Militärischer Zwischenfall zwischen Venezuela und USA

Screenshot von Video der venezolanischen Luftwaffe

Suchoi-Kampfflieger drängt US-Spionageflugzeug ab. Vorwürfe von beiden Seiten

Venezuela und die USA machen sich nach einem militärischen Zwischenfall über karibischen Gewässern gegenseitig Vorwürfe, internationales Recht verletzt zu haben. Die venezolanische Luftabwehr (CODAI) hatte am Freitag ein Spionageflugzeug der US-Luftwaffe abgefangen und abgedrängt. Venezuela gibt an, das Flugzeug habe nationalen Luftraum verletzt; die US-Regierung besteht darauf, dass sich die Crew in internationalem Luftraum befunden hat.

Das Verteidigungssystem der CODAI habe das Spionageflugzeug des Typs Lockheed EP-3E ausgemacht und abgefangen, weil sein Einsatz internationale Luftverkehrsabkommen verletzt habe, so das Kommando für Strategische Operationen (CEOFANB) der venezolanischen Armee über Twitter. Die Militärs des südamerikanischen Landes sprachen von einer Provokation. Verteidigungsminister Vladimir Padrino López sagte, das Flugzeug mit der Vollbezeichnung EP-3E ARIES II sei umgehend aus venezolanischem Luftraum abgedrängt worden.

"Solche Dinge passieren fast jeden Tag in unseren Gewässern, in unserem Luftraum, an unseren Grenzen. Ich denke, es ist gut für die Leute zu wissen, was unsere Armee macht. Jede Handlung, jede Verteidigung der Souveränität durch die Streitkräfte müssen wir dem venezolanischen Volk mitteilen, das uns diese Waffen gegeben hat, um unsere Unabhängigkeit zu behaupten", sagte Padrino López.

Die Lockheed verfügt über modernste Ausrüstungen, um Kommunikation abzuhören und zu stören. Angesichts des Zwischenfalls bekräftigte die venezolanische Armee ihre Entschlossenheit, einer möglichen ausländischen Militärintervention entgegenzutreten.

"Gegenüber der US-Regierung, die uns Tag für Tag brüskiert, sagen wir: Wir haben uns für immer dafür entschieden, frei, unabhängig und souverän zu sein; unser großer Kampf gilt dem Frieden und dem Wohlergehen unseres Volkes", heißt es in landestypischen Duktus im Twitter-Account der CEOFANB, wo ein Video des Zwischenfalls veröffentlicht wurde.

Die CODAI gibt an, das US-Flugzeug sei regelwidrig in den Großraum des internationalen Flughafens Maiquetía im Bundesstaat La Guaira eingedrungen. Es habe somit "die Sicherheit der Verkehrsflugzeuge in dem Gebiet gefährdet".

Die letzte Verletzung des venezolanischen Territoriums wurde im vergangenen Mai registriert, als ein US-Schiff aus den Hoheitsgewässern abgedrängt wurde. Es durchfuhr damals das Gebiet um den Hafen von La Guaira, einen Tag nachdem es eine exklusive venezolanische Wirtschaftszone durchkreuzt hatte.

Nach US-Angaben war ein venezolanisches Kampflugzeug der EP-3E gefährlich nahe gekommen. Dadurch seien die Maschine und deren Besatzung in Gefahr gebracht worden. Das "aggressive" Manöver habe über internationalem Luftraum stattgefunden. Der Einsatz des Spionageflugzeugs im Zuge eines internationalen Manövers sei genehmigt gewesen.

Der Zwischenfall belege zugleich Russlands Unterstützung des "rechtswidrigen Regimes" von Präsident Nicolás Maduro, hieß es auf Twitter weiter. Bei der venezolanischen Maschine handelte es sich demnach um ein Kampfflugzeug russischer Bauart vom Typ Su-30 mit dem Nato-Code Flanker-C.

Das US-Militär veröffentlichte Fotos und Videos von dem Zwischenfall. Keine der beiden Seiten veröffentlichte jedoch bislang genaue Angaben zum Ort des Zwischenfalls.