Much Ado about "Weird!-Signal"

Bild: ESO/N. Bartmann/spaceengine.org

Viel unnötige Aufregung um mysteriöse Radiosignale aus dem erdnahen Sternsystem Ross 128

Extraordinary claims require extraordinary evidence!

Carl Sagan, 1979

Das perfekte von einer außerirdischen Zivilisation und Technologie emittierte Radiosignal, nach dem SETI-Forscher (SETI=Search for Extraterrestrial Intelligence) im Rahmen von verschiedenen Suchläufen seit 1960 händeringend fahnden, sollte im Idealfall folgende Kriterien erfüllen: Es sollte schmalbandig sein, eine gezielt gewählte Frequenz haben, einen starken Puls aufweisen, einen hohen Amplitudenausschlag generieren, einen rhythmischen Intervall haben und aus einer bestimmen Richtung respektive einem kleinen Raumgebiet eintreffen. Seine Signalintensität sollte stark sein und ein Informationsmuster aufweisen. Vor allem sollten mindestens zwei voneinander unabhängig operierende Antennen den Puls auffangen und möglichst über einen längeren Zeitraum aufzeichnen.

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Die Botschaft sollte sich im Äther deutlich von der Kakofonie des kosmischen Geräuschkonzerts abheben. Im optimalen Fall sollte sie auf der 21-Zentimeter-Wasserstofflinie eine interstellare Sinfonie anstimmen, die über mehrere Tage hinweg hörbar wäre. Erklänge eine solche Melodie im Radiobereich, müssten die Astronomen die fremde interplanetare Etüde transkribieren, dechiffrieren und ihren Inhalt verstehen - und zu guter Letzt die Botschaft hinter der Botschaft richtig interpretieren.

Aber das irdische Auditorium, größtenteils bestehend aus Radioastronomen und Exobiologen, ist bis heute noch nicht in den Genuss eines solches Konzertes gekommen. Keine aus den Tiefen des Alls eintreffende Funknachricht übertönte die kosmisch-natürliche Sphärenmusik, die Molekülwolken, Sterne und Galaxien, aber auch zu einem kleinen Teil die kosmische Hintergrundstrahlung erzeugen. Kein interstellares intelligentes Funkfeuer konnte sich im Äther Gehör verschaffen.

Satelliten, Fernseh- und Radiosender und die stetig wachsenden Rundfunk- und Mobilnetze blenden die Hochleistungsantennen der Radioastronomen und trüben somit den Blick ins All. Vor allem Satelliten haben in der Vergangenheit immer wieder Fehlalarme ausgelöst. Bild: NASA

Wenn im Weltraum im Radiobereich eine scheinbare fremde Melodie erklingt, finden Astronomen in der Regel den suspekten Komponisten. So geschehen im Jahr 1967, als die junge irische Radioastronomin Jocelyn Bell ein ungewöhnliches Signal aufspürte, dass aus einer Abfolge schnell wechselnder Pulse bestand, die sich exakt alle 1,337 Sekunden wiederholten. Da die Quelle offensichtlich außerhalb des Sonnensystems, aber noch innerhalb der Milchstraße lokalisiert war, zog Bell eine Zeitlang in Erwägung, für diese Anomalie die extraterrestrische Karte zu ziehen. Eher scherzhaft versah Bell ihren Kandidaten mit dem Akronym LGM, das für "Litte Green Men" stand. Doch wie sich später herauskristallisierte, hatte sie keine Alien-Botschaft, sondern als erste Astronomin einen Pulsar im All ausgemacht, einen schnell rotierenden Neutronenstern, der naturgemäß starke Radiostrahlung emittiert.

Jocelyn Bell Burnell. Für ihren sensationellen Fund wurde nicht sie im Jahr 1974 mit dem Nobelpreis für Physik geadelt, sondern ihr Doktorvater Antony Hewish, was einer der größten Skandale in der langjährigen Geschichte der Nobelpreisehrungen war. Bild: RAL Space

Für den vielleicht größten Fehlalarm in der Geschichte der klassischen SETI-Forschung war der russische Astronom Nikolai Kardashev verantwortlich. Inspiriert vom Caltech-Katalog der damals registrierten Radioquellen, observierte er bereits zwei Jahre vor der LGM-Anomalie mit einem wenig leistungsstarken Radioteleskop zwei vielversprechende Kandidaten, die unter der Katalognummer CTA-21 und CTA-102 firmierten. Als sein insgesamt 80-stündiger Suchlauf im Februar 1965 endete, verzeichnete er bei CTA-102 ein sehr starkes Signal, das seiner Ansicht nach von einer extraterrestrischen Intelligenz stammen könnte. "Es erweckte den Anschein, als versuche es, auf sich aufmerksam zu machen", notierte damals der Astronom.

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OpticalSETI (OSETI) steht für die Suche nach künstlichen Lichtphänomenen im All, primär für die Fahndung nach Laserstrahlen- und pulsen, die ferne Technologien absichtlich oder unabsichtlich emittieren. Gerade bei der Suche nach künstlichen Lichtsignalen sind in der Vergangenheit unzählige Fehlalarme und Missverständnisse aufgetreten, die nicht Gegenstand dieses Beitrags sind. Bild: NASA

Für einige Vertreter der kommunistischen Propaganda war dies Anlass genug, am 12. April 1965 über die Agentur TASS verlautbaren zu lassen, sowjetische Forscher hätten interstellare Signale aufgefangen, deren Ursprung intelligenter Natur sei. In Unkenntnis der neuesten Forschungsergebnisse über Quasare, beraumten sie zwei Tage später eine große Pressekonferenz an, auf der das Duo den erstaunten Journalisten und der Weltöffentlichkeit freudig von den so kommunikativen Superzivilisationen Bericht erstattete. Doch bereits im November 1964 hatten zwei US-Astronomen die Radioquelle CTA-102 als waschechten Quasar mit einer starken Rotverschiebung identifiziert. Zwischen dem amerikanischen und russischen Team entbrannte eine kontroverse Debatte. Nach einigem Hin und Her zog Kardashev die vorschnell und lauthals lancierte First-Contact-Meldung zurück.

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