Montezumas Rache

Tod auf dem Maisfeld: Mel Gibsons neuer Film "Apocalypto" weidet Körper aus

"You fear me. You should." Der Fluch eines kleinen Mädchens am Rande der Geschichte hält die Essenz des Films parat: "Tag wird wie Nacht sein." Mel Gibsons neuer Film "Apocalypto", komplett in Maya-Dialekt gehalten, will über amerikanische Dekadenz handeln und zelebriert eine perverse Lust am Untergang. Wieder schickt uns dieser Regisseur in seine ganz persönliche Volkshochschule, ruft uns zur Besinnung auf und schreit "Zurück zur Natur!" Dramaturgisch erinnert sein Film an eine überdrehte "Age of Empires"-Version. Wie im Videogame bewegt sich der Held auf drei Levels: Aufs "Dschungelbuch" (Naturzustand) folgt "Sklaven haben's schwer" (Zivilisation) und dann "Auf der Flucht" (Zurück zur Natur!). Dabei gibt es Lebenspunkte zu gewinnen und viele Aufgaben zu bewältigen. Aber kann es ein Happy End in der Apokalypse geben? Bei Mel Gibson schon.

Apocalypto. Bild: Touchstone

Wir alle kennen den "Weihnachtsfilm". Zum Fest der Liebe und Jahresabschluß wird noch mal fett auf die Emotionstube gedrückt und der Ideologierucksack ausgeschüttet. Heraus kommt dann ein Film für die ganze Familie, mit klaren Bildern, starken Werten, Happy-End-Garantie und neuerdings auch ein bisschen Brutalität. Früher hießen Weihnachtsfilme "Schneewittchen", "Bambi" oder "Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett", heute heißen sie - die Zeiten haben sich geändert - "Herr der Ringe", "King Kong" oder eben "Apocalypto".

Am Anfang ist das Paradies, reine Unschuld: Insekten zirpen, grün ist der Busch, friedlich die Natur. Doch Sekundenbruchteile später ist dieses kurze bukolische Bild schon vorbei, zerreißt ein ohrenbetäubendes Krachen die Stille, und eine wilde Jagd beginnt. Vorerst ist es nur ein Tapir, das hier gejagt wird. Nach einer knappen Minute ist es von einem Dutzend Speeren durchbohrt, aufgespießt wie einst Christus am Kreuz - jedenfalls bei Mel Gibson (vgl. O'zapft is!). Fröhliche Naturburschen mit schlechten Zähnen umringen das Tier, schlitzen ihm die Kehle auf und weiden es aus.

Weil hier noch echte Hierarchien herrschen, steht man dann kurz respektvoll, doch gierig guckend um das erlegte Vieh herum, dann kommt der Chef und verteilt die Beute: Einer erhält das Herz, ein anderer die Leber, und der Dorftrottel muss die blutbeschmierten Hoden essen; ein Schenkelklopfer für den Männerbund - und nur ein Vorgeschmack auf das, was der Zuschauer in den folgenden zwei Stunden noch alles zu schlucken hat.

"Fear is a sickness"

Denn nur noch kurz befinden wir uns unter edlen Wilden, die irgendwo im Busch naturverbunden und ohne Furcht und Hoffnung geschichtslos in den Tag hinein leben. Im Hüttendorf sind alle nett zueinander, die Frauen hübsch, die Kinder folgsam und alle haben ihren Spaß - nur der unfruchtbare "Blow Job" wird beim vielfachen Vater Gibson postwendend bestraft.

Man trägt Lendenschurz und sonst gar nichts, der Vater erklärt dem Sohn "Fear is a sickness" und abends erzählt der Dorfälteste - "Ich sah ein Loch im Menschen, tief ein Verlangen, das er niemals stillen kann." - dann am Lagerfeuer mahnende Geschichten von der Unbescheidenheit des Menschen - wie klein Mel sich das wilde Denken so vorstellt. Und im Prinzip wäre auch er gern so einer, der uns am Lagerfeuer einfache Geschichten vom Sündenfall erzählt, mit Spannung und klarer Message.

Apocalypto. Bild: Touchstone

Am nächsten Morgen ist es dann jäh vorbei mit dem Paradies: Fremde Krieger überfallen das Dorf, schon an ihren bösen Blicken und ihrem Totenkopfschmuck sieht man, dass diese Jungs nicht ganz so happy drauf und eins mit der Natur sind wie die Dorfbewohner. Einen, Jaguar Paw (Rudy Youngblood), haben wir inzwischen schon ein bisschen besser kennengelernt. Er wird der Held der Story. Wir sehen nun, wie er als erstes seine hochschwangere Frau und seinen kleinen Sohn in einem ausgetrockneten Brunnen in Sicherheit bringt und dann in den Kampf eingreift. Um Volk und Familie, das Heim, das Eigene gegen die Fremden, gegen Eindringlinge zu schützen, darf man massakrieren, das ist für Gibson, den "Braveheart" und "Patriot", klar.

So ganz eindeutig ist Gibson in seiner Frontier-Ideologie aber bei genauerem Hinsehen nicht, zumindest schwankt Jaguar Paw in dieser Phase noch zwischen Verteidigung der Heimat und Verantwortung für Weib und Kind - für die wär's jedenfalls das Beste, wenn er sich in die Büsche geschlagen hätte statt in den Kampf. Dort gerät er in Gefangenschaft, muss noch mit ansehen, wie die Bösen massakrieren, vergewaltigen und schließlich vor seinen Augen seinen Vater töten. "My son, don't be afraid", kann der immerhin noch schöne letzte Worte stammeln.

Wer diese fremden Krieger sind, die die Überlebenden mit auf den Weg in ihr Lager nehmen, und die Kinder lebend sich selbst ihrem Schicksal überlassen - es entsteht so nebenbei eine kleine Dschungel-Kinderbande, deren weiteres Schicksal man gern verfolgt hätte - bleibt unklar, so wie der Film einen überhaupt über Einzelheiten im Dunkeln lässt. Wie sich herausstellt, gehören sie einer überlegenen Zivilisation an, die Ackerbau betreiben und in Minen schürfen, die in Städten wohnen mit riesigen Pyramiden - den Holcano-Mayas vielleicht, wie die Marketingkampagne behauptet? Oder doch eher den Azteken oder Tolteken? Im Film selbst kommt eine genaue Angabe nicht vor. Die Völker bleiben namenlos. Das einzige, was hier gewiss ist, ist das der Film unmittelbar vor dem ersten Auftauchen der Spanier in Mittelamerika im Jahr 1517 spielt. Mit allem anderen nimmt es "Apocalypto" nicht so genau.

Apocalypto. Bild: Touchstone

"A lot of it, story-wise, I just made up."

Man könnte sich nun auch auf "Apocalypto" als Phantasiegebilde und Weihnachtsfilm konzentrieren, dürfte über alle gewagten und falschen historisch-kulturellen Behauptungen dieses Films getrost schweigend hinwegsehen, würde Regisseur Mel Gibson selbst nicht immerfort mit dessen Gehalt und Bedeutung jenseits aller Action hausieren gehen. Es gehe zwar um die Maya und deren Untergang, lässt Gibson sein Publikum in jedem Interview wissen, aber "wie wir" hätten die ihre Umwelt geschädigt, "wie Bush und seine Leute", sei deren Oberschicht korrupt gewesen, "wie die USA im Irak" hätten sie Menschenopfer getrieben.

Schließlich bedeute "Apocalypse" "Neuanfang" - somit ist auch einigermaßen offensichtlich, worum es Gibson geht, der bereits in "Braveheart" und "Passion Christi" erkennbar von Sendungsbewusstsein und einem Messiaskomplex getrieben war. Wenn Film und Regisseur uns also fortwährend zu verstehen geben: Wir sind jetzt hier in der Volkshochschule von Mel Gibson, dann muss man natürlich auch fragen: Ja stimmt das denn alles? Und was bringt er uns überhaupt bei? Schon ein Blick in den Brockhaus genügt um festzustellen, dass die Dinge bei den Maya so einfach nicht liegen und dass sich, wenn schon, denn schon, ihr Untergang nicht um 1500, sondern um 900 ereignete.

Dessen Ursachen sind unter Forschern nach wie vor völlig umstritten. Der Film zeigt zwar viele Einzel-Elemente, die für die mächtigen Hochkulturen des letzten präkolumbianischen Jahrhunderts zutreffen. Aber montiert sind sie überaus frei. Dass Gefangene für massenhafte Menschenopfer gemacht wurden, trifft zum Beispiel eher auf Azteken zu. Bei den Maya gab es das auch, aber wie oft und wie genau, darüber streiten die Forscher. Und über umfangreiche Körpertätowierungen weiß man in Bezug auf die Maya einfach nichts Genaues. Das Yucatec-Maya, das sie sprechen - der Film ist komplett untertitelt -, ist modern. Viel wichtiger aber: Der Film zeigt und verwendet zwar viele solche Aspekte der Maya-Kultur, doch ebenso viele ignoriert er auch. Held Jaguar Paw kommt sowieso definitiv aus einer anderen Kultur.

Gibson begeht keine offenkundigen Fehler, aber wirklich zutreffend ist sein Bild auch nicht - in seiner Gesamtheit ist es eher Märchen als Dokumentation. "A lot of it, story-wise, I just made up", gab er in einem US-Interview selber zu. Und darum schildert er auch im Ton des Märchenerzählers, des Alten am Lagerfeuer, der raunend, in Stimmungen große welthistorische Panoramen entfaltet und in diese immer auch persönliche Weisheiten und moralisch-politische Botschaften verpackt:

Die Geschichte hat gezeigt, dass Vorboten vom Untergang einer Zivilisation stets dieselben sind ... für mich war es immens wichtig, diese Parallele zu ziehen, denn diese Kreisläufe wiederholen sich ununterbrochen. Wir beweisen aber genauso oft Heldenmut und den Glauben an das Gute.

Durch alle Bilder dieses Films trieft diese Überzeugung, dass der alte Adam doch am Ende gleich bleibt: Männer jagen Männer. Im Vorspann schon erscheint bedeutungsschwanger ein Zitat von Will Durant, der immerhin eine komplette "Geschichte der Zivilisation" schrieb: "A great civilization is not conquered from without, until it has destroyed itself from within." Potztausend! Wer jetzt allerdings erwartet, dass im Film dieses Zitat irgendwann noch einmal begründet oder wenigstens illustriert wird, sollte nicht auf Erklärungen und Gründe hoffen. Es bleibt beim Raunen, bei Stimmungen. Wir können uns etwas dazu denken oder auch nicht.

Apocalypto. Bild: Touchstone

Im Sündenbabel

Das Bild jener Stadt, in die unser Naturbursche verschleppt wird, ist allerdings eindeutig tendenziös: Filmisch irgendwo angesiedelt zwischen Griffith' "Intolerance", Langs "Metropolis" und Hollywoods-50er-Jahre-Rom ist dies ein Ort des chaotischen Gewimmels, der zivilisatorisch verbrämten Barbarei, wie sie direkt von Oswald Spengler gezeichnet sein könnte: Hier tummeln sich Händler und Huren, Lust und Drogen, Sünde und Laster, rauchende Industrie und soziales Elend. Jedermann ist isoliert, Gemeinschaften gibt es nicht, nur wild-orgiastische Massenansammlungen. Alles in allem eine Karikatur paranoider Großstadtfeindschaft: eine chaotische Metropole, ein weiterer Fall der alten Hure Babylon, ein präkolumbianisches New York, beherrscht von einem kaputten fetten kleinen Prinz, lüsternen Weibern und korrupten Priestern.

Gibson ignoriert alles Wissen und Können der präkolumbianischen Kulturen, ihre im Vergleich zum damaligen Europa überlegene Stadtplanung - die Städte waren viel größer als das Rom, Venedig oder Florenz, als London oder Paris der damaligen Zeit - und konzentriert sich, wie die meisten spanischen Beobachter im 16. Jahrhundert, auf die Barbarei, die allem zugrunde liegt: Sie töten, vergewaltigen, opfern, indem sie ihren Opfern die noch zuckenden Herzen aus dem noch lebendigem Leib herausschneiden. Ethno-Kitsch, die Verklärung des Fremden, paart sich also mit Exotismus, einem Blick, der nur das Fremde im Fremden wahrnimmt, das Vertraute, Gemeinsame aber übersieht. Gibson und sein Co-Autor Farhad Safinia sehen das Barbarische in der anderen Kultur, nicht die Zivilisation und die Vorstufen zur Moderne. Und noch mehr: Sie zeichnen Zivilisation überhaupt als letztlich barbarisch - Glück und Unschuld liegen nur im vormodernen Naturzustand.

Diese Faszination für und die Verteidigung von vormodernen, barbarischen Helden ist die eine Konstante des Regisseurs Mel Gibson, die sich auch durch einige seiner Rollen - "Patriot" - zieht. Alle drei letzten Filme Gibsons spielen in ferner Vergangenheit, und seine Vergangenheiten sind nicht umsonst archaische, vormoderne. Sie liegen so weit zurück, das ihm seine Schwarzweißmalerei folgenlos erlaubt ist. In diesen Vergangenheiten präsentiert er die Menschen einerseits immer als Barbaren, andererseits unterscheidet er fein säuberlich zwischen zwei Sorten von ihnen: Die guten echten und die von der Zivilisation verdorbenen, dort um so barbarischer gewordenen Barbaren. Die guten Christen und die bösen Römer, die guten Schotten und die bösen Briten, die guten Waldmenschen und die bösen Stadtindianer.

Rollende Köpfe, Leichenberge

Die zweite Konstante ist das Verhältnis zur Gewalt, ist Gibsons sadistischer Blick, inzwischen klar eine Obsession des Regisseurs. Es liegt eine perverse Lust, ein offenkundiger Voyeurismus in der Weise, wie Gibson uns die Gewalt zeigt. Jeder Einstellung sieht man an: Er ist fasziniert von dem, was er verdammen will - darum kann er sich nicht davon lösen. Gibson weidet sich an der Brutalität seiner Szenen. Er lässt alle Figuren seines Films biblische Qualen erdulden, die Hinfälligkeit des Fleisches spüren - und uns Zuschauer mit.

Die erwähnten Menschenopfer zum Beispiel zeigt er ausgiebig. Minutenlang rollen abgeschlagene Köpfe - plop-plop-plop - die Pyramidentreppe herunter. Leichen türmen sich zu Bergen, deren Darstellung eindeutig an die Bildsprache der KZ-Photos angelehnt ist, ein Maisfeld wird zum Leichenfeld, und einmal erleben wir das Menschenopfer sogar direkt aus Sicht des Geopferten, die Kamera folgt taumelnd seinen letzten Blicken - darauf muss man auch erstmal kommen, denkt man, bevor einem wieder einfällt, wie in der "Passion Christi" die Krähe nicht Jesu' Schächer, sondern uns Zuschauern das Auge ausgehackt hatte.

Auch hier gilt das Gleiche wie im Jesus-Film: In sonst selten zu sehender Direktheit zeigt der Film Gewalt, unternimmt einen schonungslosen Angriff auf den Zuschauer, der nur auf eine einzige Erfahrung zielt: Den Schmerz. Mal steht eine Blutwolke in der Luft, pulsieren kleine Blut-Strahlen aus einem Hirn. Und wenn man weiß, wovon Gibson immer erzählt, fragt man sich natürlich, wie er das im nächsten Film noch steigern will? "Apocalypto II - Die Conquista" vielleicht? Oder "The Passion of Guantanamo"? Oder ein Kannibalendrama?

Apocalypto. Bild: Touchstone

Insgesamt ist Gibsons Gewaltdarstellung, sind die Menschenopfer, die Blutfontänen, die aus Körpern spritzen, die durchgeschnittenen Kehlen, die Pfeile und Speere, die immerfort Leiber durchbohren, abgebrochen und herausgezogen werden, so over-the-top, dass sie unfreiwillig komisch wirken.

Zehn kleine Mayalein...

Als Actionfilm betrachtet ist "Apocalypto" gar nicht so schlecht. Ziemlich grob zwar und extrem brutal, aber auch schnell und spannend. Denn als Jaguar Paw seinen Häschern dann entwischt, just nachdem er um ein Haar den Göttern geopfert worden wäre - mit einem Einfall den Gibson aus dem "Tim & Struppi"-Comic "Der Sonnentempel" geklaut hat -, beginnt der dritte Teil des Films.

Nachdem die ersten beiden schon stark an Level von "Age of Empires" erinnerten - darin gibt es übrigens auch die Maya-Holcan-Speerkämpfer ("75 Nahrung, 25 Holz", "stark gegen Kavallerie und Gebäude") -, und auch "Dschungelbuch" und "Sklaven haben's schwer" hätten heißen können, ähnelt das letzte Drittel endgültig einem Videospiel, vielleicht mit dem Titel "Auf der Flucht": Im Schweinsgalopp hastet Jaguar Paw durch den Dschungel, zurück nach Hause, um Weib und Kind zu retten, sammelt dabei "Lebenspunkte und Angriffsstärke", immer verfolgt von einem Rudel von anfangs zehn Azteken-Kriegern, die ihrem Omen - "The omen is bad." - nicht glauben und dann wie im Reim von den zehn kleinen Negerlein - oder eben wie im Videogame mit immer neuen Herausforderungen - Mann für Mann auf mehr oder weniger originelle Art dezimiert werden: Einen zerfleischt - und das Wort erhält bei Gibson ganz neue Bedeutung - der schwarze Jaguar, einen beißt die Schlange - wodurch wir lernen, was "I am fucked" auf Yucatan-Maya heißt -, der nächste hüpft statt in den Wasserfall auf einen Fels, dann droht noch Treibsand, ein böser Bienenschwarm, eine Tapirfalle, und natürlich der Held selbst mit jesushafter Fleischwunde, Mut und improvisierten Waffen.

Irgendwie sozialdarwinistisch halt, "survival of the fittest" eben, jedenfalls wie Mel Gibson sich die Evolution so vorstellt. Älteren Fernsehzuschauern dürfte zwischendurch auch mal "Roots" in den Sinn kommen, in dem Held Kunta Kinte ja auch immer nach Hause will. Das mag aber an der wirklich hundsmiserablen Kunta-Kinte-Musik liegen, die im Film kaum einmal stoppt, eine Mischung aus "Daktari" und "Uh-Uh Ah-Ah"-Getrommel.

Und um die Dinge völlig klar zu stellen, darf unser Braveheart des Dschungels sich noch ein paar Male auf die Brust klopfen, und brüllen: "My name is jaguar paw. I am a hunter. This is my forest. I am not afraid."

"We should go in the Forest"

Über die innere und äußere Logik des Ganzen und das verquere Zeit- und Raum-Management des Films wollen wir hier mal lieber schweigen. "Apocalypto" ist ohne Frage ein ziemlich dummer Film, der sich an eher primitive Gemüter richtet, aber er funktioniert doch gut und ist kurzweilig und voller unfreiwilligem Humor.

Zweifellos ist "Apocalypto" durch Thema und Machart auch ungewöhnlich, die Production Values und Bilder sind gut, allerdings ist er ungemein langweilig geschnitten. Eine krude Mischung, eine Art präkolumbianische Version von "Indiana Jones" mit Hang zu übertriebener, sadistisch ausgemalter Brutalität. Das alles muss man wirklich nicht mögen -, aber sehr viel anders und schlimmer als "Herr der Ringe" oder "Rambo" ist es auch nicht.

Ganz am Ende, die Feinde sind besiegt, Frau und Kind sind nach Unterwassergeburt gerettet, fügt Mel Gibson seiner ganz persönlichen Dialektik der Aufklärung noch einen letzten Schlenker hinzu: Da sind nämlich die Spanier gelandet. Die Spanier! Natürlich weiß Jaguar Paw nicht, dass es Spanier sind. "Sollen wir zu ihnen gehen?", fragt seine Frau neugierig. "We should go in the Forest" antwortet er, "to seek a new beginning." Hier artikuliert der Film noch ein letztes Mal seine Grundthesen, dass wir alle uns "Zurück zur Natur" begeben sollten, und dass das Fremde eher schlecht, gefährlich, jedenfalls mit Misstrauen zu betrachten ist. Im Zweifel gegen die Neugier.

Jared Diamond: "Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen"; S. Fischer Verlag. Frankfurt am Main 2005 Berthold Riese: "Die Maya"; C.H. Beck, München 2004 (Rüdiger Suchsland)

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