Nach erneuter Kollision legt die US Navy eine "operative Pause" ein

Der Zerstörer USS John S. McCain nach der Kollision. Bild: US Navy

Schon wieder stieß ein US-Zerstörer mit einem Frachtschiff zusammen, es ist der vierte Vorfall im asiatisch-pazifischen Raum, offenbar herrscht nun Panik bei Trumps Armada

Irgendetwas stimmt bei der US-Marine nicht. Schon zum zweiten Mal stieß ein US-Zerstörer mit einem Frachtschiff zusammen. Der Zerstörer USS John S. McCain, benannt nach dem Vater und Großvater des Senators John McCain, die Admiräle waren, in der Straße von Malakka nach Singapur unterwegs. In der Früh, als die Morgendämmerung noch nicht angebrochen war, kollidierte der Zerstörer mit dem Öltanker Alnic MC.

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Beide Schiffe wurden beschädigt, der Zerstörer jedoch stärker als der Tanker. Wie beim ersten Mal, als vor zwei Monaten der Zerstörer "USS Fitzgerald" mit einem Containerschiff vor der Küste Japans zusammenstieß, wurden Mannschafts-, Maschinen- und Kommunikationsräume überflutet. 10 Soldaten werden noch vermisst, 5 wurden schwer verletzt. Bei der letzten Kollision, deren wirklicher Grund noch nicht bekannt ist oder von der Marine verschwiegen wird, ertranken 7 Soldaten und wurden 3 Soldaten verletzt..

Auch jetzt ist der Grund für die Kollision nicht bekannt. Wie beim letzten Mal kündigte die Marine eine genaue Untersuchung an. Bei dem vorläufigen Untersuchungsergebnis über die nächtliche Kollision von "USS Fitzgerald" mit dem 220 m langen Containerschiff wurde Nachlässigkeit bei der Führung und der Mannschaft beider Schiffe und schlechte Seemannskunst gerügt. Die Kollision wäre vermeidbar gewesen. Der Kommandeur wurde in den Ruhestand wegen Zweifel an seiner Führungsfähigkeit versetzt, auch mehrere Offiziere wurden von ihren Aufgaben entbunden. Zudem werden einige Offiziere und Beobachter angeklagt. Gelobt wurde jedoch das gesamte Team, weil es schnell und unerschrocken Hilfe geleistet hat. Auch im aktuellen Fall wurden die Soldaten wieder als "Helden" bezeichnet.

USS Fitzgerald nach Kollision mit einem Containerschiff. Bild: US Navy

Die Untersuchung ließ aber erst einmal außen vor, was vor der Kollision der USS Fitzgerald geschehen war. Man erfährt, dass es dunkel war, aber der Mond schien, die Sicht war unbehindert, das Meer relativ ruhig. Der Zerstörer fuhr abgedunkelt (darkened ship), nur die Navigationslichter waren angeschaltet. Ansonsten werden der Zusammenstoß und die Folgen geschildert.

Nach ersten Informationen nach der Kollision hieß es, dass das Containerschiff vermutlich von einem digitalen Autopiloten gelenkt wurde (Containerschiff war bei Kollision mit dem US-Zerstörer auf Autopilot). Gut möglich sei, dass die Mannschaft das Schiff völlig autonom fahren ließ und geschlafen hat. Erst eine Stunde später gab es Meldungen von dem Schiff, das erst einmal, gesteuert vom Autopiloten, weitergefahren war. Möglich ist ein Fehler des Autopiloten, allerdings könnte dieser auch gehackt worden sein. Noch seltsamer ist jedoch, warum vom Zerstörer (der mit dem Aegis-Radarsystem, dem AN/SPS-64-Radar, einem kommerziellen Radar und anderen Sensoren ausgestattet war), das Containerschiff nicht ausgemacht wurde - auch nicht von der Mannschaft auf der Brücke. Das lässt auch der erste Bericht im Dunklen. Ein riesiges, 220 Meter langes Containerschiff sollte kaum zu übersehen sein, zumal es anhand der Daten des Automatic Identification System (AIS) hätte erkannt werden müssen.

Im asiatischen Raum gab es allerdings dieses Jahr noch zwei weitere Vorfälle, die die Unfälle zu einer Serie zu machen scheinen. So lief der Kreuzer Antietam im Januar in der Nähe des japanischen Marinestützpunkts Yokosuka auf Grund. Im Mai stieß der Kreuzer Lake Champlain östlich der koreanischen Halbinsel mit einem Fischerboot zusammen, was eher schlecht für das Fischerboot ausging, während die großen Lastschiffe so etwas aushalten. Angeblich verfügte das Fischerboot über keine Funkverbindung und hatte kein Navigationssystem, es soll auch nicht auf Warnsignale reagiert haben.

Kaum nachvollziehbar ist die Häufung solcher Vorfälle in der pazifischen Region. Schließlich sind die Kriegsschiffe mit jeder erdenklichen Technik ausgestattet. Während gerne immer wieder darüber spekuliert wurde, ob eventuell amerikanisches Militär oder US-Geheimdienste Möglichkeit gefunden haben, um die Entwicklung von Raketen in Nordkorea zu stören oder einen Test scheitern zu lassen, wäre es durchaus denkbar, dass Nordkorea oder China über Cyberangriffe testen, wie sich US-Kriegsschiffe "blenden" lassen.

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Admiral Richardson sprach bereits von einem beunruhigenden "Trend" in der Region und wies auf die vier Vorfälle hin. Er teilte besorgt mit, dass die Marine auf der ganzen Welt eine "operative Pause" einlegen wird. Man müsse die Ursache aufklären, um die Operationen zu sichern und die Einsatzfähigkeit zu garantieren. Es soll eine umfassende Untersuchung geben. (Florian Rötzer)

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