NSU-Prozess: Bundesanwaltschaft fordert für Zschäpe Höchststrafe

Ist André Eminger Teil des NSU?

Die Bundesanwaltschaft musste nun einräumen, dass André Emingers Beitrag grundlegender ist, als bisher dargestellt. Er habe das "rassistische, menschenverachtende und zynische Gesamtkonzept" der Terrorgruppe gekannt und gebilligt, so Bundesanwalt Diemer. Das habe auch für die Raubüberfälle gegolten. Was er damit erklärte, ohne es auszudrücken: Eminger war Teil der Bande, praktisch NSU-Mitglied, die Strafforderung von zwölf Jahren Haft, die der Wohllebens entspricht, insofern zwangsläufig. Doch dann kann man auch Wohlleben als NSU-Mitglied betrachten - und man muss Eminger, wie Wohlleben, in Haft nehmen.

Genau diesen Antrag stellte die Bundesanwaltschaft am Nachmittag, begründet auch damit, dass eine zwölfjährige Haft vor Augen einen Fluchtgrund darstelle. Der Antrag brachte das Plädoyerprogramm durcheinander. Der Strafsenat unter Leitung von Richter Manfred Götzl musste sich vorrangig mit diesem Antrag beschäftigen. Damit der Angeklagte aber nicht direkt entschwindet, wurde er unter Bewachung der anwesenden Justizbeamten gestellt.

Auf die Frage Götzls, ob es Umstände gebe, dass sich Eminger der Verhandlung entziehe, schüttelte der energisch den Kopf. Und während sein Anwalt die Anordnung von U-Haft für nicht notwendig erachtete, weil sein Mandant weiterhin, "wie bisher", erscheinen werde, sprach sich Nebenklageanwalt Yavuz Narin entschieden für U-Haft aus. Eminger sei in den vergangenen Jahren in Neonazi-Strukturen eingebettet gewesen, habe Verbindungen ins Ausland und habe selbst zu dieser Sitzung Personen, die ihn unterstützen mitgenommen.

Emingers Anwalt erklärte, sein Mandant habe nach dem Plädoyer der Bundesanwaltschaft vor zwei Wochen mit einem solchen Antrag auf Haftbefehl gerechnet und deshalb vorsorglich eine Tasche gepackt. Trotzdem sei er ja heute zu dem Sitzungstermin erschienen, warum sollte er morgen also nicht erscheinen?

Opferanwalt Narin entgegnete, möglicherweise habe der Angeklagte ja die Tasche gepackt, um zu fliehen. Schließlich habe er zum heutigen Sitzungstag ja treue Kameraden mitgenommen.

Auf der Tribüne saßen der Neonazi André Kapke aus Jena, der zum unmittelbaren Umfeld des Trios zählte und der ebenfalls einer der neun NSU-Verdächtigen ist, sowie ein bekannter Neonazi aus München beisammen. Ganz nebenbei wurde dabei die Verbindung zwischen der Jenaer und der Münchner Szene sichtbar. Unweit des Tatortes beim NSU-Mord an Theodoros Boulgarides gab es eine Wohngemeinschaft der Münchner Neonazi-Szene.

Das Gericht sah einen Grund zur Annahme, dass sich Eminger der Hauptverhandlung entziehen könnte, ordnete seine Ingewahrsamnahme sowie die Trennung von Wohlleben und Zschäpe an. Ob Eminger in U-Haft kommt, entscheidet sich diesen Mittwoch. Am Donnerstag sollen die Nebenkläger mit ihren Plädoyers beginnen.

4 (Thomas Moser)