Medienschlacht um die Gesundheit von Clinton und Trump

Donald Trumps Arzt schrieb in seinem Attest, Trump werde der gesündeste Präsident sein, den die USA jemals hatte. Bild: Gage Skidmore/CC-BY-SA-3.0

Trumps Arzt distanziert sich von seinem Attest, in dem er schrieb, "dass er der gesündeste Mensch sein wird, der je zum Präsidenten gewählt wurde"

Der permanent auf Provokation und Aufmerksamkeit schielende Donald Trump hatte vor kurzem begonnen, die Gesundheit seiner Konkurrentin Hilary Clinton in Zweifel zu ziehen. Sie würde "psychisch und physisch" nicht die Ausdauer (Stamina) haben, es mit dem IS und all den anderen Gegnern aufnehmen zu können, verkündete er. Beweise legte er dafür keine vor, Trump ist 16 Monate älter als die 69-jährige Clinton und sieht selbst nicht sonderlich fit aus. Clinton habe, so sagte er, "echte Probleme".

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Schon länger waren in rechten Kreisen Behauptungen über Clintons misslichen Gesundheitszustand verbreitet werden. Schon letztes Jahr war gemutmaßt bzw. böswillig unterstellt worden, dass Clinton wohl nicht mehr lange leben werde, die Rede ist von einem möglichen Gehirntumor. Diabetes könnte sie haben, ihr Sprachzentrum soll beschädigt sein, Krampfanfälle wurden ebenso diagnostiziert wie eine Herzerkrankung, wofür eine Beule in ihrem Kostüm sprechen sollte, die auf einen Defibrillator verweise. "Entscheidungsmüdigkeit" wird ins Spiel gebracht ebenso wie ihr "Drogen umnebelter Kopf" und die Unterstellung, sie würde Windeln tragen müssen.

Und da sind natürlich die Mainstreammedien, die mittels einer"Medienverschwörung"alles daran setzen würden, den misslichen Gesundheitszustand der demokratischen Präsidentschaftskandidatin zu verheimlichen. Infowars.com erzählt, Clinton sei oft auf der Bühne zusammengebrochen und habe ein Loch in der Zunge. Zwar habe ihr Arzt ihr eine gute Gesundheit bescheinigt, aber sie leidet an einer Unterfunktion der Schilddrüse und nimmt Blutverdünner.

Ihr Arzt bestätigte letztes Jahr zudem eine Pollenallergie, eine Thrombose 1998 und 2009, eine Ellbogenfraktur und eine Gehirnerschütterung nach einer Mageninfektion, durch die sie dehydriert und ohnmächtig wurde, woraus die rechten Clinton-Gegner bleibende Schäden ableiten. Sie nimmt keine Drogen, raucht nicht, ernährt sich gut und ist körperlich aktiv. Sie hat einen Blutdruck von 100/65 und weiter keine Probleme. Ihr Arzt sagt, sie sei in "exzellenter körperlicher Verfassung" und für eine Präsidentschaft fit.

In das ganze Theater fügt sich Trumps Gesundheitsattest vom Dezember 2015 bestens ein. Sein Arzt Dr. Harold Bornstein, der ihn seit 1980 betreut hat, davor war es sein Vater, versicherte schon gleich mal, Trump habe keine "ernsthaften medizinischen Probleme". Während bei Clinton immerhin einige medizinische Probleme aufgeführt wurden, erscheint dieses Attest als Weißwaschung. Bei seiner letzten Untersuchung habe es "positive Ergebnisse" gegeben, die Laborteste seien "überraschend ausgezeichnet".

Er habe einen Blutdruck von 110/65, in den letzten Monaten abgenommen und nehme täglich lediglich Aspirin und Statin. Seine Stärke und Ausdauer seien "außergewöhnlich". Es gab nur eine einzige Operation im Kindesalter, eine Appendektomie, exzellent sei auch sein kardiovaskulärer Status. Er habe nie geraucht oder Alkohol getrunken. Der letzte Satz über Trump ist geradezu beschwörend: "Wenn Mr. Trump gewählt wird, kann ich uneingeschränkt feststellen, dass er der gesündeste Mensch sein wird, der je zum Präsidenten gewählt wurde."

Das ist schon ziemlich dick aufgetragen. Nur dumm, dass der Arzt in einem Interview jetzt einräumte, er habe das Attest in nur 5 Minuten niedergeschrieben, weil bereits ein Fahrer in einem Auto draußen wartete: "Ich dachte darüber den ganzen Tag nach und am Ende musste ich mich beeilen. Ich wurde ängstlich, als ich mich beeilen musste. Also versuchte ich, drei oder vier Zeilen so schnell wie möglich so zu schreiben, dass sie damit zufrieden sind."

Er habe, fügte er noch hinzu, Worte von Trump aufgegriffen und sie in seine Sprache übersetzt. So würde er normalerweise nicht Atteste schreiben, sagte er dem Interviewer, "aber für Mr. Trump schrieb ich das Attest so". Offenbar will Bornstein sich von dem Attest absetzen, das schon längst durch den Kakao gezogen worden war: "In der Eile, glaube ich, kamen einige der Worte nicht genau so heraus, wie sie gemeint waren."

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Tatsächlich hatte Trump seinen Arzt Anfang Dezember gedrängt, ihm schnell einen "vollständigen medizinischen Bericht" auszustellen, der seine "Perfektion" zeigt. Bornstein hat sich wahrlich bemüht. (Florian Rötzer)

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