Merkels Lobbyist will Fracking

Die Energie- und Klimawochenschau: Von neuen Ökostromrekorden, schlampiger Gesetzgebung, neuartigen Biogasanlagen und US-amerikanischen Selbstversorgungs-Illusionen

Gute Nachrichten für Japans Anti-AKW-Bewegung, schlechte für AKW-Besitzer TEPCO. Eigentlich hatte der Fukushima-Betreiber noch in diesem Monat zwei Reaktoren im AKW Kashiwazaki-Kariwa wieder hochfahren wollen, um seine Bilanzen ein bisschen aufzubessern. Doch daraus wird nichts, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Verschiedene anonyme Quellen hätten gemeint, dass das Kraftwerk in diesem Jahr vermutlich nicht mehr hochgefahren werden kann.

Ein Grund dafür könnten Klagen gegen die Wiederinbetriebnahme sein. In mindestens 16 Fällen landesweit gehen in Japan derzeit Bürger und Umweltverbände mit juristischen Mitteln gegen das Wiederanfahren stillstehender Reaktoren vor, darunter auch gegen TEPCOs Pläne für Kashiwazaki-Kariwa. Viele der Kläger hoffen, von einem kürzlich ergangenen Urteil profitieren zu können, wie die Zeitung Mainichi Daily berichtet. Ende Mai hatte ein Bezirksgericht in der Präfektur Fukui an der Westküste der Insel Honshu entschieden, dass die Reaktoren 3 und 4 des Kraftwerks Oi nicht wieder ans Netz gehen dürfen.

Das Gericht stellte demnach klar, dass Atomkraftwerke "lediglich ein Instrument zur Produktion von Elektrizität und daher den elementaren Recht der Menschen [auf Leben] untergeordnet" sei. Daher sei es "natürlich, die AKW außer Betrieb zu nehmen, wenn sie ein bestimmtes Risiko darstellen". Einem solchen Risiko seien Menschen in einem 250 Kilometer Umkreis um die Anlage ausgesetzt. Für Japans AKW-Gegner war das seit 2006 der erste Sieg vor Gericht.

Während in Japan nur zwei von 48 noch halbwegs funktionstüchtigen Reaktoren laufen, und das Land nun schon seit drei Jahren zeigt, dass es auch ganz gut ohne AKW klar kommt, laufen hierzulande bekanntlich noch neun AKW, und zwar meist, wenn sie nicht wegen Revision oder technischer Pannen stillstehen, rund um die Uhr und mit voller oder fast voller Leistung. Das führt zusammen mit dem ebenfalls unflexiblen Betrieb der Braunkohlekraftwerke oft zu einem Strom-Überangebot auf dem deutschen Markt, sodass dieser im großen Maßstab exportiert wird.

Nach den Daten, die Bruno Burger am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme zusammengetragen hat, wurden im ersten Halbjahr 2014 netto 18,3 Tera Wattstunden (TWh) ausgeführt. Das waren knapp sieben Prozent der Nettostromerzeugung. Eine TWh entspricht einer Milliarde Kilowattstunden.

Mit den neuesten Exportzahlen wird der Wert der ersten sechs Monate des Rekordjahres 2013 noch einmal um rund vier TWh übertroffen. " Wenn dieser Trend bis zum Jahresende anhält", so Berger, "werden wir 2014 nach den Rekorden von 2012 und 2013 einen dritten Rekord in Folge beim Stromexport erzielen. Der Großteil der Exporte fließt in die Niederlande, gefolgt von Österreich, der Schweiz und Polen."

Bergers Daten ergeben zugleich auch einen neuen Rekord in der Produktion von Strom mit erneuerbaren Energieträgern. Rund 31 Prozent der Stromerzeugung (81 TWh) gingen auf das Konto von Wasser- und Windkraftwerken sowie von Solar- und Biogasanlagen. Insbesondere Sonne und Wind konnten ihre Produktion steigern, und zwar um 28 bzw. 19 Prozent. Ursache waren vor allem besonders günstige Wetterbedingungen. Auch die Biogasanlagen legten zu, während die Produktion der anderen Kraftwerksarten (Wasser, Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Atom) teils leicht, teils erheblich zurückging. Besonders der Anteil der Gaskraftwerke schrumpfte deutlich.

Dabei hätten gerade letztere wegen ihrer hohen Flexibilität das Potenzial, sozusagen den Lückenbüßer für die nicht stetig anfallende Sonnen- und Windenergie zu spielen. Am besten wäre es natürlich, wenn dafür nicht Erdgas, sondern sogenanntes Biomethan eingesetzt würde. Als solche wird das in den Biogasanlagen erzeugt Gas genannt, wenn dieses gereinigt und komprimiert ins Erdgasnetz eingespeist wird. Die Verunreinigungen im Gas bestehen größtenteils aus Kohlendioxid, das neben Methan ebenfalls in den Biogasanlagen entsteht. Je nach verwendetem Substrat kann sein Anteil am Rohgas zwischen knapp 30 und 50 Prozent liegen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass den zersetzenden Bakterien im Normalfall nicht genug Wasserstoff (H) zur Methanbildung (CH

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