Minority Report in Portsmouth

"Intelligente" Kameras, die Alarm schlagen sollen, sobald etwas verdächtig erscheint

Verdächtig könnte jemand sein, der ein wenig zu langsam über einen Parkplatz schlendert. Jugendliche, die sich nahe einem Kiosk gemütlich einen antrinken. Leute, die sich einer Gegend nähern, die für Drogenhandel bekannt ist. Situationen, aus denen sich etwas entwickeln könnte, vielleicht sogar ein Verbrechen.

Die Kameras schlagen Alarm, noch bevor etwas geschehen ist. Ray Steed, in der Stadtverwaltung für die Videoüberwachung zuständig, erklärt:

Die Software ist eine analytische Anwendung, durch die Sie die Informationen geben. Sie analysiert sie und gibt einen Alarm aus, um zu sagen "Kommt her und seht mir zu."

Sie wertet die Bilder nach 18 zuvor definierten Kriterien aus wie "aufeinandertreffende Personen", "Bildung einer Menge", "sich schnell bewegende Person" oder "schnelles Fahrzeug". Erkennt das System, dass "etwas Ungehöriges geschieht", benachrichtigt es den Kontrollraum für die weitere menschliche Einschätzung oder Maßnahmen.

"Big Brother ist erwachsen und klüger geworden", freut sich die Lokalzeitung. Und das kommt ohne jeden kritischen Unterton, wie aus dem weiteren Bericht hervorgeht, als ginge es tatsächlich um den netten, immer hilfsbereiten großen Bruder, der unbegrenztes Vertrauen verdient. Im bislang einzigen Kommentar zum Bericht fühlte sich allerdings Graham Wheatley aus Southsea an Steven Spielbergs Film nach einer Geschichte von Philip K. Dick erinnert: "Wo ist mein Minority Report?"

Das Perceptrak-System der Firma Smart CCTV wurde aufgestellt, um Parkplätze, Treppen, Gebäudekorridore und Straßen auch nachts zu überwachen. Die Firma stellte ihre Systeme der südenglischen Stadt Portsmouth kostenlos zur Verfügung, vermutlich in der Erwartung eines späteren flächendeckenden Einsatzes. Die Fähigkeit der Software, auf potenzielle Verbrechen aufmerksam zu machen, bedeutet Firmenchef Nick Hewitson zufolge, dass "sehr viel mehr Orte überwacht werden, als es normalerweise möglich ist". In den städtischen Kontrollräumen werden die Aufnahmen von 142 Kameras rund um die Uhr auf über 24 Bildschirmen überwacht.

Stadtrat Jason Fazackarley, verantwortlich für die kommunale Sicherheit, begeistert sich:

Das ist eine fantastische Entwicklung. Es ist die Entsprechung eines Nachtwächters im 21. Jahrhundert, aber anders als ein Nachtwächter blinzelt es niemals, es macht niemals eine Pause und langweilt sich nie. Es ist ein Auge in der Nacht. Die Kriminellen können sich nicht mehr länger in der Dunkelheit verstecken.

(Bernd Kling)