Mensch-Tier-Embryonen zur Forschung

In Großbritannien wird nach einer öffentlichen Anhörung vermutlich erstmals die Herstellung von klonierten Embryonen aus tierischen Eizellen und menschlichen Körperzellen zur Gewinnung von Stammzellen genehmigt werden

Die britische Regierung hatte bereits im Mai dieses Jahres beschlossen, die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen zu ermöglichen und einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt. Die öffentliche Anhörung ist jetzt abgeschlossen, die Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) hat nun deren Ergebnis vorgelegt. Danach haben über 60 Prozent der Menschen keine Probleme mit der Schaffung von hybriden Embryos aus menschlichen und tierischen Zellen für die Forschung, nur ein Viertel wendet sich dagegen.

Schon im Jahr 2006 hatten zwei Forschergruppen vom King's College London und der Newcastle University den Antrag eingereicht, Mensch-Tier-Embryonen durch Klonen herstellen zu dürfen, um daraus für die Forschung embryonale Stammzellen zu gewinnen, die dem Patienten, von dem die Zellkerne stammen, implantiert werden könnten. Zudem ließe sich damit effizientere Methoden erforschen, wie man aus Körperzellen pluripotente embryonale Stammzellen gewinnen kann. Nach Ansicht der Wissenschaftler sind dafür nicht genügend menschliche Eizellen vorhanden, zudem würden die ethischen Bedenken bei der Forschung an Mensch-Tier-Embryonen nicht so groß sein. In Großbritannien wurden die Forschung mit embryonalen Stammzellen und das therapeutische Klonen bereits erleichtert, bislang aber ist die Herstellung von Mensch-Tier-Chimären jedoch verboten gewesen.

Die Wissenschaftler, darunter Professor Ian Wilmuth, dessen Gruppe mit Dolly das erste Schaf geklont hat, wollen mit aus den Mensch-Tier-Embryonen gewonnenen Stammzellen neurodegenerative Krankheiten behandeln. Dabei sollen tierische Eizellen entkernt und der Zellkern menschlicher Zellen eingefügt werden. Dabei wären allerdings 99,9 Prozent der Gene des Embryos menschlichen Ursprungs, nur die Gene der Mitochondrien stammten von der tierischen Eizelle. Nach 14 Tagen, so die HFEA, würde der gesamte Embryo, was Proteine und RNA anbelangt, menschlich sein, nur 13 Proteine würden von den tierischen Mitochondrien kodiert. Bislang haben nur zwei Wissenschaftlerteams aus China und aus den USA solche Embryos mit Kaninchen- bzw. Kuhzellen hergestellt.

Der Gesetzesentwurf, der noch durch das Parlament gehen muss, nachdem die HFEA vermutlich nach der Anhörung die Schaffung von Embryos aus entkernten tierischen Eizellen und Zellkernen von menschlichen Zellen genehmigen wird, geht allerdings noch weiter (Britische Regierung will die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen erlauben). Zudem würden die Herstellung von transgenen Embryos und die von Mensch-Tier-Chimären erlaubt, die durch das Einfügen von tierischen Zellen in menschliche Embryos entstehen. Die so geschaffenen Embryos dürfen nicht länger als zwei Wochen in einem Laboratorium heranwachsen nicht in den Uterus einer Frau eingepflanzt werden. Verboten bleibt die Erzeugung von Hybriden durch die Vermischung von tierischen und menschlichen Gameten. Die Herstellung von tierischen Chimären, das Einfügen von menschlichen Zellen in tierische Embryos, wird durch andere Vorschriften reguliert.

In Ländern wie China, Japan oder Südkorea dürfen zu therapeutischen Zwecken Embryos geklont werden und ist die Herstellung von Tier-Mensch.Embryonen nicht ausdrücklich verboten. Nur in drei Ländern gibt es bislang eine ausdrückliche Regelung für hybride Embryonen und Chimären. Australien erlaubt das therapeutische Klonen von Embryonen zur Forschung, verbietet aber die Schaffung von hybriden Embryos. In Kanada ist dies ebenso verboten, in den USA liegt ein Gesetzesentwurf vor, der die Herstellung von Chimären und hybriden Embryos weitgehend verbieten würde.

Im Zuge der Anhörungen und Umfragen habe sich herausgestellt, so berichtet die HFEA, dass viele Menschen ganz allgemein Einwände gegen die Forschung mit menschlichen Embryonen haben. Auf der öffentlichen Anhörung habe sich die Mehrheit dagegen ausgesprochen, menschliche Eizellen durch tierische zu ersetzen. Die Ablehnung sei aber im Zuge der Diskussion leicht gesunken. Da den meisten Menschen die Möglichkeit der Herstellung von Tier-Mensch-Embryonen neu sei, hätten viele zunächst mit Abscheu darauf reagiert. Die Meisten hätten jedoch nach ausführlicher Information erklärt, dass sie damit leben könnten, wenn es denn wirklich der Forschung über die Therapie von Krankheiten dient. Abgelehnt wird jedoch die Herstellung von Chimären, transgenen Embryos und wirklich hybriden Embryos.

Bei der Umfrage und den schriftlichen Einreichungen wäre die Zustimmung aber größer gewesen. In der repräsentativen Umfrage haben 48 Prozent die Schaffung von Mensch-Tier-Embryonen zur Forschung abgelehnt und 34 Prozent dieser zugestimmt. Bei denjenigen, die angaben, gut über hybride Embryos informiert zu sein, sank die Zahl der Ablehnenden auf 43 Prozent und stieg die Zahl der Befürworter auf 43 Prozent an. Wenn man zur Frage hinzufügt, dass die Embryos der medizinischen Forschung dienen, befürworteten 61 Prozent aller Befragten deren Herstellung. Die Autoren betonen daher, wie wichtig es sei, die Öffentlichkeit zu informieren und ein realistisches Bild von den möglichen Vorteilen aufzuzeigen.

Anzunehmen ist, dass die HFEA mit dem Ergebnis der Anhörung die Anträge der Wissenschaftler genehmigen wird, wodurch erstmals in Europa aus Mensch-Tier-Embryonen Stammzellen für die Forschung gewonnen werden können. Damit könnte dann auch der weiter gehende Gesetzesentwurf seine Bahn nehmen. Das von der EU 2005 gestartete Forschungsprojekt Chimbrids über die Aussichten und Probleme bei der Herstellung von Mensch-Tier-Chimären und –Hybriden wird Ende des Jahres den Abschlussbericht vorlegen, in dem auch die Rechtsfragen behandelt werden (Mäuse mit menschlichen Gehirnzellen). (Florian Rötzer)

Anzeige