Mehrheit der Amerikaner steht hinter dem Atombombeneinsatz gegen Japan

Mehr als Zweidrittel der Anhänger der Republikaner sehen die atomare Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki als gerechtfertigt an

Bislang sind die USA das einzige Land, das Atombomben als wahrhafte Massenvernichtungswaffen eingesetzt hat. Am 6. und 9. August 1945 wurden völlig unnötig und vermutlich vor allem, um die Waffen zu testen und im beginnenden Kalten Krieg mit der Sowjetunion Stärke zu demonstrieren, Hiroshima und Nagasaki dem Erdboden gleichgemacht, Zehntausende von Menschen starben gleich oder über die Jahrzehnte einen qualvollen Tod. Bislang hat sich kein Vertreter einer US-Regierung für den Massenmord bei den Überlebenden entschuldigt.

Nach einer aktuellen Pew-Umfrage vertritt auch 70 Jahre nach dem Abwurf der Atombomben noch immer eine Mehrheit der Amerikaner die Überzeugung, dass dieser gerechtfertigt gewesen sei. Dass unmittelbar nach dem Krieg 85 Prozent der Amerikaner dieser Meinung war, lässt sich nachvollziehen. Aber dass nach vielen Jahrzehnten trotz des zeitlichen Abstands und einer Fülle von Informationen, die die Notwendigkeit in Frage stellen, weiterhin 56 Prozent den Abwurf und damit die massenhafte Tötung von Menschen billigen, während nur 34 Prozent sagen, es sei nicht gerechtfertigt gewesen, erstaunt.

1991, nach dem Ende des Kalten Kriegs, waren es zwar noch 63 Prozent gewesen, die sich für die Notwendigkeit der Bombardierung ausgesprochen hatten. Das zeigt, dass mit der Zeit die Zustimmung zurückgeht. Zudem ist es eine Generationenfrage, denn die jüngeren Amerikaner sehen sich offenbar weniger verpflichtet, die Handlungen der USA vor 70 Jahren zu verteidigen. So verteidigen 70 Prozent der Über-65-Jährigen den Abwurf der Atombomben, aber nur 47 Prozent der 18-29-Jährigen. Andererseits ist das noch immer ein hoher Prozentsatz, der darauf hindeutet, dass in der amerikanischen Bevölkerung die Bereitschaft weiterhin vorhanden wäre, in bestimmten Situationen Atomwaffen einzusetzen, auch wenn das massenhaftes Leid verursachen würde. Und natürlich sprechen sich die Anhänger der Republikaner mit 74 Prozent weit stärker als die der Demokraten mit 52 Prozent dafür aus. Sollte mit den Wahlen ein Präsident der Republikaner an die Macht kommen, wird die Welt wohl gefährlicher werden.

Die Anschläge von 9/11 waren ein Akt des Terrorismus. Getötet wurden fast 3000 Menschen. Verglichen mit den Toten der Atombombenabwürfe ist das geringfügig. Gleichwohl riefen die USA einen Krieg aus, drangen in Afghanistan und mit erschwindelten Beweismitteln in den Irak ein, um sich zu rächen. Verwunderlich bleibt, warum Japan nicht nur kapitulierte, sondern auch ein enger Verbündeter der USA wurde. Auch jetzt sagen 14 Prozent, die Atombombenabwürfe seien gerechtfertigt gewesen, 1991 waren es sogar noch 29 Prozent gewesen.

Japan hat sich anders als Deutschland militärisch nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgehalten, aber die zivile Nutzung der Atomkraft propagiert und umgesetzt, bis Fukushima geschah. Unter der konservativen Abe-Regierung wird nun, vereint mit den USA, massiv eine Aufrüstung und eine aggressivere Militärpolitik betrieben. Opfer der US-Bombardierung mahnen die Regierung, den bislang eingeschlagenen Weg des Pazifismus nicht aufzugeben.

Besonders aufmerksam wurde registriert, dass Abe nicht explizit äußerte, auf den Besitz, die Produktion und die Stationierung von Atomwaffen zu verzichten. Das ist auch wegen der zunehmenden Konflikte zwischen den USA und China bedeutsam. US-Präsident Obama hatte einst angekündigt, eine atomwaffenfreie Welt anzustreben. Davon ist keine Rede mehr, vor allem seit sich das Verhältnis gegenüber Russland und China zuspitzt. Als Erfolg wird lediglich herausgestellt, dass mit dem Abkommen mit Iran keine weitere Atomwaffen in die Welt kommen - nachdem Israel, Pakistan, Indien und Nordkorea bereits unter der Hand zu Atommächten geworden sind, Israel und Indien wurden von den USA mehr oder weniger anerkannt. In Deutschland befinden sich weiterhin US-Atombomben. (Florian Rötzer)