Moskau und Washington erzielen Einigung über Feuerpause in Syrien

Konflikt zwischen Russland und USA weitet sich auf Afghanistan aus

Selbst wenn es zu einer Feuerpause kommen sollte, die aufgrund der vielen Konfliktbeteiligten und ihren unterschiedlichen Interessen höchst brüchig bleiben wird, zumal die Kämpfe gegen den IS und al-Nusra sowie möglicherweise seitens der Kurden und der "Rebellen" gegen die Kurden weitergehen würde, bleibt Syrien nur ein Brandherd. In Libyen haben die USA bereits mit Luftangriffen begonnen, der IS und andere islamistische Gruppen breiten sich in Nordafrika aus. In Jemen tobt ein Krieg und in Afghanistan werden nicht nur die Taliban stärker, sondern auch der IS und al-Qaida.

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Gegenüber dem russischen Staatsmedium Sputnik äußerte Abdoul Hadi Khaled, ein früherer Ex-Verteidigungsminister, dass der Abzug der Isaf-Truppen die Taliban gestärkt habe, obgleich die afghanischen Streitkräfte noch nicht imstande gewesen seien, selbständig zu agieren. Die Zahl der getöteten Zivilisten ist 2015 wieder auf einen Rekordstand gestiegen.

Bislang gab es zwischen Russland und den USA kaum Probleme über Afghanistan - im Unterschied zur Ukraine oder Syrien. Die New York Times sieht aber Anzeichen, dass Russland sich nun zurückzieht und auch die afghanische Regierung nicht weiter unterstützen will, der die Menschen vor allem nach Europa davon laufen. Von Afghanistan würde sich Russland weniger bedroht fühlen als von Syrien, wo viele Russen kämpfen. Zudem fürchten afghanische Regierungsangehörige, Russland würde Afghanistan mehr und mehr im Rahmen des Konflikt mit den USA sehen, also in einem strategischen Spiel des neuen Kalten Kriegs, was wenig verwunderlich wäre.

Die Taliban wollen zwei Militärstellungen in der Provinz Jowzjan erobert haben.

So sagte der russische Sonderbeauftragte für Afghanistan, Zamir N. Kabulov, vor einigen Tagen, man sei der amerikanischen Initiativen müde. Man unterstütze nicht die Bemühungen der USA für eine politische Lösung in Afghanistan mit Verhandlungen mit den Taliban, die sowieso nur den Interessen des amerikanischen Wahlkampfs folgen, sondern verfolge eigene Verhandlungsprozesse.

Moskau ist auch davon überzeugt, dass erst das militärische Eingreifgen Russlands in Syrien eine Veränderungen bewirket habe, die einen Waffenstillstand und eine politische Lösung möglich gemacht haben. Offenbar verhandelt Russland bereits direkt mit den Taliban. Man wird auch kaum Probleme haben, die USA und die Nato die Schwierigkeiten in Afghanistan alleine aushandeln zu lassen, zumal immer mehr Afghanen Richtung Europa fliehen - und nicht Richtung Russland -, während die Situation im Land immer unsicherer wird.

Das wird die Nato, Deutschland inklusive, zunehmend binden und vielleicht die Situation an der Grenze zu Russland in Osteuropa und den baltischen Ländern nicht mehr so wichtig erscheinen lassen. (Florian Rötzer)

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