Murdoch beugt sich Proteststurm

Der Medienmogul wollte einen Coup mit der Veröffentlichung eines Buchs des freigesprochenen, aber weiterhin als Mörder verdächtigen O.J. Simpson landen, neben dem Buch wurden auch Interviews mit Simpson gestrichen

Eine gute Woche hielt Medienmogul Rupert Murdoch der erbitterten Kritik von US-Medien, Publizisten und der amerikanischen Öffentlichkeit stand. Dann knickte er ein. In einer persönlichen Entschuldigung erklärte Murdoch dem Ex-Footballstar und trotz Freispruchs verdächtigtem Doppelmörder O. J. Simpson am späten Montag das Aus. Simpsons Buch „If I Did It“, von seiner Publizistin Judith Regan als fiktive „Mordbeichte“ verkauft, kommt in den Reißwolf.

Gestrichen sind auch zwei flankierende Interviews, in denen Simpson vor laufender Kamera spekulierte, wie er seine Ex-Frau Nicole Brown Simpson und ihren Freund Ron Goldman ermordet hätte, wäre er denn der Täter gewesen. „Niemand hatte einen solch Proteststurm erwartet“, räumte ein hochrangiger Sprecher des Fernsehsenders Fox gegenüber dem Wall Street Journal ein.

Das Projekt sei nicht gut durchdacht gewesen, räumte der Chef des Medien-Imperiums News Corp. ein. Zu seiner Mutterfirma gehören Fox wie auch der Verlag ReganBooks, ein Seitenarm von HarperCollins. Murdoch bedauerte, dass das Simpson-Projekt den Hinterbliebenen der Mordopfer Leid zugefügt habe. „Fantastisch“, erklärte Ron Goldmans Schwester Kim zu der Nachricht. Dem Online-Protest der Goldmans hatten sich in in den vergangenen Tagen 45 000 US-Bürger angeschlossen.

Noch mehr Druck bekam Murdoch aus den eigenen Reihen. Dutzende Partner des Senders Fox entschieden sich gegen die Ausstrahlung von Simpsons „virtuellem Geständnis“ unmittelbar vor Erscheinen seines Titels. Werbefirmen verweigerten Fox das Geld. „Tiefer ist die US-Kultur noch nie gesunken“, empörte sich der konservative Kommentator von Fox News, Bill O'Reilly. Geraldo Rivera, ein anderer Fox-Star, entsetzte sich darüber, wie sein Unternehmen dem „lügenden Hund“ Simpson ein Publicity-Forum geben könne.

Selbst der Buchhandel ging auf die Barrikaden. Viele Geschäfte entschieden, sie würden den Titel nicht anbieten. So hatte die zweitgrößte Buchhandelskette der USA, Borders Group Inc., versprochen, keine Werbung für Simpson zu betreiben und den Verkaufserlös an Opfer häuslicher Gewalt weiterzugeben.

Simpson war 1995 in einem Aufsehen erregenden Mordprozess freigesprochen worden. In einem späteren Zivilprozess wurde er für den Tod von Brown Simpson und Goldman verantwortlich gemacht und zu Entschädigungszahlungen in Höhe von 33,5 Millionen Dollar verurteilt.

Sein Anwalt, Yale Galanter, berichtete dem Wall Street Journal, Simpson sei von dem Aufruhr „ziemlich unberührt“. Der Vater zweier gemeinsamer Kinder mit Nicole Brown Simpson hatte an dem Geschäft laut US-Medien 3,5 Millionen Dollar verdient, die ihm seinem Anwalt zufolge erhalten bleiben. Seine Verlegerin Judith Regan, die ihre Karriere einmal als Reporterin des Gerüchteblattes National Enquirer begonnen hatte, war zunächst nicht zu erreichen.

Sie hatte sich nach Einschätzung von US-Medienexperten das „Ekel erregende Projekt“ zwar ausgedacht, dafür aber sicher die Zustimmung von News Corp. eingeholt. Das Wall Street Journal erfuhr nach eigenen Angaben von einem News Corp.-Insider, dass Murdoch selbst von dem Simpson-Vorhaben gewusst hatte, das er auf Druck der Öffentlichkeit jetzt zurückgezogen hat. (dpa) (Gisela Ostwald)

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