Marines testen GPS-Fallschirme im Irak

Die US-Armee modernisiert ihre Versorgung aus der Luft

Bei herkömmlichen Fallschirm-Abwürfen als Alternative zur gefährlichen Versorgung über den Landweg wird die Abwurfzone in Höhen von ca. 600 Metern überflogen, um die Lasten einigermaßen genau abzusetzen. Das muss dazu noch schnell geschehen, um nicht in feindliches Feuer zu geraten. Zudem schwankt die Genauigkeit mit den gerade vorherrschenden Bedingungen. In Afghanistan, wo US-Truppen in großem Umfang aus der Luft versorgt werden, landeten Transportgüter mehr als einen Kilometer vom Ziel entfernt; deren Bergung im Kampfgebiet blieb die Arbeit der zu versorgenden Einheiten. Präzisionsabwürfe aus großen Höhen sollen diese Gefahren minimieren und für eine verbesserte strategisch-taktische Flexibilität sorgen.

Das US-Militär arbeitet an einer Familie von computergelenkten Lasten-Fallschirmen, dem Joint Precision Airdrop System (JPADS), einem Bestandteil der Advanced Concept Technology Demonstration- Initiative. Versionen bis zu fünf Tonnen werden noch mindestens vier Jahre bis zur Einsatzreife benötigen. In noch fernerer Zukunft sollen Lasten von bis zu 21 Tonnen "punktgenau" abgeworfen werden können.

Sherpa Autonomous Parafoil Delivery System

Nach gpsworld testet gegenwärtig eine Versorgungseinheit des US-Marine Corps das Sherpa Autonomous Parafoil Delivery System in der irakischen Provinz Al-Anbar - unter Gefechtsbedingungen.

Sherpa besteht hauptsächlich aus einem 84-Quadratmeter-Schirm, der mit einem Servomotor verbunden ist. Der GPS-Computer (GPS - Global Positioning System) berechnet alle Daten, die notwendig sind, um die Ladung "punktgenau" ins Ziel zu steuern. Ein Bremsfallschirm stabilisiert die Last unmittelbar nach dem Abwurf, so dass sich der Hauptschirm nach einer Phase des freien Falls wie vorgesehen öffnen kann. Das Lastschirm-System wird von Mist Mobility Integrated Systems Technology mit Sitz in Ottawa, Kanada, gebaut und kostet 68.000 US-Dollar (ein Standard-Transport-Fallschirm der US-Armee kostet ca. 11.000 US-Dollar).

Transportflugzeuge (eingeschränkt auch Hubschrauber) können Sherpa aus Höhen von 1.500-8.000 Metern und in einer Entfernung von bis zu 14 Kilometern vom Ziel mit Lasten zwischen 200 und 600 Kilogramm absetzen (herkömmlicher Standard-Transport-Fallschirm: 1.100 Kilogramm). Die Zielgenauigkeit soll bei 100-200 Metern liegen, je nach Landemodus. Sherpa fliegt selbständig mit einer GPS-Steuerung, Fernbedienung, Führung durch Funkfeuer vom Zielpunkt oder einer Kombination dieser Methoden. Für den autonomen Flug gibt das Bedienungspersonal kritische Informationen wie Windstärken für verschiedene Höhen, Masse, Flugrichtung, Flughöhe- und Geschwindigkeit sowie die Zielkoordinaten in einen Computer ein; diese Daten werden vor dem Abwurf in die Schirm-Kontrolleinheit von Sherpa überspielt.

Nach dem Abwurf öffnet sich der Schirm und die Servo-Antriebe der Schirm-Kontrolleinheit übernehmen die Lenkung der Steuerleinen. Der GPS-Empfänger vergleicht dabei ständig die aktuelle Position mit den einprogrammierten Koordinaten des Ziels. Sherpa leitet sich so selbst zum Ziel und kann dabei auch - je nach einprogrammierter Route - Hindernisse oder feindliche Stellungen umfliegen.

CopterBox

Andere Kandidaten der modernisierten Luftversorgung sitzen in den Startlöchern. So wurde durch NCŽs DropMaster Inc. mit finanzieller Unterstützung der US-Armee die CopterBox entwickelt - ein sich schnell drehender Pappzylinder mit einem Rotor.

Die CopterBox wird aus Flugzeugen oder Hubschraubern abgeworfen und bremst eine Last von 30 Kilogramm auf eine Geschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde ab. Mit ca. 400 Umdrehungen pro Minute soll sie sich auch ihren Weg durch Baumkronen fräsen können und stets den Boden erreichen - was bei Fallschirmen nicht in jedem Falle gewährleistet ist. Das System fällt mit 300 US-Dollar pro Wurf relativ preiswert aus. Doch noch sieht das Pentagon keinen Bedarf. Die australische Armee nutzt seit Jahren mit der "Helibox" ein ähnliches System.

Das Aviation and Missile Command in Huntsville, Alabama, verfolgt ein anderen Projekt: Das 10 Kilogramm schwere, 20 Zentimeter breite und 81 Zentimeter lange "Quick-MEDS"-Projektil soll in unbemannten Flugzeugen transportiert werden. Wird ein Soldat durch Kampfhandlungen am Boden verwundet, wird die medizinische Rakete in Richtung des Verletzten gestartet. Sie soll alles enthalten, was man so braucht, wenn man verwundet auf dem Gefechtsfeld herumliegt. Mit dieser Methode will man vermeiden, Rettungstrupps in stark umkämpfte Gebiete einfliegen zu müssen. Es wird wahrscheinlich zwei Versionen geben, eine davon mit GPS-Steuerung (ein 3,5-Millionen-US-Dollar-Projekt). Die Flugtests sollen 2005 abgeschlossen sein. (Bernd Schröder)