NSU-Ausschuss: Zeuge gesteht Waffenbeschaffung

Gedrehter Polygon-Lauf, der Geschosse stabiler macht

Hinzu kommt, dass das Trio Waffen benutzt haben soll, die nicht mehr da sind, zum Beispiel vom ersten Raubüberfall auf einen Supermarkt in Chemnitz.

Ralf Wohlleben hat eingeräumt, dass er eine Waffe samt Schalldämpfer in der Hand hatte, die Carsten Schultze dem untergetauchten Trio nach Chemnitz brachte. Es soll aber nicht die Mordwaffe gewesen sein. Seine Verteidiger stützen sich nun auf ein Ermittlungsverfahren wegen Waffenhandels, in dem eben Puskaric und Rosemann auftauchen.

Ein Zeuge hatte ausgesagt, bei Rosemann eine Ceska-Pistole gesehen zu haben, die Puskaric besorgt haben soll. Das Besondere: Sie hatte einen sogenannten gedrehten Polygon-Lauf, der Geschosse stabiler macht. Die Mord-Ceska hatte dagegen einen weniger guten sogenannten gezogenen Lauf.

Doch die Wohlleben-Verteidigung beantragte, die beiden zu vernehmen. Möglicherweise hätten sie auch die Mord-Ceska geliefert und ihr Mandant habe nur eine von den anderen Waffen in der Hand gehalten.

Das Gericht hätte wieder in die Beweisaufnahme eintreten müssen. Seit Juli 2017 werden die Plädoyers gehalten. Es lehnte den Antrag ab - und machte dabei möglicherweise einen Fehler. Es erklärte, ob Puskaric und Rosemann eine zweite Ceska geliefert haben, sei irrelevant. "Tatsächlich" sei Wohlleben für die Lieferung der Tat-Ceska 83 verantwortlich. Dass keine zweite solche Waffe beim Trio gefunden wurde, bedeute nichts, denn noch weitere Waffen seien nicht gefunden worden. Möglicherweise hätten die drei auch mal Waffen weggegeben.

Unfreiwillig hat das Gericht damit die Frage aufgeworfen, ob das Trio nicht vielleicht auch die Mord-Ceska mal weggegeben haben könnte. Hätte es demnach weitere Täter gegeben? Andere Täter?

"Niemals kennengelernt"

In dieser sensiblen Situation erklärt nun der Zeuge Jug Puskaric, an einer Waffenbeschaffung mitgewirkt zu haben. Zugleich will er viele Fragen nicht beantworten. Und er bringt zum Ausdruck, dass sein "Geständnis" auch von den Ermittlungsbehörden nicht gerne gehört werde.

Jug Puskaric ist Baden-Württemberger, war eine der Neonazi-Größen des Landes und arbeitete unter anderem als Türsteher. In den 90er Jahren ging er nach Thüringen, wo er etwa zehn Jahre lang lebte, unter anderem in Erfurt. Heute wohnt er wieder in Baden-Württemberg.

Puskaric hatte nachweislich Kontakt zum Thüringer Heimatschutz (THS), will aber "niemals Teil des THS" gewesen sein, so seine Aussage vor dem Untersuchungsausschuss (UA). Auch das Trio Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe will er, obwohl Mundlos seinen Namen in einem Brief erwähnte, "niemals kennengelernt" haben. Er habe erst nach dem November 2011 von ihnen erfahren.

Bekannt war er allerdings mit Sven Rosemann, einem Hardcore-Neonazi, THS-Aktivisten mit unmittelbaren Kontakten auch zu dem Drilling aus Jena sowie tätig im Rotlichtmilieu.

Für ihn soll er drei Waffen beschafft haben, irgendwann Ende der 90er Jahre, das genaue Datum wisse er nicht mehr. Auch an sämtliche weitere Details und Umstände will sich Puskaric nicht mehr erinnern oder nichts dazu sagen. Auch, weil er sich sonst "belasten" könnte. Bei wem hat er die Waffen besorgt? Wo, in welcher Stadt? Zu welchem Preis? Nur so viel noch: Rosemann legte das Geld für den Deal in den Kofferraum. Dort entnahm es der "Verkäufer" und stellte dafür die Tasche mit den Waffen hinein.

Ganz offensichtlich schützt Puskaric nicht nur sich, sondern auch andere Personen, inklusive Rosemann.