Moskau bestätigt Abschuss von Su-24 an Grenze zu Syrien

Strittig ist, ob das Flugzeug in türkischen Luftraum eingedrungen war. Türkei ist vehement gegen russische Operationen in der Grenzregion

Die türkische Armee hat am Morgen ein russisches Kampfflugzeug im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen. Inzwischen hat das russische Verteidigungsministerium bestätigt, dass es sich um einen russischen Jagdbomber vom Typ Suchoi Su24 handelt, berichtet die Agentur Interfax.

Bild aus dem Twitter-Account des türkischen Senders Habertürk TV

Das Ministerium im Moskau widersprach Darstellung aus der Türkei, wonach das Militärflugzeug in den türkischen Luftraum eingedrungen sei. Das Flugzeug sei nachweislich während des gesamten Einsatzes in 6.000 Meter Höhe über syrischem Territorium geflogen, hieß es in ersten Stellungnahmen aus Moskau.

Aus Ankara hieß es am Morgen zunächst, ein Flugzeug unbekannter Herkunft habe den türkischen Luftraum verletzt, mehrfache Warnungen seien ignoriert worden. Zwei türkische F16-Kampfflugzeuge hätten den Jet den Einsatzregeln entsprechend am Dienstagmorgen in der Grenzregion Hatay abgeschossen. Anderen Meldungen zufolge stürzte die Maschine nach Beschuss vom Boden ab.

Der Vorfall kommt einer kriegerischen Handlung zwischen Russland und der Nato gleich - und stellt einen Ernstfall zwischen dem Militärbündnis und Moskau dar, vor dem Experten in den vergangenen Monaten immer wieder gewarnt hatten. Nun kommt es darauf an, wie besonnen Russland mit dem Zwischenfall umgeht.

Erst am gestrigen Montagnachmittag hatte der ständige Vertreter der Türkei bei der Nato, Mehmet Fatih Ceylan, bei einer Veranstaltung des Nordatlantikpaktes in Berlin das Vorgehen seines Landes gegen die russische Militärpräsenz in Syrien verteidigt. Es habe Verletzungen des Luftraumes gegeben und "Operationen sehr nahe der Grenze", sagte Ceylan beim "Nato-Talk" im Berliner Hotel Adlon. "Russland hat eben die Entscheidung getroffen, den Konflikt mit der Nato zu suchen", sagte der türkische Diplomat, der einen von Russland befürworteten Dialog mit der Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad strikt ablehnte.

Ceylan trug die Positionen Ankaras offenbar weisungsgemäß vor, zumal die türkische Regierung erst vor vier Tagen nach russischen Luftangriffen in Syrien nahe der Grenze zur Türkei den russischen Botschafter Andrej Karlow einbestellt hatte. Das türkische Außenministerium warnte Karlow vor "ernsthaften Konsequenzen", sollte Russland nicht der türkischen Forderung nach einem "sofortigen Stopp der Operation" nachkommen. Die Türkei kritisierte, dass turkmenische Dörfer in der Region Ziel der russischen Luftangriffe gewesen seien. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu beklagte, dass 40 turkmenische Dorfbewohner verletzt wurden. Ankara sieht sich als Schutzmacht.

Nach Medienberichten sollen die beiden Piloten sich zunächst durch Absprung gerettet haben. Ein Pilot sei am Boden von turkmenischen Kämpfern getötet und der andere gefangen genommen worden sein.

In den vergangenen Wochen und Monaten hatte die Türkei immer wieder mit dem Abschuss von Flugzeugen gedroht, die in ihren Luftraum eindringen. Davutoglu sagte Mitte Oktober, sein Land werde vor einem derartigen Schritt nicht zurückschrecken. Kurz zuvor hatte die türkische Luftwaffe eine Drohne abgeschossen. Das unbenannte Fluggerät befand sich türkischen Angaben zufolge drei Kilometer innerhalb des Luftraums des Landes. (Harald Neuber)

Anzeige