Marihuana erstmals beliebter als Tabak

Unter US-Studenten konsumieren 21 Prozent mindestens einmal im Monat Cannabis - aber nur 13 Prozent rauchen Zigaretten

Das Institute for Social Research an der University of Michigan befragt seit 1980 mit Mitteln des National Institute on Drug Abuse in Abständen von einem bis vier Jahren Studenten an US-Colleges nach ihren Genussmittelkonsumgewohnheiten. In der gerade veröffentlichten Monitoring-the-Future-Studie (deren Daten für das letzte Jahr gelten) liegt der Anteil derjenigen, die in den 30 Tagen vor der Befragung Cannabis konsumierten, mit etwa 21 Prozent erstmals über dem Anteil derjenigen, die in diesem Zeitraum Zigaretten rauchten: Das waren lediglich knapp 13 Prozent.

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An 20 oder mehr Tagen zum Joint griffen der repräsentativen Umfrage zufolge 5,9 Prozent der Studenten - dieser Wert liegt 2,4 Punkte über dem 2007 gemessenen und zeigt nach Ansicht des Studienleiters Lloyd Johnston (ebenso wie der seit 2006 um vier Punkte gestiegene Anteil der Gelegenheitskonsumenten), dass die Akzeptanz von Marihuana in den letzten acht Jahren deutlich zunahm - unter anderem durch die über Volksabstimmungen durchgesetzte Legalisierung in Colorado, Washington, Oregon und Alaska und die Zulassung als Arzneimittel in zahlreichen anderen US-Bundesstaaten, die ebenfalls meist über Volksabstimmungen erwirkt wurde. Die finden inzwischen auch im Ausland Nachahmer: In Bayern nahm das Volksbegehren Ja zu Cannabis gestern die erste Unterschriftenhürde.

Die Akzeptanz von Tabakprodukten ging dagegen zurück - vor allem bei den Gesetzgebern auf allen Ebenen. Inzwischen ist Rauchen nicht nur in öffentlichen Gebäuden, Verkehrsmitteln, Büros und Gaststätten verboten, sondern auch an zahlreichen nicht überdachten öffentlichen Orten und Mehrfamilienhäusern. Das trug dazu bei, dass heute nur mehr 15 Prozent der erwachsenen Amerikaner regelmäßig Zigaretten konsumieren, während zur Mad-Men-Blütezeit Mitte der 1960er Jahre fast die Hälfte der Bevölkerung rauchte. Alleine im letzten Jahr sank der Anteil um zwei Prozentpunkte. Bei den Studenten ging er zwischen 1999 und 2014 um fast drei Viertel von 31 auf 13 Prozent zurück.

Die Fernsehserie Mad Men führt eindrucksvoll vor Augen, wie sehr sich die Akzeptanz verschiedener Genussmittel in den letzten 50 Jahren geändert hat

An diesem eindeutigen Trend konnten bislang auch e-Zigaretten nichts ändern, von denen eine andere aktuelle Studie in JAMA Pediatrics herausgefunden haben will, dass sie bei Teenagern das Risiko erhöhen, Zigarettenraucher zu werden. Allerdings war die Datenbasis der Studie mit nur 16 E-Zigaretten-Konsumenten so klein, dass sie möglicherweise nur bedingt die Rückschlüsse erlaubt, die Jonathan Klein von der Amerikanischen Akademie der Kinderärzte daraus zieht daraus zieht.

Weniger stark gesunken als die Akzeptanz von Zigaretten ist die von Alkohol: Der gehört zwar (anders als in den 1960er Jahren) nicht mehr zum Alltag in Werbeagenturen und Redaktionen, ist aber immer noch wichtiger Bestandteil der Freizeit von Studenten: 63 Prozent der von der University of Michigan befragten gönnten sich im letzten Monat mindestens einen Drink. Vor 15 Jahren waren es noch 67 Prozent, vor 34 Jahren sogar 82. Auch der Anteil der mindestens einmal im Monat Betrunkenen geht zurück: Von 48 Prozent 2006 auf jetzt 43 Prozent.

Die mittlerweile auch in Deutschland als "Binge Drinking" bekannte Gewohnheit, die in der Studie bei mehr als fünf alkoholischen Getränken nacheinander beginnt, nahm zwischen 1980 und 2014 um neun Punkte von 44 auf 35 Prozent ab. Bei jungen Amerikanern, die nicht studieren, sank sie im selben Zeitraum sogar um 12 Punkte - von 41 auf 29 Prozent. (Peter Mühlbauer)

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