Minidrohnen: Ideale Waffen für Anschläge und Morde

Während die Militärs immer kleinere und billigere Kampf- und Kamikazedrohnen entwickeln lassen, versuchen auch islamistische Terroristen, ferngesteuerte Waffen und Fahrzeuge zu basteln

Das Pentagon hat von AeroVironment Minidrohnen des Typs Switchblade gekauft, die als eine Art Kamikaze- oder Selbstmordattentäterersatz dienen. Ausgerüstet mit Sprengladungen sollen sie zielgenau zusammen mit der kinetischen Wucht einen Gegner vernichten. Die Drohnen, eine Art Flugzeug-Präzisionsbomben, sind so klein und leicht, dass sie mit Abschussvorrichtung im Rucksack mitgeführt werden können. Und weil wie mit einem Elektromotor angetrieben werden, sind sie auch so leise, dass ein Überraschungsangriff "aus heiterem Himmel" gut möglich ist. Sie ist also auch eine ideale Waffe für Anschläge und Morde (Vorsicht, die Kamikaze-Mikrodrohnen kommen).

Aus einem Propagandavideo der irakischen Terrorgruppe Ansar al-Islam

Eine andere Minidrohne, für die sich die US-Army interessiert - wohl nicht nur, weil das Drohnenprogramm sich bislang als erfolgreich erweisen hat, sondern weil im Pentagon nach den vielen Jahren des Lebens im Überfluss nun auch heftig gespart werden muss -, ist die 2010 von MBDA vorgestellte Drohne Tactical Grenade Extended Range ("TiGER"). Auch sie ist wiederum eine so genannte "loitering weapon". Die Drohne hat aufblasbare Flügel, ist mit einem Elektromotor ausgestattet, kann bis zu 3 Km weit fliegen, über dem Ziel einige Minuten kreisen und dann angreifen. Die Mikrodrohne führt zwei 40mm-Granaten mit einem Gewicht von einem Kilogramm mit sich, so dass die nicht nur Menschen töten, sondern auch leichte Fahrzeuge zerstören kann.

Entwickelt wurde TiGER für das Programm Lethal Miniature Aerial Munition System (LMAMS), das vom Special Operations Command ins Leben gerufen wurde. Gewünscht wird ein fliegendes Waffensystem, das von einem Soldaten getragen werden kann und ohne direkte Sicht präzise ferngesteuert werden kann. Und die Darpa hat ein so genanntes Crowdsourcing-Projekt namens UAV Forge ins Leben gerufen, um in einer Billiglösung auch die Bastler an der Entwicklung von bewaffneten Minidrohnen zu beteiligen. Ausdrücklich erlaubt ist es Bewerbern, vorhandene Technik zu verwenden, um neue Drohnen zu bauen. Die Do-it-Yourself-Drohnen wären billig, einfach zu bedienen und tödlich, so dass durch solche "Förderung" über die vorhandenen und käuflichen Modelflugzeuge hinaus direkt der Weg eröffnet wird, dass solche Drohnen auch in die Hände derjenigen geraten, die das Pentagon oder andere Militärs/Geheimdienste damit bekämpfen wollen.

Eine Vorläuferdrohne ist die israelische Harop mit einer Länge von 2,5m und einer Flügelbreite von 3m. Sie soll mit einer Sprengstoffladung von 23kg ausgestattet und ebenfalls als Kamikazedrohne eingesetzt werden können. Gestartet wird sie von tragbaren Abschusssystemen, die Reichweite soll 1000 km und die Flugdauer 6 Stunden betragen. Harop wurde schon an verschiedene Länder verkauft, so auch an die Bundeswehr. Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat die Aufklärungsdrohne KZO mit der Kampfdrohne Harop kombiniert. Unter dem Titel Wabep (Wirkmittel zur Abstandsfähigen Bekämpfung von Einzel- und Punktzielen) soll KZO zunächst die Aufklärung gewährleisten und "gepanzerte und ungepanzerte Ziele" identifizieren, die dann mit der Kampfdrohne "hochpräzise" vernichtet werden können. Die Mini- und Mikrodrohnen sollen nicht nur von kleinen Verbänden oder auch von Einzelnen vor Ort schnell eingesetzt werden können, sondern ihr Vorteil gegenüber Präzisionsraketen ist, dass ihr Einsatz auch noch kurz vor dem Aufprall gestoppt werden kann.

Passend zu den Anstrengungen der Militärs und Rüstungsfirmen arbeiten auch bereits Aufständische oder Terroristen an der Entwicklung eigener Waffen, darunter auch fernsteuerbarer Waffensysteme. So preist die irakische Ansar al-Islam in einem Video, das Anfang Oktober über das Internet verbreitet wurde, ihre angeblichen Erfolge beim Aufholen der Entwicklung moderner Waffensysteme. Vorgestellt werden die "Werkstätten", die an die Garagen der frühen Computerbastler erinnern, in denen Boden-Luft-Raketen, Schalldämpfer oder eben auch fernbedienbare Maschinengewehre gebastelt wurden. Gezeigt werden Mitarbeiter, die eifrig an Platinen herumwerkeln.

Als Highlight dürfte vermutlich ein Auto fungieren, das im Video ohne Fahrer durch die Wüste fährt und von dem jedenfalls der Eindruck erweckt wird, als würde es fernsteuerbar sein. "Dieser Technikbereich ist eine Wissenschaft, die vom Westen entwickelt wurde und in der er überlegen ist", so heißt es im Propagandavideo. "Aber es dämmert am Horizont ein neues Zeitalter und die Mudschaheddin sind nun wirkliche Wettbewerber in diesem Bereich." Allerdings bestünde gar nicht die Notwendigkeit, alles von Grund auf selbst zusammenzubasteln, mit wenig Geld ließen sich Kamikaze-Drohnen, bepackt mit Sprengstoff, auch kaufen. Man wird darauf warten können, bis erste dieser "Wirkmittel", wie Rheinmetall die Kampfdrohnen auch nennt, gegen Soldaten oder auch Zivilisten eingesetzt werden.

(Florian Rötzer)

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