Mit "Lollis" und Kasperl gegen Covid-19

Jetzt auch bei Test-Kampagne dabei: der Kasperl. Bild: km.bayern.de (Screenshot)

Neue Corona-Teststrategie vor allem in Bayern. Folgen für Kinder und Jugendliche rücken in den Fokus der Debatte

Um eine erneute Infektionswelle an Kitas und Schulen zu verhindern, sollen nun "Lollitests" und der Kasperl helfen. Vor allem die bayerische Landesregierung setzt auf die neue Testmethode, bei der die Kinder an zwei Tupfern lutschen, um Speichelproben abzugeben.

Diese Proben werden dann gemeinsam als Pool untersucht. Diese Methode soll verlässlicher sein als die individuellen Schnelltests, die entweder an den Schulen oder vorab zu Hause durchgeführt werden.

Gegenüber der Augsburger Allgemeinen Zeitung sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU): "Wir wollen noch mehr Sicherheit in den Kitas, wir werden daher auf Wunsch der Eltern die Lollitests ermöglichen." Die Kosten für die Massentestungen von Kindern würden von der Landesregierung übernommen.

Am heutigen Dienstag berät das bayerische Regierungskabinett zudem, wie die Impfkampagne für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren verstärkt werden kann.

In der Altersgruppe der zwölf bis 17 Jahre alten Kinder und Jugendlichen war bis Ende vergangener Woche ein Viertel vollständig geimpft. Das geht aus Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums vom Freitag hervor. 35,9 Prozent in dieser Altersgruppe haben demnach mindestens eine Impfung bekommen.

Das Kultusministerium in Bayern flankiert die Testkampagne erneut mithilfe einer Figur aus der Kindersendung Augsburger Puppenkiste. Vor allem Grundschüler sollen mit einem kurzen Film vom "Kasperl" über die Funktion der Coronatests aufgeklärt werden.

In dem inzwischen zweiten Video der Marionettenbühne wird der Pooltest erklärt, der bei Schülerinnen und Schülern der ersten bis vierten Klasse eingeführt werden soll.

Schon Anfang des Jahres hatte die bekannte Puppenfigur - nun mit Doktortitel und Arztkittel - den Kindern die Anwendung der Schnelltests nahegebracht. Im neuen Kurzfilm tritt Kasperl als Lehrer einer Klasse aus Erdmännchen auf. Der Pooltest heiße so, sagte die Figur, "weil die Tupfer im Röhrle so beinandhocke wie in 'nem Planschbecke".

Folgen der Corona-Maßnahmen für Kinder im Fokus

Etwas ernster waren die Wortmeldungen aus dem Bundesgesundheitsministerium. Dort appellierte man an die Kommunen und Bundesländer, den durch die Corona-Auflagen belasteten Familien Beistand zu leisten.

Im Interview mit der Rheinischen Post sagte Gesundheitsminister Jens Spahn, Kinder und Jugendliche hätten seit Beginn der Pandemie besonders leiden müssen. "Wir wollen sie auf dem Weg zurück in die Normalität besonders unterstützen und hier stärker in Prävention und Vorsorge investieren", versprach der CDU-Politiker.

Als Mittel dazu schlug Spahn vermehrte Angebote für Vorsorgeuntersuchungen vor, um psychische und physische Probleme Minderjähriger frühzeitig zu erkennen. Der Minister nannte als Beispiele für bestehende Probleme Bewegungsmangel und psychosomatische Erkrankungen.

Vor einer möglichen vierten Infektionswelle rücken damit verstärkt die mittelbaren Folgen der Corona-Maßnahmen in den Fokus der Debatte. Unlängst hatte vor negativen Konsequenzen für Kinder- und Jugendliche auf Basis einer Großstudie auch die Krankenkasse DAK gewarnt.

Dieser Studie zufolge sind schon jetzt gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu beobachten. Allein im Jahr 2020 seien im Vergleich zum Vorjahr in den Krankenhäusern 60 Prozent mehr Mädchen und Jungen aufgrund einer Adipositas behandelt worden, heißt es im Ergebnis der Studie, über die auch Telepolis berichtet hatte.

Zugleich sei die Zahl Minderjähriger mit starkem Untergewicht um mehr als ein Drittel angestiegen. "Essstörungen wie Magersucht und Bulimie nahmen um fast zehn Prozent zu", heißt es in der DAK-Studie.

Deutliche Veränderungen seien auch bei Diabetes- und Asthma-Erkrankungen sowie Infektionen zu verzeichnen gewesen, so der aktuelle Kinder- und Jugendreport der DAK. Erstellt wurde die Studie vom Bielefelder Analyseunternehmen Vandage und der örtlichen Universität.

Untersuchungsgrundlage waren die anonymisierten Krankenhausdaten von knapp 800.000 bei der DAK versicherten Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren.

Der Untersuchung zufolge sank die Zahl junger übergewichtiger Patientinnen und Patienten im Frühjahrslockdown 66 Prozent unter den Wert des Vorjahres, stieg danach aber steil an "und blieb auf Rekordniveau". Gleichzeitig habe die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit starkem Untergewicht 2020 um 35 Prozent zugenommen. (Harald Neuber)