Mehr Drohnen für Nordafrika

Marokko bedient sich am Gebrauchtmarkt für Langstreckendrohnen: Die Luftwaffe des Landes übernimmt drei unbewaffnete Drohnen des Typs "Harfang" ("Schnee-Eule") vom französischen Militär

Die Lieferung erfolgte bereits im vergangenen Frühling. Auch die Regierung Israels wurde nach Presseberichten um Erlaubnis gefragt. Dies war nötig, da die "Harfang" israelischer Produktion entstammen und auch der Verkauf an Frankreich genehmigt werden musste.

Gewöhnlich wird die Drohne von Israel Aerospace Industries (IAI) unter dem Namen "Heron" vertrieben. Für das von Frankreich gekaufte Derivat ist der Hersteller eine Kooperation mit EADS und Thales eingegangen. Die beiden Rüstungskonzerne liefern die Überwachungssensorik für die unbemannten Flugzeuge. Allerdings ist unklar, ob es jene "Harfang" sind, die nun Marokko überlassen werden. Denn auch die französische Firma Dassault Aviation kooperiert mit IAI zum Verkauf von "Heron"-Drohnen und hatte die französischen Streitkräfte beliefert. Diese werden allerdings als "F-Heron TP" bezeichnet. Unklar ist, wie viele der benötigten Bodenstationen Teil des Deals sind.

Die Drohnen Frankreichs wurden überflüssig, weil die Regierung im Sommer dem israelischen Hersteller den Rücken kehrte und vom US-Konzern General Atomics 12 Langstreckendrohnen des Typs "Reaper" ("Sensenmann") bestellte. Die "Reaper" ist das Nachfolgemodell der "Predator" ("Raubtier"). Die neuen, unbewaffneten Flugroboter will Frankreich für Operationen in Afrika einsetzen, zwei Drohnen wurden bereits ausgeliefert und im Niger stationiert, um diese für die Intervention in Mali zu nutzen. Auch die nun veräußerten "Harfang" waren in Mali eingesetzt und absolvierten dort mehr als 2.000 Flugstunden.

Frankreich will mit jenen Staaten, die ebenfalls "Reaper"-Drohnen kaufen, einen "Club der Drohnen-Nutzer" einrichten. Auch Deutschland interessiert sich für die "Reaper" aus den USA. Ein hierfür eingeholtes Angebot für drei Drohnen sowie vier Bodenstationen weist Kosten von 224 Millionen Euro aus. Hinzu kämen aber weit mehr Ausgaben für die Muster- und Verkehrszulassung des Systems. Allerdings ist auch die israelische "Heron" weiter im Gespräch.

Derzeit fliegt die Bundeswehr von EADS geleaste "Heron" in Afghanistan. Alle drei Exemplare sind allerdings bereits einmal abgestürzt und mussten ersetzt werden (Bundeswehr-Drohne kollidierte mit einem Berg) . Marokko gehört ebenfalls zum Kreis der Nutzer von Drohnen des US-Konzerns General Atomics. Nach Medienberichten hat die Luftwaffe bereits mehrere Exemplare einer Exportversion der Drohne "Predator" gekauft. Diese wird in arabischen, afrikanischen lateinamerikanischen Ländern mit dem Kürzel "XP" vertrieben. "XP" steht für "Export" (Rüstungsindustrie bläst zum Drohnen-Wettlauf im Mittleren Osten). Bis zum Modell "XP" durften die "Predator" nur an Länder verkauft werden, die der NATO angehören.

Die Drohnen können nur zur Beobachtung aus der Luft genutzt werden, eine spätere Bewaffnung ist angeblich nicht möglich. Trotzdem werden die Flugroboter für die Vorbereitung und Durchführung militärischer Luftschläge genutzt: Das maximale Abfluggewicht von über einer Tonne erlaubt die Bestückung mit rund 150 Kilogramm hochauflösenden Sensoren. Hierzu gehören optische Systeme oder ein Radar zum Erkennen und Markieren bewegter Ziele.

Mit den weiteren unbemannten Luftfahrzeugen für Marokko wird die Region neuerlich aufgerüstet. Auch das Nachbarland Algerien ist hierzu sehr aktiv (Libyen und Algerien wollen Drohnen zur Grenzüberwachung). Die USA haben ebenfalls "Predator" auf Basen im Niger stationiert, die eigentlich für dortige Operationen sowie im benachbarten Mali eingesetzt werden sollten.

Nach Medienberichten fliegen die US-Drohnen allerdings auch über den Grenzen zu Libyen. Sie unterstützen also Missionen des italienischen Militärs, das mittlerweile regelmäßig die Sahara-Grenzen Libyens überwacht. Eher unbeachtet haben also die USA, Frankreich und Italien in Nordafrika längst einen "Club der Drohnen-Nutzer" installiert. Alle Beteiligten setzen dabei auf die "Reaper". Marokko und Algerien werden nun zu Junior-Partnern.

Auch im Irak bahnt sich ein neuer Gebrauchtmarkt an: Nach dem Abzug des US-Militärs werden irakische Streitkräfte derzeit in der Bedienung von "Scan Eagle" ausgebildet. Die Regierung hatte sie letztes Jahr bestellt, geliefert werden sie wohl aus den überflüssigen Modellen, die noch Land stationiert sind. Die Drohnen haben eine Spannweite von drei Metern und können rund 15 Stunden in der Luft bleiben. Die US-Marine füllt die Lücke mit dem Nachfolgemodell der "Scan Eagle", das über eine nahezu doppelte Kapazitäten verfügt.

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