NSU-Ausschuss: Zeuge gesteht Waffenbeschaffung

"Ostschrott"

Auffällig sind aber noch zwei Negativ-Antworten, die der Zeuge gibt: Er habe die Waffen definitiv "nicht in der Schweiz" besorgt. Und es sei definitiv "keine Ceska" darunter gewesen. Doch in der Logik seiner Aussage kann er das gar nicht wissen. Er will nämlich die Tasche mit den drei Waffen gar nicht geöffnet und hineingeschaut haben.

Dass keine Ceska darunter gewesen sei, ist ein Schluss von ihm. Rosemann habe ihm gesagt, er soll bloß "keinen Ostschrott" kaufen. Doch die tschechische Ceska sei ja Ostschrott. Und da von Rosemann hinterher keine Beschwerde kam, könne keine Ost-Ceska darunter gewesen sein.

Nebenbei: Ostschrott? Ungeschminkte Tatsache ist, dass die neun türkisch- und griechisch stämmigen Männer sowie die Polizistin Michèle Kiesewetter mit Waffen aus osteuropäischen Ländern äußerst wirkungsvoll getötet worden sind.

Warum will der Zeuge verschleiern, dass eine Ceska unter den beschafften Waffen gewesen sein könnte?

Schon seine Begründung, er habe die Tasche mit den Waffen nicht geöffnet, um keine Fingerabdrücke auf den Waffen zu hinterlassen, deutet an, dass er von einer möglichen kriminellen Verwendung ausgegangen sein muss. Dass sie lediglich für einen "Sammler" bestimmt gewesen sein sollen, kann man als Legende verbuchen.

Welchen Hintergrund hat die Geschichte? Hinweise auf die Waffenlieferung von Puskaric zu Rosemann haben Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft seit langem aus den NSU-Ermittlungen, die vor über sechs Jahren begannen. An die Öffentlichkeit gedrungen ist das immer nur punktuell. Zum Beispiel im Herbst 2016 im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Nach dem Baden-Württemberger Jug Puskaric gefragt, antwortete eine hochrangige Ermittlerin des Landeskriminalamtes (LKA) von BaWü: "Da kümmerte sich das BKA drum. Wir hatten kein Go."

Bei der Bundesanwaltschaft "immer angeschrien" worden

Die Ermittlungen und Vernehmungen im Falle Puskaric-Rosemann müssen in jüngster Zeit intensiviert worden sein. Offensichtlich wurde Puskaric im Mai 2017 von höchster Stelle verhört. Auf die Frage des BaWü-Ausschusses, warum er seine Aussage zum Teil "revidiert" habe, macht er eine Bemerkung, die sein widersprüchliches Verhalten erklären könnte. Bei der Bundesanwaltschaft, so Jug Puskaric, sei er "immer angeschrien" worden, er dürfe niemanden falsch bezichtigen, sonst sei er wegen Falschaussage dran: "Deshalb habe ich alles zurückgezogen."

Gibt der Waffenbeschaffer keine weiteren Details preis, weil die Bundesanwaltschaft ihm das nahegelegt hat? Rührt daher seine demonstrative Bestreitung einer Ceska? Wie auskunftsfreudig war Puskaric gegenüber den Chefermittlern im Falle NSU? Nach seiner Vernehmung seien wegen ihm "die ganzen Leute geladen" worden, über 60, erklärt er. Hat er also Namen genannt?

"Wurden Sie von einer Behörde als Mitarbeiter angeworben?", will der Obmann der Grünen wissen. Der Vertreter des Innenministeriums interveniert, die Frage dürfe nicht gestellt werden. Der Abgeordnete beharrt: "Doch! Wenn er kein Mitarbeiter einer Behörde war, kann er das ja sagen." Außerdem seien sie ein "Untersuchungsausschuss", also müssen sie untersuchen. Jug Puskaric antwortet: "Ich kann versichern, dass ich nie für die gearbeitet habe. Ich wurde nie angesprochen. Die suchen sich schon ihre Leute aus."