hatten. Die Entscheidung zu reden, sei langsam in ihm gereift, sagt Nergadze. Er fühle sich noch immer als Soldat und habe keine Angst zu sterben. Trotzdem halten sich alle drei an geheimen Orten auf.