Nach dem Karikaturen- der Flaggenstreit?

Mit einem Plakat und Fahnen zog ein Bordell in Köln Ärger auf sich, weil die angeblich unziemliche Verwendung der saudischen Flagge Mohammed in den Schmutz zieht

Eigentlich hatte man sich eh schon bei arabischen Fantasien des Westens bedient. Das Bordell in Köln heißt Pascha und hatte sich eine schicke Werbung ausgedacht. Auf einem riesigen, 27 Meter hohen Plakat an der Hauswand des Bordells ist eine leicht bekleidete Dame mit dem Titel „Die Welt zu Gast bei Freundinnen“. Weil man die Fußballweltmeisterschaft und deren Slogan ausnutzen wollte, wurden auf dem Plakat auch noch die Fahnen aller 32 Länder aufgedruckt, die an der WM teilnehmen. Zudem wurden Fahnen aller Länder am Haus angebracht.

Das aber erregte offensichtlich den Unmut einiger Muslime, schließlich nehmen drei muslimische Länder teil: Saudi-Arabien, Iran und Tunesien. Schon vor Tagen hatte es angeblich immer wieder telefonisch Drohungen gegen das Bordell wegen des Plakats gegeben, das auch die Flagge von Saudi-Arabien im Kontext einer fast nackten Frau präsentiert.

Der Stein des Anstoßes mit dem bereits geschwärzten Bild der saudischen Flagge. Das ganze Plakat beim Kölner Stadt-Anzeiger

Dann gab es erste Proteste von Männern, die zum Bordell gingen und forderten, dass die saudische Flagge entfernt werde. Auf der grünen Flagge befindet sich über einem Schwert nämlich noch der Text: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter.“ Man beschmutze die Ehre Mohammeds, wenn man die Flagge mit dieser Inschrift auf einem Bordell anbringe, war der Vorwurf nach den Presseberichten. Vom Bordell aus wurde bereits letzte Woche wegen der Drohungen die Polizei eingeschaltet und schon einmal die saudische Flagge abgehängt. Das aber hat wohl nicht ausgereicht, weil sie noch auf dem Plakat zu sehen war.

Am Freitagabend kamen dann einige vermummte Männer, die angeblich wieder Drohungen äußerten. Dabei scheint es einige Diskrepanzen zu geben. Der Kölner Express spricht von 11 vermummten Männern, der Kölner Stadt-Anzeiger von 30, die mit „Messern und Schlagstöcken ausgerüstet“ gewesen seien. Daraufhin habe man erneut die Polizei gerufen, die Männer waren allerdings bei deren Eintreffen bereits verschwunden. "Die Situation war brisant", sagte Pascha-Geschäftsführer Lobscheid, "einige der Leute verglichen unsere Werbung mit den dänischen Mohammed-Karikaturen."

Offenbar ging anschließend die Angst im Bordell um: „Terror-Angst in Europas größtem Bordell. Die Frauen und Angestellten des Pascha in Neuehrenfeld fürchten sich vor der Rache islamischer Extremisten“, schreibt der Express. Am Samstag wurden nicht nur alle Fahnen abgehängt, sondern man schwärzte auf dem Plakat neben der saudischen Flagge präventiv auch das Bild der iranischen, obgleich es deswegen wohl keine Proteste gegeben hatte. Aber man kann ja nie wissen. Die tunesische Flagge ließ man allerdings aus unerfindlichen Gründen weiter stehen.

Die saudische Nationalflagge

Lobscheid meinte, man habe die saudische Flagge bestellt und nicht gewusst, was auf dieser stehe. Hat jetzt also unbedacht ein Bordell einen Karikaturen-Streit entfacht? An den Werbeideen eines Bordells muss man zweifellos keine großen Kulturkampfthesen auffahren oder von Meinungsfreiheit sprechen. Allerdings ist es schon bedenklich, dass offenbar fanatisierte Gläubige meinen, sie könnten ihre Überzeugungen mit Drohungen anderen aufzwingen – und damit auch Erfolg haben, da Menschen offenbar davon ausgehen, dass – in diesem Fall – Islamisten diese auch wirklich in Gewalttaten umsetzen (nicht ganz abseitig, zumal bin Laden gerade zur Ermordung der dänischen Karikaturisten aufgerufen hat). Dass dann sicherheitshalber gleich noch die nichtbeanstandete Flagge Irans mit geschwärzt wird, während in aller Eile die tunesische übersehen hat, weist auf die bestehende Unsicherheit hin.

Allerdings hätte man auch meinen können, dass gläubige Muslims endlich fordern könnten, dass die saudische Flagge, die ja den Staat repräsentiert und damit für alle möglichen, nicht unbedingt religiösen Zwecke verwendet wird, von ihren religiösen Bezügen gereinigt wird. Oder sollten die erzürnten Gläubigen im saudischen Königreich wirklich einen Gottesstaat sehen, der sich zurecht mit dem Glaubensbekenntnis (Shahada) identifiziert? Zumindest gab es schon öfter Schwierigkeiten mit dieser religiösen Nationalflagge, die auch nicht halbmast gesetzt werden darf, weil man damit Gott und Mohammed erniedrigt. (Florian Rötzer)