"Moral ist ein schönes Wort, aber ein gefährlicher Begriff"

Der russische Filmemacher Andrei Nekrasov über Korruption in Russland, Moral im Kapitalismus und natürlich auch über Bill Browder

Andrei Nekrasov war im Juni zu Gast beim Telepolis Salon in München und zeigte seinen Film "The Magnistky Act. Behind the Scenes". Wir haben mit gesprochen, über Korruption in Russland, über Moral im Kapitalismus, und natürlich auch über Bill Browder.

Bekannt wurde Nekrasov durch Putin kritische Filme wie "Disbelief" über die Terroranschläge in Moskau, "Rebellion: Der Fall Litwinenko" über den Giftmordanschlag auf Alexander Litwinenko, der 2007 bei den Filmfestspielen in Cannes seine Premiere hatte, und durch die von ARTE/ZDF produzierte und mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Doku-Serie "Lebt wohl, Genossen!"

Nekrasovs letzter Film "The Magnistky Act. Behind the Scenes" wurde erneut von ARTE/ZDF ko-produziert, schaffte es jedoch nicht an die breite Öffentlichkeit. Der Film, der die Narration um Sergei Magnitskys Tod als gelungenen PR-Coup des einflussreichen Hedge-Fonds-Managers Bill Browder demaskiert, sollte 2016 im EU-Parlament erstaufgeführt werden. Doch auf Druck von Bill Browder, dem einstigen Arbeitgeber von Sergei Magnitsky, und der Grünen-Politikerin Marieluise Beck wurde die Premiere kurzfristig abgesagt. Ebenfalls wurde die Ausstrahlung auf ARTE, ausgerechnet am Tag der Pressefreiheit 2016, gestoppt.

Seitdem lief der Film auf einigen Filmfestivals im skandinavischen Raum, jedoch nicht selten unter Androhung von rechtlichen Schritten seitens Browder und unter Berufung auf die Pressefreiheit seitens der Veranstalter. Ausgestattet mit genügend finanziellen Mitteln und politischem Einfluss sitzt Bill Browder am längeren Hebel. Jüngst erhielt die Video-Plattform Vimeo Post von Bill Browders Anwälten und ließ schließlich den Film entfernen.

Piraya, die Produktionsfirma des Films, und Nekrasov haben nun eine eigene Webseite gestartet, auf der die weitere Entwicklung dieser Auseinandersetzung dokumentiert werden soll.

Gespräch mit Andrei Nekrasov

(Bulgan Molor-Erdene)