Masernepidemie in Samoa: Über 50 Tote

Samoa. Karte: CIA World Factbook

Regierung ordnet Zwangsimpfungen an

Der polynesische Inselstaat Samoa hat nur etwa 200.000 Einwohner. Mindestens 53 davon starben in den letzten Wochen an Masern. 50 davon waren dem Gesundheitsministerium in Apia zufolge Kinder unter 15 Jahren. 23 von ihnen hatten das erste Lebensjahr noch nicht vollendet. Die Behörden erwarten, dass noch weitere Menschen sterben werden. Auch deshalb, weil die Zahl der Infektionen weiter zunimmt. Alleine von Sonntag auf Montag stieg sie um 198 auf jetzt über 3.700.

Die Seuche kam aktuell wahrscheinlich im Oktober aus dem nahe gelegenen Neuseeland, wo sie bereits im September grassierte in die ehemalige deutsche Kolonie. Am 15. November erreichte sie dort ein Ausmaß, dass die Behörden bis auf weiteres die Schulen schlossen und den Notstand ausriefen.

Infektionen auch auf Fidschi und Tonga

Fünf Tage darauf erklärte die Regierung Masernimpfungen für verbindlich. Seitdem stieg die Zahl der geimpften Samoaner von etwa 33.000 auf ungefähr 91.000. Vorher wurden Masernimpfungen zwar angeboten, aber unter anderem deshalb schlecht angenommen, weil im Juli 2018 zwei Kinder nach solchen Immunisierungen gestorben waren. Diese Todesfälle klärten sich zwar auf, als herauskam, dass zwei inzwischen wegen Totschlags verurteilte Krankenschwestern den Impfstoff mit einem abgelaufenen Muskelrelaxant vermengt hatten - aber sie hinterließen bei vielen Bürgern doch ein Misstrauen, das bis zum Ausbruch der aktuellen Epidemie anhielt.

Nun sollen bis zu 3.000 Beamte und Behördenangestellte dafür sorgen, dass die Impfquote auf einen Anteil wie auf Nauru, Niue oder den Cook-Inseln steigt. Dort, wo fast hundert Prozent der Bewohner geimpft sind, hat die Seuche keine Chance. Auf Tonga und den Fidschi-Inseln, wo sie deutlich darunter liegt, brach sie dagegen ebenfalls aus. Auch die Fidschi-Inseln haben deshalb den Notstand ausgerufen - und auch Tonga musste deshalb seine Schulen schließen. Tote werden von dort bislang allerdings noch nicht gemeldet.

WHO: Weltweiter Wiederanstieg seit drei Jahren

Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge steigt die Zahl der Maserninfektionen, die seit der Entwicklung eines Impfstoff 1963 auf dem Rückzug war, seit drei Jahren wieder an. Nicht nur in gescheiterten Staaten wie dem Jemen, sondern auch in Wohlfahrtsnationen wie dem Vereinten Königreich (vgl. Prinzip "Stille Post" oder warum Diskussionen mit Impfgegnern sinnlos sind, Die unsichtbare Superdiktatur und Was Impfgegner wirklich überzeugt). In den ersten drei Monaten des Jahres 2019 verdreifachte sie sich weltweit.

Dass Infizierte die Masern nicht überleben, kommt zwar prozentual gesehen bei weitem nicht so häufig vor wie bei Creutzfeldt-Jakob (100 Prozent) oder Ebola (83 bis 90 Prozent), ist jedoch in absoluten Zahlen gemessen angesichts der ehemaligen Häufigkeit der sehr ansteckenden Krankheit auch nicht zu vernachlässigen: Bevor es die Schutzimpfung dafür gab starben den Schätzungen der WHO nach jedes Jahr etwa zweieinhalb Millionen Menschen daran.

Das Masernvirus beeinträchtigt das menschliche Immunsystem außerdem über einen längeren Zeitabschnitt. Dadurch werden Masern immer wieder von anderen Infektionskrankheiten wie Gehirnentzündungen, Lungenentzündungen oder Mittelohrentzündungen begleitet. Besonders gefährlich werden solche Begleiterkrankungen, wenn Eltern nicht nur Impfgegner sind, sondern der wissenschaftlich fundierten Medizin so sehr misstrauen, dass sie auch bei der Behandlung dieser Krankheiten alternativen Heilvorstellungen anhängen.

Im norditalienischen Cagli musste deshalb vor zwei Jahren der sechsjährige Francesco B. sterben, dessen Eltern ihn mit einer Mittelohrentzündung nicht zu einen "Schulmediziner", sondern zum "Naturheiler" Massimiliano M. brachten. Der verbot den Erziehungsberechtigten trotz hohen Fiebers die Gabe von Antibiotika und die Einlieferung in ein Krankenhaus. Als die Eltern schließlich doch die Rettung riefen, konnte dem Buben auch keine Notoperation mehr helfen (vgl. Gefährlicher Glaube).

Der deutsche Bundesgesundheitsministers Jens Spahn hat deshalb im November eine mit bis zu 2500 Euro Bußgeld bewehrte Masern-Impfpflicht für Kinder in Kindertagesstätten, das dortige Personal, Schüler, Lehrer, Ärzte, Schwestern, Pfleger und Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften durchgesetzt (vgl. Bundestag beschließt Masern-Impfpflicht). Die Einhaltung dieser Impfpflicht sollen die Gesundheitsämter kontrollieren, wobei sie ermutigt werden, zusammen mit den Krankenkassen wieder Reihenimpfungen anzubieten, mit deren Hilfe man im 20. Jahrhundert die Pocken ausrotten und die Kinderlähmung deutlich eindämmen konnte (vgl. Polio-Ausbruch in der Ukraine). (Peter Mühlbauer)