Nach der Autopartei hat die Schweiz nun auch eine Internetpartei

"Argumentarier statt Selbstdarstellungsfritzen"

Zielrichtung der Schweizer Internetpartei sind "Grassroots"-Plebiszite, ihre Wurzeln sind im Bauernstand.

"Was wir wollen, ist eine Eins-zu-Eins- Demokratie", sagt Guido Honegger von der in ihrer Gründungsphase befindlichen Schweizer Internetpartei. Analog zum Jahrhunderte alten Muster der in der Schweiz praktizierten plebiszitären Demokratie soll die Partei als "moderne Landsgemeinde" einmal im Monat in virtuellen Foren über Themen und Zielrichtung entscheiden.

Von den herkömmlichen "Selbstdarstellungsfritzen in der Politik" habe man genug, gefragt sei in Zeiten wie diesen nunmehr der Typus des "Argumentariers." Dem alten Links-Rechts-Schema kann die Internetpartei, deren Site am 19. November unter wwww.internetpartei.ch ans Netz gehen soll, genausowenig abgewinnen. Wenn die Mehrzahl der Mitglieder zu einem bestimmten Thema eine traditionell mehr der Rechten zugeschriebene Position einnehme, dann sei das ebenso zu akzeptieren wie im Falle des Gegenteils. "Politisch nicht einordenbar" zu sein, sei eine wichtige neue Qualität der Internetpartei, deren Linie noch am ehesten mit den Libertarians amerikanischen Zuschnitts Ähnlichkeit haben soll. Ganz sicher ist das allerdings erst, wenn die vorläufige Linie durch die erste der monatlichen Abstimmungen gegangen ist.

Eine Forderung steht bereits fest:

"Alle Schweizer Kindergärten ans Internet."

Die Frage, ob dies nicht etwas übertrieben sei, beantwortet Honegger mit "nein". Die Jugend solle möglichst früh mit den neuen Medien konfrontiert werden, zum Zweck der Eingewöhnung in die nur elektronisch mögliche Ausübung des panhelvetischen Monatsplebiszits.

Dass diese Initiative nicht nur strukturell an verschiedene "Grassroots Movements" erinnert, hat damit zu tun, dass Honegger im Zivilberuf als Abteilungsleiter beim Schweizer Bauernverband fungiert. Daneben ist er Geschäftsführer von agri.ch, dem verbandseigenen Internetprovider, der die Schweizer Bauern etwa mit Informationen über den Fortgang der Zuckerrübenernte auf dem Laufenden hält.

In Österreich ist man in puncto Bauernbünde als Internet-Provider noch nicht so weit. Im Bundesamte und Forschungszentrum für Landwirtschaft (BFL) tagt man am Freitag (6.November) zum Thema "Telearbeit - Neue Arbeitsplätze im ländlichen Raum." Veranstalter der Tagung, die im Rahmen der Europäischen Telearbeitswoche 1998 stattfindet, ist das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft. (Erich Moechel)

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