Manager-"Gfraster"

In Österreich diskutiert der Hypo-Untersuchungsausschuss in der Sprache des Volkes

In Österreich arbeitet derzeit ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss die Geschichte des 2009 notverstaatlichten Bankkonzerns Hypo Alpe Adria auf, die im Nachhinein ganz überwiegend aus Skandalen und geradezu groteskem Manager- und Politikversagen zu bestehen scheint.

Im Rahmen dieses Wirtschaftsabenteuers, das nicht nur die österreichischen, sondern auch die bayerischen Steuerzahler Milliarden kostete, kam es unter anderem zu Spekulationsverlusten, Bilanzfälschung, einem Handel mit Aktien die via Spam-Mails angepriesen wurden, einem Vorzugsaktien-Schwindel, dem Verschwinden von zwölf Schiffen, einem Schuldenerlass für Politiker, verdeckter Parteienfinanzierung und sorgfaltswidrigen Deals bei denen an einzelne Akteure Prämien in Millionenhöhe für vermeintliche Erfolge ausgeschüttet wurden, die sich bald als Pleiten herausstellten.

Ehemaliger Hauptsitz der Hypo Alpe Adria in Klagenfurt. Foto: JJ55. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Wie eng und wie schädlich die Nähe von Politik und Wirtschaft wahrscheinlich war, zeigte sich unter anderem im Strafprozess gegen den ehemaligen Bankvorstand Wolfgang Kulterer, der zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Untreue verurteilt wurde, nachdem herauskam, dass er der erkennbar maroden Fluglinie Styrian Spirit gegen jede wirtschaftliche Vernunft einen Millionenkredit gewährte. Nach eigenen Angaben handelte er dabei im Auftrag des ehemaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider.

Aktuell beschäftigt sich der von den Oppositionsparteien im Nationalrat eingesetzte Untersuchungsausschuss, der seine Arbeit im Mai beenden soll, mit den Rettungsbemühungen. In diesem Rahmen stand ihm am Mittwoch Gottwald Kranebitter Rede und Antwort, der in dem Geldinstitut 2010 bis 2013 als Vorstand aufräumen sollte.

Inwieweit ihm das gelang, war Gegenstand einer verbalen Auseinandersetzung mit Rainer Hable, der für die jugendlich geprägte Neos-Partei im Parlamentsausschuss sitzt. Hable folgte nicht der Wortwahl des österreichischen Finanzministeriums, das in diesem Zusammenhang betont zurückhaltend von Personen sprach, "an deren Integrität begründete Zweifel bestehen", sondern verwendete einen volkstümlicheren Ausdruck, als er den Ex-Vorstand fragte warum dieser die "Gfraster" nicht hinauswarf. Kranebitter blieb überraschenderweise bei dieser Wortwahl, als er antwortete, er habe die "Gfraster" hinausgeworfen und insgesamt 60 Manager ausgetauscht, wodurch das "fehlgeleitete Geschäftsmodell" zu einem "wesentlichen Teil" geändert worden sei.

Beispiel für die traditionelle Verwendung des Begriffs "Gfrast" in der Fernsehserie "Kottan Ermittelt"

Hable zeigte sich jedoch der Ansicht, dass der Austausch bei weitem nicht umfassend genug war und "die ganzen Gfraster" 2011 "immer noch drinsaßen". Deshalb, so der Neos-Abgeordnete, sei ihm unverständlich, warum Kranebitter die Banker weiter Geschäfte machen ließ. Der stellte sich auf den Standpunkt, er habe nur solche Personen entlassen können, denen man individuelle Verfehlungen nachweisen konnte. Außerdem sei er für einen "geordneten Abbau" gewesen. (Peter Mühlbauer)

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