Medienberichte: Papst trat wegen Geheimnetzwerk im Vatikan zurück

Heimlich homosexuelle Kirchenfürsten sollen in Erpressung und Korruption verstrickt sein

Italienischen Medienberichten zufolge könnte der Grund für den überraschenden Rücktritt von Papst Benedikt XVI. in einem knapp 300 Seiten umfassenden Geheimbericht liegen, der im Zuge der Aufklärung der Vatileaks-Affäre angefertigt wurde. In diesem ist der Zeitung La Repubblica nach von einem Untergrundnetzwerk im Vatikan die Rede ist, in dem "Verstöße gegen das sechste und das siebte Gebot" eine wichtige Rolle spielen. Nach katholischer Zählung lauten diese Dekalogvorschriften "Du sollst nicht die Ehe brechen" und "Du sollst nicht stehlen".

Der römische Katechismus legt diese beiden Gebote weit über Verstöße gegen Verträge zum wechselseitigen und ausschließlichen Gebrauch der Geschlechtsteile hinaus aus: Das Ehebruchsverbot umfasst darin alle sexuellen Handlungen außerhalb der rituell anerkannten Ehe, darunter auch homosexuelle. Und das Diebstahlsverbot wird unter anderem auf Korruption und Erpressung ausgedehnt. Um diese drei Bereiche geht es der Repubblica nach konkret. Dabei beruft sich die Zeitung auf eine anonyme Quelle, die in sehr enger Verbindung zu den Autoren des Geheimberichts stehen soll.

Papst Benedikt XVI während eines Besuchs in São Paulo. Foto: Fabio Pozzebom/Abr. Lizenz: CC BY 2.5 BR.

Der Wochenzeitung Panorama nach könnte auch die in Geldwäscheverdacht geratene Vatikanbank eine wichtige Rolle in der Affäre spielen. Am 15. Februar, vier Tage nach Benedikts Rücktrittsankündigung, war der deutsche Malteserritter Ernst von Freyberg zum neuen Leiter des Geldinstituts ernannt worden, nachdem der Posten vorher neun Monate lang nicht besetzt war.

Im Vatikan reagierte man in unterschiedlichem Maße verärgert auf die Berichte: Während der offizielle Vatikansprecher Federico Lombardi eine Stellungnahme zu "Fantasien und Meinungen" verweigerte, wetterte Kardinalkämmerer Tarcisio Bertone über absichtlich gestreute Falschmeldungen, die Entscheidung des Konklave beeinflussen sollten, das im März zusammentritt. Der von Kritikern als sinistre Figur geschilderte 78-Jährige mit besten Kontakten zur Berlusconi-Partei PdL nimmt nicht nur an dieser Wahlversammlung teil, sondern gilt auch als einer der Favoriten für die Papstnachfolge.

In der Vergangenheit geriet Bertone mehrmals in die Schlagzeilen, weil ihm vorgeworfen wurde, die Aufklärung von Kindsmissbrauchsfällen mit auffällig geringem Eifer betrieben zu haben. Die Rechtfertigungsversuche des Kardinalstaatssekretärs, in der dieser Pädophilie und Homosexualität vermengte, zeigen, warum nicht gänzlich ausgeschlossen ist, dass die aktuellen Gerüchte zum Papstrücktritt reale Hintergründe haben könnten: Weil die katholische Kirche Homosexualität nicht als gleichberechtigte Veranlagung anerkennt, sondern teiltabuisiert, ist ein Teil ihres Personals potenziell leichter erpressbar als beispielsweise ein FDP- oder CDU-Politiker (vgl. Die große "Mutter Kirche" und ihre Söhne).

Dass sich dies in absehbarer Zeit ändert, scheint angesichts der aktuell für die Nachfolge Benedikts gehandelten Kandidaten eher unwahrscheinlich: Der beim irischen Wettbüro Paddypower führende ghanaische Kardinal Peter Turkson sagte CNN unlängst auf eine Frage zum Kindesmissbrauch in der Kirche [sic], "Homosexualität" sei in seiner Heimat kein so großes Problem wie in Europa, weil "afrikanische traditionelle Systeme" die Bevölkerung davor "schützen" würden. An anderer Stelle hatte der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden öffentlich Verständnis für die Strafverfolgung von Homosexualität gezeigt und gemeint, diese sei kein Menschenrecht, sondern ein bloßer "Lifestyle".

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