Mars One ist im Konkurs gelandet

Screenshot aus einem YouTube-Werbefilm von Mars One aus dem Jahr 2012.

Das mit großen Medienhype gestartete Projekt, das Menschen ohne Rückkehrticket zum Mars schicken wollte, will angeblich mit einem neuen Investor dennoch weitermachen

Mit großem Tamtam und entsprechend großen Medienecho startete 2012 das Vorhaben Mars One. Der niederländische Unternehmer Bas Lansdorp hatte eine Stiftung und ein Unternehmen Mars One Venture gegründet, um die ersten Menschen auf den Mars zu bringen. Aufsehen erregte dies weniger wegen der mangelnden technischen Details und fehlender Finanzierungspläne, sondern vor allem, weil das Vorhaben im Reality-TV-Format ablaufen und die Astronauten ohne Rückflugmöglichkeit auf dem Mars abgesetzt werden sollten, um eine Station aufzubauen.

Zum selbstmörderischen Projekt hieß es schlicht: "Einmal auf dem Mars gibt es keine Möglichkeit der Rückkehr zur Erde. Eine tief verwurzelte Zielstrebigkeit wird jedem Astronauten helfen, seine oder ihre psychische Stabilität und Konzentration aufrechtzuerhalten, während sie zusammen für eine gemeinsame und bessere Zukunft arbeiten."

Eigentlich war allen klar, dass daraus nicht mehr als ein Medienhype werden würde, aber Mars One entfaltete Aktivitäten, Bewerber sollten über ein weltweites Casting gefunden werden. Angeblich sollen sich 200.000 Menschen beworben haben. Schon beginnend ab 2016 sollte mit unbemannten Flügen Material auf den Mars gebracht werden, das erste Team sollte 2023 kommen. Milliarden sollten in die Kasse gespült werden, um dann mit 6 Milliarden US-Dollar die erste Mission zu realisieren, was von vorneherein nicht machbar erschien.

"Ganz Amerika funktioniert so"

Schon länger waren die Neuigkeiten über Mars One Venture eingeschlafen, jetzt stellte sich heraus, dass das Projekt klammheimlich Pleite gegangen ist und Konkurs angemeldet hat. 2017 ging Mars One Venture AG an die Börse und versprach, im ersten Vierteljahr 2019 Gewinne zu erzielen. Das wurde nichts. Der Mars muss vorerst noch auf Kolonisatoren warten. Ein Nutzer von Reddit ist auf den Eintrag im Handelsregister der Stadt Basel gestolpert, nach dem das dortige Zivilgericht den Konkurs eröffnet hat und die AG sich in Liquidation befindet.

Auch der Landbote berichtete davon und gab ein interessantes Detail bekannt. So habe Moritz Hunziger, ehemaliger Delegierter des Verwaltungsrats von Mars One Ventures AG, 2017 gesagt: "Es handelt sich um eine fantastische Idee, bei der es nicht darauf ankommt, dass sie realisiert wird." Er verwies auf den Online-Shop, wo Kandidaten Produkte und Unterstützpunkte kaufen konnten. Dass damit unter Vorgabe einer angeblichen Marsmission nur ein Traum verkauft werde, hatte Hunzinger zurückgewiesen: "Ganz Amerika funktioniert so."

Nicht betroffen ist davon die Stiftung, allerdings fehlen nun hier die Gelder, die von der AG kamen. Gegenüber Engadget sagte Bas Lansdorp, man werde eine Lösung finden. Die Stiftung sollte die Mission organisieren und 5 Prozent des Umsatzes der AG erhalten. Zudem sollte sie sich durch Spenden finanzieren. Die AG war als Verwertungsmaschine angedacht, die Einnahmen durch die verkauften Produkte, die Bewerbungsgebühren der Interessierten und alle sonstigen Verwertungsrechte für Werbung und Medien erzielen sollte.

Neue Vermarktungsmaschine

In einer Pressemitteilung von Mars One wird das Konkursverfahren bestätigt, aber zugleich davon gesprochen, dass man in Verhandlungen mit einem neuen Investor sei. Ziel sei es, den Konkurs rückgängig zu machen oder eine Neugründung zu starten. Die Firma habe etwa eine Million Euro Schulden, der Investor habe erklärt, er werde mit den Gläubigern sprechen, um eine Vereinbarung zu erzielen.

Und dann soll alles wieder so weitergehen, wie bisher. Man werde Ausschau nach bekannten Firmen und Organisationen halten, die mit der Reise zum Mars beschäftigt sind, um die geplante Mission zu realisieren. Mars One werden sich noch stärker auf das "inspirierende being there" konzentrieren, auf die "abenteuerliche Geschichte von Menschen, die wirklich auf dem Mars leben und den roten Planeten zu ihrer Heimat machen wollen".

Dass damit weiter der "Traum" verkauft werden soll, machen die weiteren Ausführungen deutlich. Mit dem neuen Investmentplan werde Mars One Ventures "eine Vermarktungsmaschine einrichten und kontinuierlich Content über diese Aktivitäten kreieren, die mit allen technischen, psychologischen, wirtschaftlichen und ethischen Aspekten evaluiert werden". Am 6. März will der neue Investor die Pläne auf einer Pressekonferenz vorstellen. Der Ort ist noch nicht bekannt. Auf dem Mars wird es nicht sein. (Florian Rötzer)

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