Milliarden Subventionen für Klimakiller

Milliarden für die Luftfahrt

Es geht allerdings auch immer noch ein bisschen schlimmer mit dem Unterlaufen des Klimaschutzes. Der Lufthansa-Deal ist inzwischen unter Dach und Fach.

Noch vor dem Auto ist die Luftfahrt, die klimaschädlichste Art der Fortbewegung - wenn man einmal von der Raumfahrt absieht. Wir hatten letzte Woche bereits über die neun Milliarden Euro berichtet, die die Lufthansa AG gegen minimalste Gegenleistungen bekommt, und die schon bald den Wert des zum Schnäppchenpreis erworbenen Aktienpakets eines der reichsten Männer Deutschlands in die Höhe treiben dürften.

Ein anderes Milliardengrab ist der Hauptstadtflughafen BER, der schon vor seiner Veröffentlichung ein imposanter Sanierungsfall zu sein scheint. Das legt zumindest eine Recherche des öffentlich-rechtlichen Senders RBB nahe - eine jener journalistischen Einrichtungen, die der deutschen Rechten und Ultrarechten seit jeher ein Dorn im Auge ist.

Demnächst soll der BER ja nun doch in Betrieb gehen - gut acht Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin. Eigentlich war er 2012 schon so gut wie fertig. 2,4 Milliarden waren verbaut. Dann hieß es zurück auf null. Die Anlage war nicht sicher. Der Brandschutz wurde nicht vom TÜV angenommen. Weitere gut drei Milliarden Euro kostete der Spaß seitdem.

Die Betreiber GmbH, Gesellschafter sind der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg, wird also mit einer gewaltigen Schuldenlast den Betrieb aufnehmen. Schon ohne Corona wäre das ohne baldige Insolvenz kaum möglich.

Doch wenn es nun mehrere Jahre dauern sollte, bis der Luftverkehr wieder seinen Vor-Krisen-Umfang annimmt, dann wird der Kapitalbedarf erst recht akut. Mindestens 1,75 Milliarden Euro, so die zitierten Gutachter, müssten bis 2023 in das Zuschussgeschäft gesteckt werden.

Rücksichtslos

Elektroautobauer Elon Musk hält offensichtlich nicht viel von Pandemie-Bekämpfung. Er lässt in seinem Hauptwerk im US-Bundesstaat Kalifornien die Arbeit wieder aufnehmen und widersetzt sich damit den Anweisungen der Behörden. Dies berichtete das Handelsblatt schon vorletzte Woche, ist aber immer noch bemerkenswert.

Auch in den USA ist Covid 19 - wie sich hierzulande an den Zuständen in der Spargelernte, den Schlachthöfen und den Flüchtlingsunterkünften, aber auch in den Krankenhäusern zeigt, in denen sich Pflegekräfte reihenweise wegen fehlender oder mangelhafter Schutzkleidung angesteckt haben - eine Klassenfrage.

Je ärmer jemand ist, je schlechter die Lebensbedingungen, in denen er zu leben gezwungen ist, je prekärer das Beschäftigungsverhältnis, desto höher das Risiko an Covid 19 zu erkranken und zu sterben. Jenseits des Atlantiks drückt sich das unter anderem darin aus, dass schwarze US-Amerikaner ein erheblich erhöhtes Risiko haben, an dem Pandemie-Virus zu sterben.

In einem solchen Umfeld zeugt es, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade von besonderem Verantwortungsgefühl gegenüber den Beschäftigten, diese durch die Wiederaufnahme der Produktion zur Arbeit zu zwingen. Das lässt nichts Gutes für das am Rand von Berlin geplante Tesla-Werk für elektrisch betriebene Stadtpanzer erwarten.

Über den Tropensturm "Amphan" hatten wir letzte Woche kurz berichtet, auch über den Spendenaufruf des UN-Flüchtlingswerks in diesem Zusammenhang. Das katholische Hilfswerk Miserior berichtet, dass in den verheerten Küstenregionen Indiens und Bangladeschs vor allem Kleinbauern und Fischer betroffen sind und oft ihre Existenzgrundlage verloren haben. Man stehe mit einer Partnerorganisation in Bangladesch in Kontakt und habe bereits 20.000 Euro zur Unterstützung überwiesen.

Klima-Uni im Internet

Und was macht Fridays For Future so? Zum einen gibt es jeden Freitag weiter sowohl hierzulande als auch in vielen anderen Ländern im Internet wie auch hier und da, wo die Corona-Einschränkungen es erlauben, kleine und größere Aktionen.

Zum anderen laufen im Internet allerlei Bildungsveranstaltungen. Anfang der Woche haben zum Beispiel deutschsprachige Studentengruppen eine "Public Climate School" (Live Stream auf Youtube hier) gestartet, in der es am Dienstag unter anderem um "Soziale Implikationen und Folgen der Klimakrise", um "Ozonloch und Klimawandel" und um "Nachhaltige Strategie der Land- und Forstwirtschaft" ging.

Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hielt am Nachmittag einen Vortrag mit dem Titel: "Nach Corona: Energiewende mit 100 Prozent erneuerbare Energien schafft Resilienz, Wohlstand und stärkt Demokratie" und am Dienstagabend wird in Zusammenarbeit mit dem Science Slam ein Climate Science Slam geboten. (Wolfgang Pomrehn)