Microraptor gui

Dinosaurier mit vier Flügeln

Zu der Frage, wie das Fliegen entstanden sei, gibt es seit rund hundert Jahren zwei verschiedene Theorien.

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Bilder: Nature/ Xing Xu

Die eine könnte man als Baum-, die andere als Bodentheorie bezeichnen. Lebten die Vorläufer bzw. Vorflieger der Vögel auf Bäumen oder auf dem Boden? Wer würde nicht intuitiv raten, dass die kleinen Dinosaurier, aus denen sich die Vögel entwickelten, früher wie Eichhörnchen von Baum zu Baum hüpften, ein wenig glitten, ein wenig schwebten? Denn vom Baum ist es ja in den Himmel nicht mehr ganz so weit wie vom Boden aus und eine gewisse Flughöhe ist auch schon da. Dennoch galt bisher der Archaeopteryx, der zwar noch ziemlich stümperhaft auf dem Boden herumflatterte aber immerhin schon ganz gute aerodynamische Anlagen hatte, als direkter Vorfahr der Vögel.

Ein in der gestern erschienenen Nature eingereichtes und als sensationell gepriesenes Paper (Four-winged dinosaurs from China) spricht jedoch eher für die Baumtheorie. Die Gruppe um Xing Xu vom Pekinger Institut für Paläontologie konnte anhand mehrerer 124 bis 128 Millionen Jahre alter in der in der nordostchinesischen Provinz Laioning gefundenen Fossilien einen vierflügeligen Dinosaurier rekonstruieren, der, wenn man ihn ansieht, etwas von einer Fledermaus und einem Eichhörnchen hat, aber auch ein Vogel sein könnte, dessen Eltern in der Nähe von Montgomery Burns Atomkraftwerk genistet haben. In unseren Augen also ein etwas unheimlicher (fleischfressender) Geselle, der, übrigens voll gefiedert, knapp einen Meter lang war. Der so genannnte Microraptor gui sei, so die Forscher, eine neue Gattung des etwa taubengroßen, zweibeinigen Microraptor zhaoianus und belebe die Theorie, dass die direkten Vorfahren der Vögel nicht mit kräftigen Hinterbeinen auf dem Boden, sondern in den Bäumen und dort im Gleitflug unterwegs waren.

(Michaela Simon)

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