Nachhaltige Ernährung ist möglich

Nachhaltig? Ja, zur richtigen Saison. Bild: Pixabay / Public Domain

Viele Menschen schätzen ihr Wissen über Landwirtschaft und Lebensmittel selbst als zu gering ein. Dennoch lassen sich umwelt- und gesundheitsschädliche Konsumgewohnheiten reduzieren

Wer sich gesund und nachhaltig ernähren will, muss oft erst einmal recherchieren: Was ist eigentlich im Essen drin und wo kommt es her? Organisationen wie Foodwatch setzen sich dafür ein, dass dies durch mehr gesetzliche Vorgaben zur Kennzeichnung von Zutaten und deren Herkunft einfacher gemacht wird.

Produzenten und Handel sind da nicht immer entgegenkommend, denn mehr Wissen über Inhaltsstoffe, Herkunft und Produktionsbedingungen einiger Lebensmittel könnte die Verbraucherinnen und Verbraucher stark verunsichern. Die Universität Kiel und das Forum Moderne Landwirtschaft e. V. haben in einer aktuellen Umfrage herausgefunden, dass 52 Prozent der Bevölkerung ihr Wissen über die Landwirtschaft selbst als zu gering einschätzen.

Was Menschen täglich essen und trinken, hat aber einen bedeutenden Einfluss, denn neben fossilen Energieträgern und motorisiertem Individualverkehr ist die industrielle Landwirtschaft mitverantwortlich für Klimawandel und Artensterben - und das laut einer Studie des UN-Umweltprogramms und der Denkfabrik Chatham House, die vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde, nicht nur am Rande. Eine auf hohen Fleischkonsum ausgerichtete Landwirtschaft ist demnach sogar ein Haupttreiber der Naturzerstörung.

Teils menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und Niedriglöhne kommen hinzu - vor allem bei Lebensmitteln, die aus fernen Ländern und nicht aus fairem Handel stammen.

Jeder Schritt in die richtige Richtung zählt!

Mit der Entscheidung für nachhaltigere Lebensmittel können Konsumenten eine faire und ökologische Landwirtschaft unterstützen. Ein Synonym für Nachhaltigkeit ist Zukunftsfähigkeit. Wer eine nachhaltige Ernährung auswählt, schont die Ökosysteme und unterstützt lohnabhängige Menschen. Besonders am Anfang ist die Umstellung nicht ganz einfach, allerdings zählt jeder Schritt in diese richtige Richtung.

Wenn Fleisch, dann Qualität statt Quantität

Vor allem ein übermäßiger Konsum von Fleisch und weiteren tierischen Produkten verursacht hohe Treibhausgasemissionen und ist gesundheitsschädlich - den Anteil tierischer Produkte an der eigenen Ernährung zu senken, bedeutet demnach für Durchschnittsmenschen nicht weniger Lebensqualität, sondern langfristig mehr.

Da Fleisch aus einer Massentierhaltung in der Regel nicht als solches gekennzeichnet ist, sollten Verbraucher immer davon ausgehen, dass es sich um solches handelt, wenn nicht beispielsweise durch ein Bio-Siegel das Gegenteil behauptet wird. Gulasch in der Kantine oder das Salamibrot in der Bäckerei enthält in der Regel Fleisch aus einer industriellen Massentierhaltung. Aufgrund einer starken Überfischung der Meere ist auch Fisch problematisch. Wer nicht auf Fleisch oder Fisch verzichten will, sollte auf Qualität achten.

Regional und saisonal einkaufen

Allerdings ist pflanzliche Ernährung alleine noch kein Garant für Nachhaltigkeit, da viele Lebensmittel lange Transportwege zurücklegen oder in Gewächshäusern angebaut werden, was ebenfalls Energie kostet und Emissionen verursacht. Wer hauptsächlich regionale und saisonale Produkte kauft, schont nicht nur das Klima, sondern hat auch mehr Möglichkeiten, sich über die Produktionsbedingungen zu informieren.

Lebensmittelverschwendung vermeiden

Ein Großteil der produzierten Lebensmittel wird ungenutzt weggeworfen. Das muss nicht sein. Wer darauf achtet, nur so viel zu kaufen, wie er tatsächlich braucht und das Essen richtig lagern, spart außerdem Geld. Auch sollte bedacht werden, dass Lebensmittel grundsätzlich auch nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießbar sein können - das gilt vor allem für Produkte ohne tierisches Eiweiß, kann aber auch für ein Stück Hartkäse gelten, das nicht verdächtig aussieht oder riecht.

Bioläden und Bio-Siegel im Supermarkt

Im Supermarkt sollte auf Fairtrade- und Bio-Siegel geachtet werden. Hier werden häufig Produkte mit einem EU-Bio-Siegel angeboten, die zwar nicht perfekt, aber im Vergleich zu den Waren von konventionellen Großkonzernen empfehlenswerter sind.

Der abgewandelte EU-Sternenkranz in Blattform auf hellgrünem Grund setzt für EU-Länder einheitliche Mindeststandards für den ökologischen Landbau. Auch das sechseckige Bio-Siegel erfüllt die EU-Norm und darf in Deutschland zusätzlich zum EU-Bio-Logo auf den Markt.

Grundsätzlich dürfen Produkte als biologisch beziehungsweise ökologisch geführt werden, wenn sie zu 95 Prozent aus ökologischer Landwirtschaft stammen. Konkret bedeutet das, dass die Erzeuger rechtlich verpflichtet sind, im Ackerbau unter anderem auf chemische Pflanzenschutzmittel, Mineraldünger und "Grüne Gentechnik" zu verzichten. Sind Lebensmittel zu weniger als 95 Prozent, aber mindestens 70 der Zutaten ökologisch erzeugt, dürfen diese in der Zutatenliste als solche gekennzeichnet werden.

Weitere Möglichkeit: Direkt beim Erzeuger einkaufen

Ausgewiesene Bioläden haben zu den Erzeugern häufig direkten Kontakt und das Personal kann bei Fragen nach Anbaubedingungen und Herkunft weiterhelfen. Allerdings bedeutet eine Bio-Zertifizierung einen großen bürokratischen und finanziellen Aufwand. Das Siegel lohnt sich vor allem für kleine Höfe nicht. Wenn Interessierte daher direkt bei einem Erzeuger einkaufen und sich vor vor Ort nach den Produktionsbedingungen erkundigen wollen, muss nicht ausschließlich auf ein Siegel geachtet werden. Auch beim Einkauf bei Bauernmärkten können Verbraucher direkt Fragen stellen. Zudem können dort die meisten Waren unverpackt gekauft werden, wodurch Plastikmüll gespart wird.

Solidarische Landwirtschaft: hundertprozentig transparent

Das Prinzip von der Solidarischen Landwirtschaft geht noch einen Schritt weiter. Privatpersonen schließen sich dabei mit Landwirten aus der Region langfristig zusammen. Den Bauern ermöglichen die Mitglieder eine ökologische Arbeitsweise, die von den Schwankungen des Marktes unabhängig ist. Die Privatpersonen erhalten im Gegenzug einen Teil der Ernte und hundertprozentige Transparenz, was die Herkunft der Lebensmittel angeht.

Wer einen Teil seiner Lebensmittel selbst anbauen will, braucht nicht zwingend einen eigenen Garten. Einige Bauern vermieten Parzellen an Privatpersonen und bieten beim Gemüsebau Beratung an. (Katharina Sophie Hübener)