Menschenfeinde als Tierschützer

Die ideologischen Fallen des "Antispeziesismus"

Der Zerfall der Linken, von dem man schon geglaubt hatte, dass er gar nicht weiter fortschreiten könne, scheint noch nicht an seinem Ende angelangt und brütet immer weitere Abstrusitäten aus. Neuerdings machen wieder besonders radikale Tierschützer auf sich aufmerksam.

"Aktionstraining: Klettern", "Erste Hilfe für Tiere", "Schablonendruck-Workshop" - die Aktiven wollen es praktisch angehen auf dem 1. AntiSpe-Kongress, der vom 7. bis zum 10. August 2008 in Hannover stattfinden soll. "AntiSpe", das ist nicht der Schlachtruf einer gegen die Hoffnung schlechthin gerichteten Bewegung, aber trotzdem kann man alle Hoffnung fahren lassen, wenn das Stichwort fällt.

"AntiSpe" ist die Abkürzung von "Antispeziesismus", ein Neologismus, so hässlich und verworren, wie die Ideologie, die hinter ihm steht. Er soll seinem Erfinder Richard Ryder 1970 in der Badewanne eingefallen sein. Auch Archimedes hatte angeblich großartige Ideen in der Badewanne, aber leider ist Richard Ryder nicht Archimedes, sondern ein Dampfplauderer mit Hang zu Wortspielen (ja, auch der Begriff "painism" stammt von ihm).

"Speziesismus" meint, dass die Unterscheidung zwischen Menschen und Tieren dieselbe negative moralische Qualität habe wie der Rassismus und der Sexismus. Das ist schon alles. 1975 kochte Peter Singer mit diesen mageren Zutaten ein Buch namens "Animal Liberation" zusammen, das bezeichnenderweise oft die "Bibel" der Antispeziesistinnen genannt wird. Denn mit einer Religion haben wir es hier allemal zu tun: Unbelegbare Behauptungen, je widersinniger, desto besser, werden einer rigiden Moral zugrunde gelegt, deren offensichtliche Widersinnigkeit nur durch Geschrei und durch Aktionismus um jeden Preis vertuscht werden kann.

Den eher weltlich orientierten Tierrechtlern ist es dabei peinlich, dass sich die Sekte Universelles Leben ihr Thema angeeignet hat, wie sehr sie selbst aber in den Strategien und Mustern sektenartiger Religiosität verfangen sind, sehen sie nicht. Da sie von Speziesisten umgeben sind, die sehr wohl zwischen Menschen und Tieren unterscheiden können, sind sie ständig bemüht, ihre Umgebung von ihrem Credo zu überzeugen. Dieses Sendungsbewusstsein drückt sich vor allem in Aktionen aus, die vom halbwegs Nachvollziehbaren (dem Protest gegen Brutalitäten bei der Pelztierzucht und der Nutztierhaltung) bis zum schwer Gestörten reichen - man denke nur an die Ideen von "veganer Katzenernährung" und ähnliche Tierquälereien.

Die Hauptthese der Ununterscheidbarkeit von Tieren und Menschen muss immer wieder variiert werden, so zum Beispiel durch Slogans wie "Fleisch ist Mord, Milch ist Raubmord" und, besonders bescheuert, "Sie sind Jemand, nicht Etwas". Jede dieser Varianten muss man dem noch schuldhaft in die Tierunterdrückung verstrickten Publikum immer wieder präsentieren - im Internet, auf Plakatwänden und an jedem Laternenmast, an dem sich ein Aufkleber anbringen lässt. Man ist sich natürlich nicht für diverse Holocaust-Vergleiche zu schade, recht häufig veredelt mit einem Zitat von Adorno, der aus dem Fluchen gar nicht mehr herauskäme, wüsste er, wozu seine Empfindsamkeitsbekundung gegenüber Tieren missbraucht wird.

Die amerikanischern Brüder und Schwestern der AntiSpezler, organisiert in der PETA brachten es tatsächlich fertig, einen antisemitischen Sprengstoffanschlag nicht wegen der menschlichen Opfer zu kritisieren, sondern weil die Attentäter einen Esel als Sprengstoffkurier benutzt hatten.

Dieses Beispiel macht auch sehr schön den menschenfeindlichen Grundzug deutlich, der diese Sorte von Tierschutz unterfüttert. Zum wahren Eiferertum gehört neben der Menschen- aber auch noch die Genussfeindlichkeit. Die drückt sich bei den AntiSpezlern in fanatischem veganem Kochen aus, und das Ergebnis wird unterschiedslos als "lecker Essen" bezeichnet, damit auch jedem gleich klar ist, dass der Fraß nichts taugt. AntiSpe-Bewegte stellen sich so insgesamt als Flagellanten dar, die nicht nur sich selbst geißeln, sondern auch gerne einmal austeilen, vorausgesetzt, die Schläge treffen keine heiligen Kühe und die Peitschen sind garantiert veganen Ursprungs.

Begriffsstutzigkeit, ideologische Verbohrtheit, Selbst- und Fremdquälerei - was steckt noch hinter der Neurose, die sich "Antispeziesismus" nennt? Das Begehren, nicht schuld gewesen zu sein. Unfähig, die Tatsache zu ertragen, dass gesellschaftlich geordnetes menschliches Leben die Umwelt und insbesondere die Tiere immer belasten wird, gehen die Antispeziesisten ans große, nie zu vollendende Werk der Selbstreinigung, und wer nicht die gleiche drückende Schuld wie sie empfindet, gehört schon zu den Bösen.

Dass die sinnlose Vernutzung von tierischem Leben mit unserer speziellen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu tun haben könnte, geht ihnen ebenso wenig ein wie die Idee, dass es sehr wohl eine sinnvolle Nutzung von Tieren gibt, auch wenn sie dazu getötet werden müssen. Dass Menschen gegenüber Tieren Pflichten haben, weil Tiere fühlende Wesen sind, dass Tiere aber umgekehrt im eigentlichen Sinn keine Rechte haben können, weil ihnen dazu der Subjektcharakter fehlt, diese grundsätzliche Asymmetrie im Verhältnis zwischen Mensch und Tier ist den Antispeziesisten nicht fasslich, weil sie zwar eine Menge pseudophilosophischer Debatten zum Thema führen, aber von ihrer einen Grundannahme nicht lassen wollen: Menschen und Tiere sind gleich, und der Wert menschlichen und tierischen Lebens ist daher gleich. Die bedingungslose Solidarität mit dem Tier, dem superedlen Wilden, soll sie von der Schuld befreien, Menschen zu sein. Dass das nur um den Preis des Überschnappens geht, scheint ihnen egal zu sein. (Marcus Hammerschmitt)

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