Merkel, Putin und Poroschenko beim Finale

Kann die Fußballweltmeisterschaft vielleicht den blutigen Konflikt in der Ukraine entschärfen?

Während in der Ostukraine die Menschen sterben und es zu einer finalen Schlacht um Donezk und Lugansk zu kommen scheint, könnte der Fußball möglicherweise zu Annäherungen führen. Zum Finale heute in Rio de Janeiro werden die Bundeskanzlerin Merkel und der Bundespräsident Gauck reisen, aber offenbar auch der russische Präsident Putin und der ukrainische Präsident Poroschenko.

Zweifellos wird man die Gelegenheit nutzen, miteinander zu sprechen. Das wäre auch dringend notwendig, weil sich an der ukrainisch-russischen Grenze durchaus ein militärischer Konflikt zwischen Russland und der Ukraine entwickeln könnte. Zwar hat Moskau auch gegenüber den Separatisten klar gemacht, nicht in die Ukraine militärisch zu intervenieren, auch nicht zum Schutz der Separatisten. Aber nachdem auf russische Grenzwächter aus der Ukraine geschossen wurde und diese das Feuer erwidert hatten, steigt die Spannung. Gut möglich, dass die Separatisten versuchen, auf diese Weise Russland in den Konflikt hineinzuziehen, dasselbe ließe sich aber von nationalistischen Kräften in der Ukraine sagen, die beispielsweise in den Milizen kräftig vertreten sind. Die ukrainische Regierung wiederum wirft Russland vor, dass Kampfhubschrauber die Grenze überflogen hätten.

Putin ist gerade unterwegs in Lateinamerika, um Verbündete im Vorhof der USA zu suchen und bestehende Verbindungen zu stärken. Kuba werden Milliarden an Altschulden erlassen, was die Beziehungen mit dem Land deutlich verbessern wird. Wie die USA und die EU sich etwa über die Ukraine näher an Russland schieben wollen, praktiziert Russland jetzt auch in Amerika, was der US-Regierung nicht gefallen dürfte.

Der deutsche Gegner Argentinien ist auch deswegen interessant, weil das Land wegen US-Hedgefonds eine Staatspleite erleiden könnte. Putin schloss ein Atomenergieabkommen mit dem Land ab. Argentinien will die Beziehungen mit Russland ausbauen. Präsidentin Cristina Fernández führte Putin auch mit den Präsidenten von Venezuela, Bolivien und Uruguay zusammen, eine Anti-USA-Achse. Und in Fortaleza findet am Dienstag der BRICS-Gipfel statt, wo Putin sicher die Beziehungen mit China, Indien, Brasilien und Südafrika gegen die USA stärken will. Das zeigt jedenfalls - und soll es auch -, dass Russland nicht so isoliert ist, wie die USA und EU es gerne darstellen.

Während die US-Regierung den Konflikt mit Russland über die Ukraine eher zuspitzt, haben europäische Regierungen, allen voran Frankreich und Deutschland, versucht, auch Druck auf Kiew auszüben, um den Krieg in den Ostukraine über Verhandlungen zu einer Lösung zu bringen. Sollte es zu Gesprächen zwischen Merkel, Putin und Poroschenko in Brasilien anlässlich der Fußballweltmeisterschaft kommen, wäre womöglich ein Schritt zu einer politischen Lösung denkbar. Poroschenko dürfte auch klar sein, dass eine militärische "Lösung" noch mehr Hass produziert. Ein Sieg über die Separatisten würde noch lange keinen Frieden bedeuten, der offene Widerstand würde in den Untergrund gehen. (Florian Rötzer)

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