Mehr Sicherheit dank Einwohnervernetzung per App?

Bild: geralt. Lizenz: CC0 Public Domain

Lässt sich mit einer App die Sicherheit im Lande wirklich verbessern oder optimiert sie nur eine gefühlte Sicherheit?

Als die Dörfer noch klein und überschaubar waren und der Großteil der Bevölkerung im Ort seit Kindsbeinen bekannt war, wurde Alles, was anders war als üblich, in der Nachbarschaft schnell bekannt. Beim Bäcker, Metzger, dem örtlichen Lebensmittelhändler, auf jeden Fall jedoch beim Frisör oder beim Briefträger, konnte man alle aktuellen Informationen schnell und mehr oder weniger zuverlässig bekommen. Mit dem Wachstum der Städte und der meist beruflich bedingten immer häufigeren Neudurchmischung der Nachbarschaften, kamen solche informellen Kommunikationselemente in den Nachbarschaften im Laufe der Zeit unter die Räder.

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Was um die Ecke passiert, erfährt man heute meist nur noch, wenn es in der Zeitung steht oder im Radio kommt. Dort finden sich jedoch vorwiegend Meldung von globalen Gefahrensituationen, die für den Einzelnen vor Ort kaum von Bedeutung sind. Das Sicherheitsempfinden wird durch die in immer kürzeren Abständen auf die Menschen hereinprasselnden Schreckensnachrichten jedoch nachhaltig gestört.

Auch wenn die Statistiken es klar zeigen, dass die Kriminalität in Deutschland seit der deutschen Wiedervereinigung wieder zurückgeht, fehlt vielen Einwohnern inzwischen der Glaube an die Kriminalitätsstatistik.

Mit einer auf Android- und später auch auf iOS-Mobilgeräten lauffähigen App will ein im Jahre 2016 im Großraum Frankfurt gegründetes Start-Up namens DIKE die Gesellschaft sicherer machen. Dazu sollen registrierte Nutzer die Möglichkeit erhalten, möglicherweise sicherheitsrelevante Informationen an andere Nutzer in ihrer Nachbarschaft bzw. Umgebung weitergeben zu können. Anders als die Warn-Apps KATWARN oder NINA, welche nur Informationen von Behörden verbreiten, setzt DIKE unmittelbar auf die Mitarbeit der Personen, welche das System auch als Informationsquelle nutzen.

Unter dem Slogan ″mach Dein Leben sicherer″ will man Nutzer gewinnen, welchen die aktuelle Sicherheitslage nicht ausreichend erscheint und die sich derzeit nicht ausreichend über die spezifische Situation informiert fühlen. Die Entwicklung bei Wohnungseinbrüchen im vergangenen Jahr hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass ein Projekt wie DIKE, das auf einen ″Crowd Sourced Security″-Ansatz setzt, auf Nachfrage und Akzeptanz gestoßen ist. Man hofft mit der App zur Transparenz hinsichtlich der jeweils aktuellen, lokalen Sicherheitslage beitragen zu können. Zudem hofft man, dass die App auch zur Prävention sowie zur Aufklärung von Straftaten beitragen kann.

Ein ähnliches System wurde 2012 in den Niederlanden etabliert. Anfang 2017 zählte es mit 1,6 Millionen Nutzern schon 10 Prozent der Bevölkerung zu seinen Nutzern. Das System wird in den Niederlanden hauptsächlich zur Kommunikation von Fahndungsaufrufen und bei der Suche nach vermissten Personen genutzt. Etwa 50 Prozent der Fahndungserfolge sollen auf Hinweise aus dem Informationssystem zurückzuführen sein. Die digitale Vernetzung der Nachbarschaften soll auch die Zahl der Wohnungseinbrüche um etwa 40 Prozent reduziert haben. Als reines Bürgerinformationssystem ist DIKE in Deutschland jedoch mit Sicherheit auf Dauer nicht zu etablieren. Es sollte sinnvollerweise auf alle Einwohner ausgedehnt werden. Als Bürger werden inzwischen nur noch die Personen bezeichnet, welche die deutsche oder eine EU-Staatsbürgerschaft besitzen und die Volljährigkeit erlangt haben.

Derzeit soll die DIKE-App nach Aussage der Betreiber vorwiegend von alleinerziehenden Müttern, Familienvätern, jungen Eltern sowie Senioren genutzt werden. Wenn ein Nutzer zur Prävention oder im Ernstfall ergänzend zum jeweiligen Polizeinotruf eine Meldung in DIKE erstellt hat, wird diese als Push-Benachrichtigung unmittelbar an alle Anwender in der jeweiligen Umgebung verschickt. Eine solche Meldung, die auch mit Fotos ergänzt werden kann, ist dann in wenigen Sekunden verbreitet, so die potentiellen Empfänger nicht in einem Funkloch befinden oder das Funknetz überlastet ist. Dies kann in schlecht versorgten ländlichen Regionen auftreten, wenn sehr viele Meldungen in kurzen Abständen abgesetzt werden und zusätzlich noch über die normale Telefon-Sprachkommunikation korrespondiert wird.

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