NATO-Tagung: "Offene und effektive Beziehungen zu den Medien"

Militärs und Journalisten treffen sich im November zu einer Strategiebesprechung

Welche Spannungen gibt es derzeit zwischen den Medien und dem Militär? Reden Medien und Militär aufgrund ihrer unterschiedlichen Denkweise aneinander vorbei? Wie effektiv sind Desinformationskampagnen gegen die NATO? Fragen wie diese werden vom 23. - 25. November die Teilnehmer, bestehend unter anderem aus hochrangigen Militärs, ausgewählten Medienvertretern und Politikern, auf einer Konferenz in Essen nachgehen.

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Veranstalter ist das Joint Air Power Competence Centre (JAPCC) , eine Art Denkfabrik der NATO. Unter dem Titel "Luftmacht und Strategische Kommunikation - NATO-Herausforderungen für die Zukunft" wird es, zusammengefasst, darum gehen, herauszufinden, wie die NATO ihre Ziele effektiver in den Medien kommunizieren kann.

Die Tageszeitung die junge Welt berichtete am Wochenende, dass auf der Tagung etwa auch über den Einfluss der Friedensbewegung auf die öffentliche Meinungsbildung gesprochen werde:

Die einheimische Bevölkerung unterstützt, so die Einladung, in viel zu geringem Ausmaß die Operationen der NATO-Luftwaffe. Kräfte, die als feindlich gekennzeichnet werden, bewirkten eine "Friedensverstiegenheit" der Öffentlichkeit, so dass man sich nun mit der Medienarbeit der NATO befassen müsse, um die Öffentlichkeit besser im Sinne der Militarisierung beeinflussen zu können. Das betrifft gedruckte Medien, Rundfunk und Internet.

Junge Welt

Aus den Vorabinformationen zur Konferenz geht auch hervor, dass es dem Konferenzausrichter nicht nur um einen Austausch mit Medienvertretern geht. Vielmehr ist eines der Ziele herauszufinden, wie Fehlkommunikationen zwischen Medien und PR-Experten der NATO aus dem Weg geräumt und so eine "stärkere gemeinsame Perspektive" aufgebaut werden kann. Die Veranstalter der Konferenz betrachten "eine offene und effektive Beziehung zu den Medien in einer Demokratie als eine Notwendigkeit", heißt es in einem Flyer zur Tagung.

Wie auf der Internetseite des JAPCC ersichtlich, gilt auf den Konferenzen, die seit 10 Jahren stattfinden, die sogenannte Chatham-Haus-Regel. Demnach dürfen die Informationen, die die Teilnehmer auf der Konferenz erhalten, zwar weiter verwenden, allerdings dürfen sie die Informationen nicht einer Quelle zuordnen.

Angestoßen durch die Doktorarbeit des Leipziger Journalismusforschers Uwe Krüger, disktutieren Medien und Medienkritiker seit Monaten über die Nähe von Spitzenjournalisten zu machtelitären Zirkeln und Denkfabriken. Insbesondere auch die Verwicklungen von Journalisten zu "militärnahen Gruppen" hält Krüger für bedenklich. In einem Interview mit Telepolis im Jahr 2013 sagte Krüger:

Es gab in meiner Untersuchung einen Außenpolitik-Ressortleiter, der im Präsidium der Deutschen Atlantischen Gesellschaft saß, einem Lobbyverein für die Nato. Und es gab Außenpolitik-Ressortleiter und einen ZDF-Hauptstadtstudioleiter, die im Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik saßen und dort die Bundesregierung in Sicherheitsfragen berieten.

Uwe Krüger: Journalismusforschung:"Ganz auf Linie mit den Eliten"

(Marcus Klöckner)

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