Monochrom will Science-Fiction-Komödie über Crowdfunding finanzieren

Sierra Zulu soll unter anderem den "kognitiven Kapitalismus" und dessen "Intellectual-Property-Auswüchse" behandeln

Die Künstlergruppe Monochrom bereicherte die Kulturgeschichte in der Vergangenheit unter anderem durch Werke wie die André-Hitler-Plattencover, die Aktion Eigenblunzn, das Computerspiel Sowjet Unterzögersdorf und eine gerade als DVD-Box erschienene ISS-Weltraum-Sitcom. Nun planen die Österreicher einen abendfüllender Spielfilm: die "schwarze Science-Fiction-Komödie" Sierra Zulu.

Der Film ist nach Angaben von Regisseur und Drehbuchautor Johannes Grenzfurthner "am ehesten eine Mischung aus Catch-22 und Buckaroo Banzai, mit der Seele von Harun Farocki". Die Geschichte spielt sich in einer Weiterentwicklung des Settings von Sowjet Unterzögersdorf ab, wo ein österreichisches Dorf als "letzte Bastion der ehemaligen Sowjetunion" weiterexistiert. In der Nähe dieses Mikrostaats wird nach dem Angriff der benachbarten Heavy-Metal-Dorfjugend eine UN-Friedenstruppe aus Angehörigen verschiedenster Nationen stationiert, von der sich Politiker Bauaufträge und Wirtschaftswachstum versprechen. Diese Truppe wird nach einer Explosion im sowjetischen Territorium "in eine bizarre Verschwörung aus Industriespionage, Medienwahnsinn und politischer Intrige" hineingezogen, bei der auch die Informationsindustrie eine Rolle spielt.



Monochrom will den Film in englischer Sprache für den internationalen Markt drehen und hat dafür in den letzten drei Jahren Mitwirkungszusagen von Jello Biafra, Mark Mothersbough, Dirk Stermann, Gerald Votava, Joi Ito, den Yes Men und dem Apple-Erfinder Steve Wozniak eingesammelt. Derzeit ist man in der Pre-Production und will im März 2013 mit dem Drehen beginnen.

Das sechzehnminütige Prequel Earthmoving verbreitet den dezenten Charme der Sprachkurse in den Dritten Programmen der 1970er Jahre und glänzt unter durch die anderem durch die angemessen realitätsnahe Parodie einer PowerPoint-Präsentation und einen grandiosen Martin Auer in der Rolle des ÖVP-Politikers Leopold Atzl. Die in Earthmoving dargestellte Dysfunktionalität internationaler politischer Verhandlungen offenbart einen besonderen Reiz, wenn man die österreichischen Korruptionsaffären der letzten Zeit etwas mitverfolgt hat. Angesichts solcher politischen Implikationen verwundert es wenig, dass eine der großen Filmförderungen in Österreich eine Mitfinanzierung des Projekts Sierra Zulu ablehnte.

Die Künstlergruppe und ihre Produktionsfirma Golden Girls möchten das Geld für den Film nun über eine internationale Kickstarter-Kampagne zusammenbekommen, die am 3. Juli beginnen soll. Dass dieses Crowdfundig-Instrument eine Alternative zu traditionellen Finanzierungs- und Verwertungsstrukturen sein kann, bewies unlängst die ehemalige Dresden-Dolls-Sängerin Amanda Palmer, die in vier Wochen fast 1,2 Millionen Dollar für eine neues Album, eine Tour, ein Buch und eine Ausstellung zugesagt bekam. Noch mehr Geld sammelten ein Projekt für eine E-Zeitung in Armbanduhrenform, Tim Schafers Double Fine Adventure oder Wasteland 2 ein.

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