Nach Syrien Afghanistan?

Russland hat gemeinsame Interessen mit Taliban

Wie Interfax berichtet, erklärte der Sonderbeauftragte des Präsidenten für Afghanistan, Zamir Kabulov, dass Russland mit den Taliban gemeinsame Interesse beim Kampf gegen den Islamischen Staat habe.

Er habe bereits früher gesagt, dass es Kanäle zum Informationsaustausch mit dem Taliban gebe. Er hatte auch erklärt, dass gleichzeitig Verhandlungen mit der afghanischen Regierung über Waffenkäufe von Russland geführt würden. Man sei darauf vorbereitet, der Regierung Waffen zu liefern, Russland werde dies aber "mit einer besonderen Sorgfalt und grundsätzlich auf einer wirtschaftlichen Basis" machen.

Die Taliban wurden vom UN-Sicherheitsrat 2003 als Terrororganisation eingestuft. Es gibt seit Jahren immer wieder Kontakte zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban, die teils auch vom Westen gefördert wurden, um ein Ende des bewaffneten Konflikts zu erreichen.

Offenbar will sich nun Russland nach Syrien auch stärker in Afghanistan engagieren, was nicht nur mit der Sorge zu tun haben dürfte, dass sich dort der Islamische Staat ausbreiten könnte. Man wird erwarten können, dass sich nicht nur an der Südgrenze der Nato in der Türkei der Konflikt zwischen Nato und Russland verstärkt, sondern nach der Ukraine auch am Hindukusch.

Nach Kabulov sind die Taliban dafür geeignet, über Verhandlungen eine politische Lösung erreichen zu können, auch weil sie den selbst ernannten Kalifen al-Bagdadi nicht anerkennen. Die Taliban seien vor allem eine nationale Befreiungsbewegung.

Die Taliban sagen, dass die Flucht der Afghanen nach Europa vor allem eine Folge der Arbeitslosigkeit, Unsicherheit und Korruption sei. Todesdrohungen gegenüber Afghanen, die angeblich von den Taliban stammen, seien gefälscht. Die Taliban rufen diejenigen, die fliehen wollen, auf, im Land zu bleiben und Geduld zu zeigen. Das Islamische Emirat von Afghanistan führe den Dschihad nur, um das Land zu entwickeln und den Menschen ein sicheres Leben "unter dem Schatten eines Islamischen Systems" zu garantieren. (Florian Rötzer)

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