Meist nur negative Berichterstattung über den Islam

Studie erkennt einen Tiefpunkt im Medienimage des Islam – und warnt vor den Folgen

Seit mindestens zwei Jahrzehnten, in denen auch Ereignisse wie Sebnitz und Hoyerswerda analysiert wurden, liefert die Medienforschung Daten zum Wechselspiel zwischen Medienberichterstattung und Reaktionen beim Publikum. Im Fokus steht in einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Media Tenor (Rapperswil) der Islam. Islam und Muslime gehören demnach zur einzigen gesellschaftlichen Kategorie, deren Ansehen schlechter ausfällt als das von Bankern, Politikern und Journalisten.

Nicht genug, dass allenthalben eine eklatante Unwissenheit der Öffentlichkeit über den Islam herrscht: Mangelnde Sprachkenntnisse und politische Schablonen machen uns anscheinend blind für die autochthonen islamischen Wurzeln, es obsiegen die Klischees. Im Konfliktjahr 2014 jedoch haben Terror, Kriege und Internationale Konflikte die Berichterstattung in deutschen Medien – und damit unser "Wissen" – über den Islam besonders geprägt. Der Islamische Staat (IS) katapultierte das Medienimage des Islam in einen katastrophalen Zustand, so Dr. Christian Kolmer, Leiter Politik bei Media Tenor.

Im Kontext anderer religiöser Akteure fällt das besonders ins Gewicht. Die katholische Kirche sonnt sich den Daten zufolge genüsslich im "Papst-Hoch", das der tragenden Rolle von Franziskus zu danken ist. Die Protestanten kommen zwar nicht unbedingt schlecht weg im Sinne eines negativen Image – sie glänzen stattdessen durch Abwesenheit: Wie die Studie zeigt, spielen evangelische Kirchenvertreter in deutsche Medien keine Rolle und sind daher dem Publikum unbekannt. Die Präsenz der katholischen Oberen liegt zehnmal höher als die der protestantischen Spitze.

Die Studie aus Rapperswil stützt sich auf fast 266.000 Berichte über religiöse Akteure innerhalb eines Jahres aus 19 deutschen TV-, Radio- und Printmedien. Aber auch der Blick über den Tellerrand ergibt, was den Islam angeht, ein prekäres Bild und bestätigt das Vorherrschen von Stereotypen: Werden Muslime oder der Islam dargestellt, so mit einem Rekordanteil von 80 Prozent negativer Berichterstattung bei den internationalen Meinungsführern. Außerdem, so die nüchterne Bilanz von Media Tenor, nehme die Dialogbereitschaft zwischen den Kulturen bereits Schaden, dies vor allem infolge der verschärften Berichterstattung über Migranten.

Für die letztgenannte Studie analysierte das Institut rund 500.000 Berichte über die genannten Akteure aus 20 internationalen TV-Reports, davon 8.359 über muslimische Protagonisten. Zeitraum der Untersuchung war praktisch das ganze Jahr 2014. "Wie das Image des Islam sich aus diesem absoluten Tiefstand erholen soll und in welchem Zeitraum das möglich ist, muss alle Kräfte der Integration mit größter Sorge erfüllen", so Kolmer zum Resultat der aktuellen Analysen.

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