Mixa, Bischof ohne Gewissen

Der umstrittene Augsurger Kirchenfürst gibt nun doch Ohrfeigen zu

Schließlich waren es acht eidestattliche Aussagen, die dem Augsburger Bischof wiederholte körperliche Züchtigungen vorwerfen. Acht Aussagen standen also gegen die Aussage von Walter Mixa, der sämtliche Vorwürfe kategorisch bestritt „Ich habe ein reines Herz“. Jetzt ist der Bischof umgefallen

Wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watschn von vor 20 oder 30 Jahren natürlich nicht ausschließen kann.

Ganz ehrlich: Das ist eine PR-Verlautbarung; ein klopfendes Herz, das um anderes besorgt wäre als um das schöne Amt findet sich hier nicht. Offenbar mangelt es dem Gottesmann an Unrechtsbewußtsein.

Bischof Mixa. Foto: Dr. Christoph Goldt, Augsburg. Lizenz: CC-BY-SA.

Er versucht den "Ratzinger", wozu ihm wahrscheinlich aus besorgten Kreisen zugeraten wurde, eine Schadensbegrenzung durch das Geständnis von ein paar Watsch'n, die hier und da an die vielen Schäfchen ausgeteilt wurden. Der Papstbruder hatte mit seinem Geständnis Erfolg, aus dessen Ohrfeigen für "leistungsverweigernde Regensburger Domspatzen" entwickelte sich kein Skandal.

Was auch daran liegen mag, dass Georg Ratzinger seine Beichte mit einer Erkenntnis kommentierte, wonach er sei erleichtert gewesen, als 1980 die körperliche Züchtigung vom Gesetzgeber verboten worden sei. Daran habe er sich „striktissime“ gehalten: eine „gute Entwicklung, dass der Verzicht auf Ohrfeigen eine durchgehende Erkenntnis wurde“.

Mixas Blick zurück in die Zeit als Stadtpfarrer in Augsburg (1975 bis 1996), aus die Begründung der Vorwürfe stammt, ist anders. Aus seiner Sicht waren Ohrfeigen vor 20 oder 30 Jahren, also noch von 1980 bis 1990, „vollkommen normal, und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch", so wird Mixa von Bild am Sonntag zitiert, wie die SZ schreibt. Ein Rechenfehler? Wenn man sich mit Bild am Sonntag unterhält, überlegt man sich doch jedes Wort..

Eine weitere Erinnerungslücke? (vgl. Bischof Mixa kann sich nicht an frühere Heimkinder erinnern). Personen, die in der Schrobenhausener Gegend zur Schule gingen, sagen demgegenüber, dass Ohrfeigen zu dieser Zeit nicht mehr „normal“ waren.

Der von der Schrobenhausener katholischen Waisenhausstiftung eingesetzte Sonderermittler in der Sache, Sebastian Knott, will sich heute zu den Missbrauchvorwürfen äußern. Bislang hatte er nur „finanzielle Unregelmäßigkeiten“ festgestellt. In diesem Zusammenhang wurde in der vergangenen Woche laut, dass Mixa als damaliger Stadtpfarrer aus Mitteln der Waisenhausstiftung ausweislich von Quittungen Kunstgegenstände für das Pfarrhaus gekauft habe, „darunter 1995 einen Kupferstich für 43 000 Mark“.

Die Echtheit des Piranesi-Stichs sei jedoch nicht bewiesen, heißt es, der viel zu hohe Kaufpreis „unverständlich“ und so Experten "jenseits jeder Realität", da ein echter Piranesi-Stich nur etwa 4000 Euro wert sei. Der Verkäufer war laut SZ ein "langjähriger Freund des Bischofs". Da Mixa das Kunstobjekt in einer Weise nutzte, die Kritiker eher dem privaten Bereich zurechnen, sind hier auch arbeits- und strafrechtliche Konsequenzen denkbar. Und so fragt man sich, warum sollte ein Bischof davonkommen, wenn eine Altenpflegerin wegen vier Maultaschen entlassen wird. (Thomas Pany)

Anzeige