Mastodon, Friendi.ca, Hubzilla, WeChat, Akasha

Bild: mastodon.social

Mehr Twitter- und Facebook-Alternativen nach dem NetzDG

Nicht nur in Deutschland, wo die Bundesregierung gerade ein wahrscheinlich europa-, menschenrechts- und verfassungswidriges "NetzDG" durch den Bundestag bringen will (vgl. Wissenschaftlicher Dienst: NetzDG auch grundgesetzwidrig), suchen Social-Media-Nutzer derzeit nach Alternativen, die ihnen mehr Meinungsfreiheit und mehr Datenschutz versprechen (vgl. Ägypten: Dutzende weitere Nachrichtenseiten und VPN-Dienste gesperrt, Vietnam entzieht Blogger Staatsbürgerschaft und Pakistan: Todesstrafe für Facebook-Eintrag verhängt). Wir stellen deshalb nach den ersten vier (vgl. Nach dem NetzDG) noch weitere Dienste vor, mit denen man Informationen einsehen und übermitteln kann, ohne auf Facebook und Twitter angewiesen zu sein.

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Bezüglich der am 7. Juni präsentierten (und aktuell vor allem in Deutschland und den USA) beliebtesten Twitter-Alternative Gab.ai hat Utsav Sanduja, der aus Indien kommende Abteilungsleiter für Recht, Kommunikation, internationale Tätigkeiten und internationales Wachstum, das vom CEO Andrew Torba gegebene Versprechen, man werde lediglich illegale Pornographie, Werbung für Terrorismus und Gewalt sowie die Veröffentlichung vertraulicher Informationen zensieren, eingeschränkt: Seinen Worten nach "respektiert" Gab "die Souveränität von Nationalstaaten und ihre jeweiligen Gesetze zur Online-Kommunikation", weshalb sich Nutzer "an die Gesetze ihres jeweiligen Heimatlands halten" müssen. Ob das konkret auch das NetzDG betreffen wird, lässt er offen, erinnert die deutsche Bundesregierung und andere Regierungen aber an die Artikel 18, 19 und 20 der Allgemeinen Menschenrechtserklärung.

Eine andere Twitter-Alternative, die unlängst einen "kleinen Boom" erlebte, ist Mastodon (vgl. Dezentral und Open Source: Ist Mastodon das bessere Twitter?). Es hat statt eines Vogels oder eines Froschs ein ausgestorbenes Rüsseltier als Symbol, ist aber nach einer Metalband benannt, die der Entwickler Eugen Rochko gerne hört. Mastodon funktioniert dezentral und nach dem Motto "Such dir einen Server, dem du vertraust". Statt 140 Zeichen (wie bei Twitter) oder 300 Zeichen (wie bei Gab.ai) sind hier gleich 500 Zeichen erlaubt, weshalb dort aus Aphorismen kleine Geschichten werden können.

Wer sich nur über deutsche Politiker äußern will, der kann im chinesischen Dienst WeChat eine Alternative sehen. WeChat unterstützt zwar Sprachen wie Deutsch, hat seine über 800 Millionen Nutzer, aber vor allem in China, wo es unter anderem wegen seiner Bezahl- und Verkehrsfunktionen beliebt ist. Allerdings wird auf dem Dienst, zu dem viele Nutzer aus dem chinesischen Facebook Weibo wechselten, nachdem die Behörden dort 2013 eine Kampagne gegen "Pornographie" und "Gerüchte" initiierten (vgl. Chinesische Messenger-App WeChat löscht mehr als 20 Millionen Accounts), dann heimlich zensiert, wenn es um chinesische Politik geht, wie Wissenschaftler an der Universität Toronto im letzten Jahr mit einem Experiment mit 26.821 Schlüsselwörtern herausfanden.

Diese Zensur greift nicht nur für Nutzer mit chinesischer Telefonnummer, sondern auch für Auslandschinesen, die sich einmal mit einer chinesischen Telefonnummer anmeldeten. Der in WeChat integrierte Browser enthält bestimmte Webseiten nur dieser Kategorie User vor - was Chinesen jedoch nicht davon abhält, dem Dienst ein Drittel ihrer mobilen Online-Zeit zu widmen (vgl. Chinas WeChat zensiert neuerdings heimlich - bevorzugt Gruppenchats).

Die bekannteste Facebook-Alternative abseits von Diaspora ist Friendi.ca. Auch dieser Dienst hat Vor- und Nachteile, auf die ein Leser bereits im Forum zu Diaspora ausführlich einging: Er bietet zahlreiche Andockmöglichkeiten zu Diensten wie Facebook, Twitter oder GNUsocial und andere Features, die ihn aber auch schwerfällig machen. Der Friendi.ca-Erfinder Mike MacGirvin arbeitet unter anderem deshalb an Hubzilla, einem schlankeren Sozialen Netzwerk, dass die Privatsphäre besser schützen soll.

Sehr ambitioniert, aber (auch aufgrund der relativ geringen Nutzerzahl) bislang noch mit begrenztem praktischen Nutzen ist das Open-Source-Projekt Akasha, das seinen Namen einem buddhistischen Konzept von Raum entlehnt hat und in das InterPlanetary File System (IPFS) eingebettet ist. Sein Initiator ist der Rumäne Mihai Alisie, einer der Entwickler der Kryptowährung Ethereum (vgl. Kryptogeld-Projekt Ethereum: Der nächste Hard Fork kommt). (Peter Mühlbauer)

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