Mobbing - für den, der sonst nichts kann

Vier Bücher nähern sich auf unterschiedliche Art dem ärgerlichen Thema

Was einst am Schulhof eingeübt wurde - Mitschüler ausgrenzen und schikanieren - hat längst den Weg in das normale Büroleben gefunden: Kollegen, die spätestens in den Zeiten schwacher Wirtschaft den Weg zur Tür gewiesen bekämen, retten ihr Gesäß, indem sie andere ins schlechte Licht rücken.

Erschreckend: In manchen Unternehmen wird Mobbing bereits als äußerst zweifelhaftes Führungsinstrument gelehrt, wenn es beispielsweise darum geht, nach dem Aufkauf eines Konkurrenten die beiden Firmen zusammenzulegen und dabei die überflüssige Hälfte Mitarbeiter loszuwerden. Wer dagegen nette Kollegen und Chefs hat und den Begriff deshalb nur vom Namen her kennt, wird spätestens dann stutzig, wenn er mal nach Büchern über Mobbing sucht: Fast 180 sind zur Zeit im Handel - im Gegensatz zu Computerproblemen kann man hier ja nicht so leicht Freunde und vor allem Kollegen um Rat fragen und greift lieber zu einem stummen Mitwisser auf Papier.

Der Klassiker ist "Mobbing" von Heinz Leymann, der den Begriff überhaupt einführte. Das Buch erklärt, was Mobbing ist und woran man es erkennt. Wer allerdings bereits weiß, dass er gemobbt wird, wird dann mitunter noch depressiver. Wer die Nerven schont, indem er sich aus dem unfreundlichen Unternehmern verdrückt, kann dies später bereuen, wenn sich dann doch kein adäquater anderer Job findet - oder einfach, weil er weiß, dass er veräppelt worden ist und sich nicht gewehrt hat. Deshalb fragen sich immer mehr für so etwas eigentlich anständige Mitmenschen: "Wie kann ich mich wehren und gegebenenfalls selbst zurückmobben?"

Der Computer als Mobbing-Gehilfe

Als computergewandter Mitarbeiter stehen in diesem Bereich natürlich viele Möglichkeiten offen. Chefs und Administratoren tendieren dabei zu Schikanen durch das Vorschreiben bestimmter Software, Mitarbeiter eher zu derben Scherzen und Datenklau. Doch Trivialitäten wie gelöschte Festplatten können den Übeltäter in Teufels Küche bringen. Das ziemlich reißerisch aufgemachte, aber sowohl zur Abwehr von Sabotage als auch zur aktiven Gegenwehr gut geeignete Buch "PC-Mobbing" von Oliver Ibelshäuser stuft dabei zwar etwas übertrieben auch schon gängige PC-Scherzprogramme ("Systemfehler: Wasser in Laufwerk A:") als Mobbing ein, zeigt jedoch anhand von dem in Büros allerdings noch kaum zu findenden Windows XP auch Sicherheitslücken wie Passwortknacker und umgekehrt mögliche Zugiffsbeschränkungen wie vom User verschlüsselte Laufwerke. Auch Gefahren durch Keylogger und E-Mail-Zensur (Sie ?*$%!§, kommen Sie sofort zum Chef!) werden aufgezeigt und mancher Naivling mag so lernen, dass es mit der Privatsphäre in Firmennetzen nicht weit her ist.

Noch etwas direkter wird "Mobbt die Mobber" von Holger Wyrwa: Es gibt Anleitungen zur Gegenwehr, die aber so verfasst sind, dass sie nicht als Angriff (also sozusagen als "Mobbing for Dummies") umfunktioniert werden können. Ziemlich zynisch ist dagegen "Ich mobbe gern" von Alexander Vier, das seinen Ratschlag "mit Mobbing macht das Leben mehr Spaß" zwar nur satirisch meint und hierzu bereits das Vordrängeln in einer Schlange zählt - doch wird die Satire von dumpferen Mitmenschen sicher für bare Münze genommen und entsprechend umgesetzt. Ulkig ist hier neben der nicht ganz schief liegenden Einstufung von Queen Elisabeth, Karl Marx und Dagobert Duck als Profimobber nur das Autorenquartett, dessen Pseudonym "Alexander Vier" platzte: Es handelt sich bezeichnenderweise um vier leitende Angestellte mit Doktortiteln in einem süddeutschen Wirtschaftsministerium, die dann ihre liebe Mühe hatten, zu beweisen, dass sie das Buch nicht im Dienst geschrieben hatten und ihre niedergeschriebenen Regeln auch nicht dem dortigen Tagesablauf entnommen hatten. Unter "Online-Mobbing" finden sich hier dann so sinnige Tipps wie den Chef mit Massen an Mails lahmzulegen. Doch das schaffen nur die, deren Chef überhaupt E-Mails liest...

Heinz Leymann, "Mobbing", 188 Seiten, Wunderlich im Rowohlt-Verlag, ISBN 3-499-26374-2, 5,00 Euro Oliver Ibelshäuser, "PC-Mobbing Dirty Tricks", 332 Seiten, Data Becker, ISBN 3-815-82318-8, 15,95 Euro Holger Wyrwa, "Mobbt die Mobber!", 192 Seiten, Kreuz-Verlag, ISBN 3-783-12202-3, 14,90 Euro Alexander Vier, "Ich mobbe gern", 200 Seiten, Eichborn-Verlag, ISBN 3-821-83985-6, 14,90 Euro (Wolf-Dieter Roth)

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