Mali: "Russland, hilf!"

Petition: Abhilfe durch russisches Eingreifen gegen die Jihadisten

Der wachsende Unmut gegenüber den "eigenen" Regierenden und gegenüber Frankreich kommt in Teilen der öffentlichen Meinung nun einem Akteur zugute, den man eher nicht im innenpolitischen Spiel in Mali erwartet hätte, auch wenn das Land vor dem Untergang der UdSSR 1991 lange Zeit gute Verbindungen auch zur Sowjetunion hielt.

Die Vorstellung, ein russisches Eingreifen könne Abhilfe verschaffen und den jihadistischen Umtrieben ein vermeintlich schnelles Ende bereiten, sorgt nun in zahlreichen Familien und Freundeskreisen für angeregte Diskussionen. Im Januar 2016 lancierte eine nicht näher identifizierte "Gruppe von Patrioten aus Mali" über die neuen sozialen Medien eine Petition, in welcher Russland zum Eingreifen aufgefordert wird.

Angeblich haben die Urheber der Petition es sich zum Ziel gesetzt, "acht Millionen Unterschriften" zu erhalten - ein, gelinde ausgedrückt, ambitioniertes Ziel, denn das Land hat vom Baby bis zur Greisin insgesamt sechzehn Millionen Einwohner -, und Anfang November 2016 wurde behauptet, es seien angeblich 2,4 Millionen Unterschriften beisammen.

Neben den Beziehungen zu Akteuren innerhalb Malis wirft der Einsatz Frankreichs aber auch Fragen zu den regionalen Verbündeten auf. Der auf dem Präsidentensessel amtierende Autokrat Idriss Déby im Tschad gilt dabei inzwischen als einer der engsten Verbündeten Frankreichs überhaupt, da sein Land Frankreich aktiv dabei hilft, im Norden Malis militärisch zu intervenieren.

Wobei diese Intervention bis heute keines der drängenden Probleme einer Lösung näher gebracht hat. Im abgelaufenen Jahr fanden in Nordmali 385 jihadistische und/ oder von kriminellen Banden verübte Attacken statt, bei denen 332 Personen zu Tode kamen.

Idriss Déby kam 1990 mit offener Billigung Frankreichs an die Macht, um seinen Vorgänger zu stürzen, den gleichfalls als Schlächter bekannten Hissène Habré, unter dessen Regierung 40.000 Menschen "verschwunden" waren. Habré wurde im Frühsommer 2016 in Dakar wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt, soeben begann sein Berufungsprozess. Idriss Déby war jedoch die ganzen 1980er Jahre durch dessen Generalstabschef gewesen.

Im Namen der "Realpolitik" und des "Anti-Terror-Kriegs" wird sein Regime längst aufgewertet, was die Sache der Bekämpfung des Jihadismus in der Region freilich eher diskreditiert als befördert.

Das Hauptquartier der französischen Operation Barkhane, die seit 2014 die Jihadisten in der ganzen Sahelzone bekämpfen soll - mit 4.000 Soldaten der größte Auslandseinsatz der französischen Armee (außerhalb von Bündniskriegen) seit dem Algerienkrieg - wurde in der tschadischen Hauptstadt N’Djamena angesiedelt. Die Stationierung wird als längerfristig dargestellt. Bereits diese Konstellation macht den Einsatz ausgesprochen fragwürdig...

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